US-Vorwahlen in Indiana: Ted Cruz stemmt sich verzweifelt gegen Trump

US-Vorwahlen in Indiana: Ted Cruz stemmt sich verzweifelt gegen Trump

, aktualisiert 03. Mai 2016, 20:30 Uhr
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Der republikanische Bewerber Ted Cruz hat sogar einen bis dahin fast undenkbaren Pakt mit seinem Konkurrenten John Kasich geschlossen – eine reine Blockadestrategie gegen Donald Trump.

Quelle:Handelsblatt Online

In Indiana geht es im US-Vorwahlkampf abermals ums Ganze. Der republikanische Bewerber Ted Cruz hat Wochen dort verbracht. Um Donald Trump zu blockieren, geht er nun sogar eine Allianz mit Konkurrent John Kasich ein.

IndianapolisTed Cruz hat sich durchgebissen. Trotz der vielen Rückschläge im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner versichert der Senator aus Texas tapfer: „Ich bin dabei, um bis zum Ziel zu laufen.“ Doch lässt er einen Nachsatz folgen: „Solange wir einen gangbaren Weg zum Sieg haben.“

Ob Chancen bleiben, dem großen Rivalen Donald Trump die Nominierung zu nehmen, wird Mittwochfrüh klarer sein – nach der Vorwahl in Indiana. Der Staat der Maisbauern und Rinderzüchter zwischen Illinois und Ohio galt bislang nicht gerade als politisches Epizentrum. Doch in diesem Wahlkampf ist alles anders – jede Woche eine Entscheidungsschlacht.

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Und dabei geht es bisher nur um die Auswahl der Kandidaten, die sich im November dem Volk zur Wahl stellen. In manchen Wahljahren war das Rennen schon gelaufen, bis der Tross der großen Parteien Indiana überhaupt erreichte.

Deshalb wird ja so großes Gewese gemacht um die ersten Abstimmungen in Iowa und New Hampshire zu Jahresbeginn, weil sich daraus oft eine Dynamik entwickelt, die rasch einen Bewerber zum Sieg trägt. Doch 2016 mussten die Kandidaten in Indiana noch einmal alles geben zwischen Treckern und Silotürmen.

Cruz hat die vergangenen Wochen praktisch nur in Indiana verbracht. Er hat sogar einen bis dahin fast undenkbaren Pakt mit dem dritten republikanischen Bewerber John Kasich geschlossen: Kasich, obwohl Gouverneur im benachbarten Ohio und damit Lokalmatador, lässt Cruz in Indiana den Vortritt, damit dieser Trump möglichst viele Stimmen abjagen kann.

Dafür darf dann Kasich alleine Wahlkampf gegen Trump in Oregon und New Mexico machen. Beides dient nur noch einer Blockadestrategie. Trumps Rivalen sind weit abgeschlagen und ohne eigene Chance auf eine Mehrheit der Delegierten, die bei den Vorwahlen ausgewählt werden und dann beim Parteitag im Juli den Kandidaten bestimmen.

Nur Trump kann noch aus eigener Kraft über die Schwelle der nötigen 1237 Mandate kommen. Aber auch für Trump wird es sehr knapp, weil seine ursprünglich sehr vielen Kontrahenten etliche Punkte bunkern. Und der erzkonservative Cruz und der gemäßigte Kasich sind sich bei allen politischen Differenzen einig im Bemühen, den Milliardär aus New York zu verhindern.


Clinton stimmt sich bereits auf das eigentliche Rennen ein

Ihr Argument: Trump mag zwar mit polternden Reden und Breitseiten gegen Minderheiten die Republikaner begeistern und Vorwahlen gewinnen, hätte aber in den allgemeinen Wahlen keine Chance. Diese Linie fuhren auch viele in der Parteispitze, die Trump monatelang als eine Art Clown darstellten, der keine Stimmen bekommen würde.

Die Vorwahlen haben sie widerlegt, denn Trump war schon in jeder Region der Vereinigten Staaten siegreich. Nun hat auch Trump mehr Zeit im Wahlkampf in Indiana verbracht als in den meisten anderen Staaten zuvor. Wenn er hier gewinnt, hat er zwar immer noch nicht die benötigten Stimmen, doch wäre der Rest der Strecke erheblich leichter.

Trump meint sogar: „Indiana ist sehr wichtig, denn wenn ich hier gewinne, ist Schluss, dann wäre es vorbei.“ Dann könnte sich der Milliardär bereits auf die wahrscheinliche demokratische Gegenkandidatin einschießen: Hillary Clinton. Clinton liegt im Rennen der Demokraten inzwischen deutlich vor dem linken Senator Bernie Sanders aus Vermont und hat bereits 91 Prozent der Delegierten, die sie für die Nominierung braucht.

Weil bei den demokratischen Vorwahlen die Delegierten nach Stimmengewichtung aufgeteilt werden, könnte Clinton sogar sämtliche verbleibenden Vorwahlen verlieren und sich trotzdem die Nominierung sichern. Sanders räumt inzwischen ein, dass es sehr schwierig wäre, Clinton noch zu überholen.

Deren Wahlkampfteam stellt sich bereits auf das eigentliche Rennen um das Weiße Haus ein. In US-Staaten, die im November den Ausschlag geben, werden derzeit Mitarbeiter eingestellt. Außerdem sammelt Clinton Spenden für den Herbst.

Auch Trump erweitert gerade sein bisher kleines Team, ist aber bei den Vorbereitungen längst nicht so weit wie Clinton. Noch beschäftigen ihn vor allem seine Verfolger – selbst wenn sich im Lager des Zweitplatzierten Cruz langsam Pessimismus breit macht. Seine Berater wappneten sich für den Fall, dass die Strategie des Senators in Indiana nicht aufgeht.

Umfragen legen dies nahe. In einer Erhebung für NBC und Wall Street Journal lehnten sechs von zehn Vorwählern in Indiana die Allianz zwischen Cruz und Kasich ab. Trump frohlockt bereits: „Das kommt davon, wenn Politiker Deals machen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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