US-Vorwahlen: Super Trumpday

US-Vorwahlen: Super Trumpday

, aktualisiert 02. März 2016, 07:02 Uhr
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Der Republikaner Donald Trump und die Demikration Hillary Clinton sind die klaren Sieger des Super Tuesday. 

von Michael StahlQuelle:Handelsblatt Online

Donald Trump ist der große Sieger des großen Vorwahltags in den USA. Die republikanische Präsidentschaftskandidatur ist ihm nur noch schwer zu nehmen. Und er kann es kaum erwarten, sich mit Hillary Clinton zu messen.

WashingtonDer Sieg, den Donald Trump am Dienstag beim Vorwahlmarathon in elf US-Bundesstaaten eingefahren hat, ist fast so gewaltig wie sein Ego. Trump triumphiert in Georgia, Arkansas, Alabama, Tennessee, Massachusetts und Virginia. Amerika hatte sich auf einen „Super Tuesday“ eingestellt, ein „Super Trumpday“ wurde es. Die Präsidentschaftskandidatur der Republikanischen Partei ist ihm damit kaum noch zu nehmen.

Zwar gelingt es Ted Cruz neben seinem Heimatstaat Texas auch Oklahoma für sich zu entscheiden, doch damit hat der ultrakonservative Senator nur Minimalziele erreicht. Eigentlich hatte er gehofft, im Süden eine Siegesserie zu starten, die ihn bis ins Weiße Haus tragen sollte. Doch Trump bremst ihn aus, ehe er richtig in Fahrt kommen kann.

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Der Wahlsieger tritt in einem goldverzierten Ballsaal auf. Er prahlt mit seinen Erfolgen – und sprudelt vor Schadenfreude. Seinen Rivalen Marco Rubio, „ein totales Leichtgewicht“, erklärt er zum großen Verlierer des Abends.

Tatsächlich sieht es nicht gut aus für den jugendhaften Senator aus Florida. Zwar gewinnt er in Minnesota. Doch der Staat stellt gerade einmal 38 der insgesamt mehr als 1200 Delegierten für den Nominierungsparteitag im Juli in Cleveland.

Dabei hat sich das republikanische Establishment in der Hoffnung um Rubio geschart, Trump doch noch zu stoppen. Und es war der Jungsenator, der in den vergangenen Tagen Trump nicht einfach nur kritisiert, sondern als einen schwitzenden, in Selbstbräuner getunkten Hochstapler verspottet hatte.

Der Ertrag der totalen Offensive? Äußert bescheiden. In vielen Bundesstaaten kommt er auf nicht einmal 20 Prozent und liegt damit unterhalb der Schwelle, die er überschreiten müsste, um wenigstens einen Teil der Delegierten zu erhalten.

„Das Rubio-Projekt liegt in Trümmern“, bilanziert David Axelrod, früherer Chefstratege von Präsident Barack Obama. Der Jungsenator trete nicht nur gegen Trump an, lästern sie auf CNN, sondern auch gegen die Gesetze der Mathematik. Schon rechnerisch ist es Rubio kaum mehr möglich, die Kandidatur seiner Partei zu gewinnen.

Aus seinem Hauptquartier in Texas ruft Ted Cruz seine Rivalen auf, aus dem Rennen auszuscheiden und sich mit ihm gegen Trump zu verbünden. Eine Kandidatur des New Yorker Milliardärs wäre „ein Desaster“, warnt er. Doch durch seinen Sieg in Minnesota ermutigt denkt Rubio nicht daran, den Appell aus Texas zu befolgen, und auch John Kasich wird ihn nicht erhören.

Der moderate Gouverneur spekuliert auf Siege im Mittleren Westen, wo in den nächsten Wochen gewählt wird. Womöglich gelingt es ihm sogar, in Vermont zu gewinnen. Am späten Abend betrug der Rückstand auf Donald Trump weniger als zwei Prozentpunkte.

Cruz größtes Manko aber ist nicht die Uneinsichtigkeit seiner Rivalen, er ist es selbst: Cruz ist in den Führungszirkeln der Republikaner noch unbeliebter als Trump. Seine Zeit ihm Senat hat er vor allem damit verbracht, seine Parteigenossen zu verprellen.


Auf einmal klingt der Rechtspopulist wie ein Demokrat

Trump probt derweil schon einmal seine Botschaft für den Hauptwahlkampf. Solange das Kandidatenfeld zersplittert bleibt, hat er nicht viel zu befürchten. „Wir haben die Mittelklasse vergessen“, klagt Trump, „unsere Industrie ist verschwunden.“ Auf einmal klingt der Rechtspopulist wie ein Demokrat. Er kann es kaum erwarten, sich mit Hillary Clinton zu messen.

Ein Duell Trump vs. Clinton wird tatsächlich zunehmend wahrscheinlich. Die frühere First Lady und Ex-Außenministerin gewinnt am Dienstag in Massachusetts, Virginia, Alabama, Tennessee, Texas, ihren Heimatstaat Arkansas und Georgia. Als Faustregel gilt: Je größer die afroamerikanische Wählerschaft, desto größer der Vorsprung auf ihren Rivalen Bernie Sanders. Die Ergebnisse sind ein Spiegelbild ihrer ersten Präsidentschaftsbewerbung. 2008 unterlag sie Obama vor allem deshalb, weil es ihr nicht gelang, eine breite Wählerkoalition zu schmieden.

In diesem Wahljahr aber ist es ihr Rivale, der sich demografisch auf dünnem Eis bewegt. Sanders wird euphorisch von jungen, weißen Wählern unterstützt, mit den Minderheiten, die einen erheblichen Teil der demokratischen Wählerschaft ausmachen, tut er sich schwer. Clinton 7, Sanders 4 steht es am Ende.

Der 74-jährige ist der Erste, der sich am Dienstagabend feiern lässt. Seine Anhänger, sie könnten seine Enkel sein, jubeln, als würde Sanders noch in derselben Nacht ins Weiße Haus einziehen. Wie ein guter Punkrocker auf seinen zwei, drei Akkorden rumschrammelt, begnügt sich Sanders mit seinem altbekannten Riff: Gerechtigkeit, Klimaschutz und Außenseitertum, mehr braucht er nicht, seine Fans sind von den Socken. Er wird sich nicht geschlagen geben, so viel ist sicher.

Während die letzten Stimmen ausgezählt werden, wird klar: Der Wahlmarathon hat viele Ergebnisse produziert – allerdings noch keine Entscheidung.

Quelle:  Handelsblatt Online
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