US-Vorwahlen in Wisconsin: Die Stunde der Außenseiter

US-Vorwahlen in Wisconsin: Die Stunde der Außenseiter

, aktualisiert 06. April 2016, 06:51 Uhr
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Der Gewinner von Wisconsin setzt Donald Trump unter Druck.

von Moritz KochQuelle:Handelsblatt Online

Bei den Vorwahlen in Wisconsin lassen die Favoriten Federn, die Außenseiter Ted Cruz und Bernie Sanders gewinnen. Gerade Cruz' Erfolg könnte den Abgesang auf den bisherigen Spitzenreiter Donald Trump einleiten.

WashingtonVor Wochen hatte sich die republikanische Elite eines geschworen: „Never Trump“. Nun gibt es endlich was zu feiern. Donald Trump hat bei der Vorwahl in Wisconsin einen schweren Rückschlag erlitten. Der klare Sieger des Abends ist Ted Cruz.

In Trumps Wahlkampfteam wächst die Nervosität. Das Online-Magazin Politico berichtet von internen Auseinandersetzungen und einer Entlassungswelle. Trumps Strategie war bisher voll auf ihn selbst zugeschnitten, er hat einen Personenkult begründet. In der Frühphase des Vorwahlverfahrens hatte ihn das beflügelt. Nun aber beginnt es sich zu rächen.

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Trumps Strahlkraft verblasst mit jedem neuen Interview, in dem er seine Ahnungslosigkeit offenbart. Ob Abtreibung oder Außenpolitik – Trump hat keine seiner Positionen durchdacht und es fällt ihm zunehmend schwer, seine intellektuellen Defizite mit seinen Entertainer-Qualitäten zu überspielen. Erstmals in diesem Wahlkampf wirkt er ernsthaft angeschlagen.

Die Parteiführung der Republikaner fürchten nicht nur, dass eine Trump-Kandidatur eine sichere Niederlage gegen Hillary Clinton bedeuten würde, sondern dass der Populist die Partei auf Jahre hinaus als unzurechnungsfähig brandmarken würde. Mit Trump auf dem Stimmzettel wäre die Mehrheit im Senat in Gefahr und, was selbst die kühnsten Optimisten der Demokraten bis vor kurzem nicht zu hoffen gewagt hatten, wohl auch die Kontrolle des Abgeordnetenhauses.

Darum schart sich das konservative Establishment, die Riege der Vordenker, Finanziers und Funktionäre, nun um Cruz, den Hardliner aus Texas. Dabei hat der reaktionäre Senator sich viele Feinde in seiner Partei gemacht, unter seinen Senatskollegen ist er regelrecht verhasst. „Wenn du Ted Cruz im Plenum des Senats töten würdest und das Gerichtsverfahren im Senat stattfände – niemand könnte dich verurteilen“, ätzte Senator Lindsey Graham kürzlich. Doch selbst Graham ist Cruz inzwischen lieber als Trump. Cruz ist zumindest linientreu, Trump völlig unberechenbar.


Kasich als der lachende Dritte?

Zwar bleibt der Texaner auch nach seinem Sieg in Wisconsin ein Außenseiter, aber als Trump-Alternative ist er zunehmend glaubwürdig. Trump ist weiterhin der einzige Kandidat, der die Schwelle von 1237 Delegierten in den verbliebenen Vorwahlen noch überschreiten kann. Doch diese Chance ist nunmehr nur noch eine theoretische. Weitaus wahrscheinlicher ist inzwischen ein anderes Szenario: ein umkämpfter Parteitag, bei dem der Präsidentschaftskandidat erst nach mehreren Wahlgängen bestimmt werden kann.

Genau darum bleibt auch der dritte verbliebene Bewerber der Republikaner, der moderate Gouverneur John Kasich, noch im Rennen. Er spekuliert darauf, als Überraschungssieger aus dem Parteitagsgetümmel hervorzugehen. Sonderlich plausibel ist das nicht, Cruz hat bessere Karten.

Bei den Demokraten brachte der Wahlabend das erwartete Ergebnis: einen Sieg für den linkspopulistischen Senator Bernie Sanders. Dennoch heißt die große Favoritin weiterhin: Hillary Clinton. Wie Sanders sie noch einholen will, bleibt sein Geheimnis.

Der Wahlkampftross zieht nun weiter nach New York. Dort wird es für Sanders ungemütlich. Die New Yorker „Daily News“, ein Boulevardblatt, das sich den Kampf gegen die Waffenplage in den USA auf die Fahnen geschrieben hat, titelt in seiner aktuellen Ausgabe: „Sanders Schande“. In einem Interview hatte sich Sanders dagegen ausgesprochen, dass die Hinterbliebenen des Amoklaufs von Sandy Hook den Hersteller der Mordwaffe verklagen können. Clinton dagegen hat sich klar im Lager der Waffengegner positioniert.

Quelle:  Handelsblatt Online
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