US-Vorwahlen in Indiana: Endspurt für Trump

US-Vorwahlen in Indiana: Endspurt für Trump

, aktualisiert 03. Mai 2016, 18:32 Uhr
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In New York holte Trump mit 60 Prozent der Stimmen rund 90 Prozent der Delegierten – dennoch kritisiert er das Vorwahlsystem immer wieder.

Quelle:Handelsblatt Online

In Indiana zählt es für die US-Republikaner: Gewinnt Donald Trump den Staat im Mittleren Westen, ist seine Präsidentschaftskandidatur praktisch nicht mehr zu stoppen. Ted Cruz braucht jede Stimme.

IndianapolisWenn Ted Cruz auf Wahlkampftour ist, dann ist die Bibel nicht weit. Gott, der Allmächtige, ist Stammgast in den Redemanuskripten des Texaners. Vor der vielleicht entscheidenden Vorwahl der US-Republikaner bei der Suche nach einem Präsidentschaftskandidaten in Indiana gingen die Anhänger des erzkonservativen Texaners noch einen Schritt weiter: Sie beteten auf offener Bühne für ihren Mann. Die Not muss groß sein. Die letzte Umfrage sah den Konkurrenten Donald Trump 15 Prozentpunkte in Front.

Tatsächlich steht die beispiellose Kandidatensuche der Republikaner an einem Scheidepunkt. Cruz muss die Wahl in Indiana gewinnen, will er noch eine echte Chance haben, Donald Trump auf seinem Marsch in Richtung Kandidatur aufzuhalten. Gewinnt Trump in Indiana klar, wird er mit großer Wahrscheinlichkeit jene 1237 Delegierten hinter sich scharen, die auf dem Parteitag in Cleveland im Juli zu einer absoluten und damit unumkehrbaren Mehrheit führen.

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Beiden Lagern ist der Ernst der Lage klar. „Die Augen der Nation sind auf Indiana gerichtet“, sagt Carly Fiorina, die Ted Cruz vor wenigen Tagen in einer Art Akt der Verzweiflung als seine Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin auserkoren hatte. „Wir brauchen jede einzelne Stimme“, betont Cruz selbst. Und Donald Trump sagt es auf seine Art: „Wenn wir hier gewinnen, ist es vorbei – dann sind sie weg.“

6,4 Millionen Dollar haben Ted Cruz, seine Spendensammler und die Anti-Trump-Koalition gemeinsam allein in Fernsehwerbung in Indiana gepumpt. Auf den Lokalsendern vergeht kaum eine Viertelstunde, in der nicht der Senator aus dem Fernseher grüßt. Trump kam mit einer Million aus. Für die Menschen in Indiana ist das ungewohnt.

Bei früheren Wahlen war das Rennen längst gelaufen, als ihr Staat an der Reihe war. „Das ist aufregend und furchteinflößend zugleich“, sagt Rob Butzun, ein Familienvater aus Indianapolis.

Die Menschen in Indiana sind genervt, weil viele Industrie-Arbeitsplätze zuletzt nach Mexiko abwanderten. Auch der Klimaanlagenbauer Carrier verlagert sein Werk mit 1500 Leuten nach Mexiko. Allein in den vergangenen drei Monaten gingen 5000 Jobs in der Produktion verloren. Das ist die Proteststimmung, in der Trumps Thesen fruchtbaren Boden finden.


Trump ist größter Profiteur des Vorwahlsystems

Ted Cruz hatte sich zuletzt als Alternativkandidat gegen Trump positioniert und damit eine gewisse Unterstützung auch des Partei-Establishments erreicht. Mit minutiöser Kleinarbeit hat er seit Monaten die Delegiertenplätze in den Staaten möglichst mit seinen Leuten besetzt. Dies sollte eine Kampfabstimmung auf dem Parteitag in Cleveland vorbereiten – wenn die Delegierten im zweiten oder dritten Wahlgang nicht mehr an das Vorwahlergebnis ihres Staates gebunden sind, dann sollten sie für Cruz stimmen.

Trump hatte das gewurmt; der politische Seiteneinsteiger ohne nennenswerte Hausmacht in der Partei ließ keine Gelegenheit aus, das Vorwahlsystem als manipulativ zu brandmarken – wenngleich er selbst der größte Profiteur ist.

Die Wahlsystematik bescherte Trump Kantersiege – zunächst in New York, wo er mit 60 Prozent der Stimmen 90 Prozent der Delegierten holte. Dann in Pennsylvania und vier weiteren Staaten mit ähnlichen Relationen. Der Schluss der Vorwahlkalenders 2016 sieht weitere Trump-Hochburgen vor. In New Jersey oder West Virginia führt der 69-Jährige haushoch. In Kalifornien, dem größten Vorwahlstaat überhaupt, hat er seinen Vorsprung vor Cruz in den vergangenen vier Wochen auf mehr als 30 Prozentpunkte verdreifacht.

Nicht nur, dass für Cruz nach Indiana kaum noch Reparaturchancen bleiben. Die Umfragewerte sind vernichtend für den Familienvater aus Texas. Seine Sympathiewerte sind deutlich hinter diejenigen von Trump gerutscht; die weitaus meisten Republikaner wollen, dass der Bewerber mit den meisten Stimmen auch Kandidat wird. Fast wehrlos erschien der 45-Jährige, als sein eigener Parteifreund John Boehner ihn vor Tagen schwer beleidigte und behauptete, Cruz habe den „Teufel im Leib“. Vermutlich hilft tatsächlich nur noch beten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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