US-Vorwahlen: Trump hat es geschafft

US-Vorwahlen: Trump hat es geschafft

, aktualisiert 04. Mai 2016, 06:35 Uhr
Bild vergrößern

Der völlig ungesetzte und lange verlachte Seiteneinsteiger hat alle Konkurrenten weggebissen.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Die Sensation ist perfekt. Der Republikaner Ted Cruz verkündet nach einer herben Niederlage gegen Donald Trump den Rückzug. Der tritt jetzt an, um das Weiße Haus zu erobern. Doch erst muss er die eigene Partei gewinnen.

San FranciscoGeschlagen tritt Ted Cruz auf die Bühne. Im Hintergrund, mit versteinerten Gesichtern, Familie und Freunde. „Wir haben alles gegeben, aber die Wähler haben anders entschieden“, sagt der republikanische Präsidentschaftskandidat sichtlich bewegt. „Mit schwerem Herzen verkündige ich das Aus meiner Kampagne.“

Es „gibt keinen Weg zum Sieg mehr“, räumte Cruz bei seiner Ansprache am Dienstagabend ein. Die Vorwahlen in Indiana hätten ein klarer Erfolg werden müssen. Doch weder eindringliche Beschwörungen an die Parteibasis noch ein Nichtangriffspakt mit John Kasich halfen, um Gegenkandidat Donald Trump zu schaden. Der Milliardär aus New York siegte in Indiana mit 53 Prozent der Stimmen, weit vor Cruz mit 37 Prozent.

Anzeige

Die republikanische Partei zog derweil die lange überfälligen Konsequenzen und erklärte Trump, den ungeliebten Kandidaten, vorzeitig zum Sieger der Kandidatenkür. „Donald Trump wird unser Kandidat“, twitterte Reince Priebus, der Vorsitzende des nationalen republikanischen Komitees, „Es wird nun Zeit, zusammenzuhalten und Hillary Clinton zu besiegen.“

Die Luft ist raus

Damit ist die Luft endgültig raus aus der republikanischen Vorwahl. Der völlig ungesetzte und lange verlachte Seiteneinsteiger Donald Trump hat alle weggebissen, vom frühen Favoriten Jeb Bush über den Kurzzeit-Helden Ben Carson und Tea-Party-Liebling Rand Paul, bis zu Ted Cruz. In Indiana hat er nun das Unglaubliche geschafft: rund sechs Wochen zuvor lag er noch 20 Prozentpunkte hinter Cruz. Jetzt hat er ihn zur Aufgabe gezwungen.

„Nun nehmen wir uns Hillary Clinton vor“, erklärte Trump in ungewohnt ruhigem und versöhnlichem Ton bei seiner Siegesrede im Trump Tower in New York. US-Unternehmen, die in Zukunft Arbeitsplätze ins Ausland verlagern werden, drohte er „sehr, sehr ernste Konsequenzen“ an. Doch die üblichen Spitzen und Ausfälle, die komikerhaften Einlagen, mit denen Gegner lächerlich gemacht werden, fielen am Dienstag aus.

Trump beginnt, einen präsidialen Ton anzuschlagen. Er muss nun die desillusionierten republikanischen Partei-Eliten auf seine Seite ziehen. Er muss ihnen eine Zukunft unter Trump aufzeigen und sie für seinen Wahlkampf einspannen. Er, der noch dem Washingtoner Apparat den Krieg erklärt und das System als verrottet bezeichnet hatte,  kann keine Quertreiber gebrauchen, die ihn zwischen jetzt und dem Wahltag im November Knüppel zwischen die Beine wirft. Immerhin steht er einer Partei gegenüber, die ihn zu mindestens 50 Prozent nicht ausstehen kann. 


Trump muss eine tief verfeindete Partei einen

Trump muss nun zeigen, ob er das Zeug hat, auch ohne grölende Massen im Rücken politische Feinarbeit zu leisten, ob er eine zutiefst verfeindete Partei hinter sich vereinen und Kompromisse schließen kann. Auf dem Parteitag, auf dem er feierlich zum Kandidaten gekrönt wird, wird auch die Wahlplattform vorgestellt. Die wird jetzt nicht mehr von einem Trump im Alleingang nach Gutsherrenart durchzuboxen sein, wenn er die Unterstützung der Partei will.

Entsprechend baute er eine Lobrede auf den ausgeschiedenen Cruz in seine Ansprache ein: Der sei ein „wahnsinnig harter Gegner“ gewesen und er habe eine „große Zukunft“ vor sich. Das klingt wie eine Einladung an ihn und den Rest der Partei, nun Clinton niederzuringen.

Als der Tag begann, beschuldigte er Cruz‘ Vater noch, in die Ermordung von John F. Kennedy verwickelt gewesen zu sein, am Abend lobte er ihn über den grünen Klee. Cruz hatte zuvor auch zur Vereinigung der Partei aufgerufen, ohne jedoch Trump auch nur einmal namentlich zu erwähnen. Die Einigung im Inneren wird in den kommenden Monaten für Trump so wichtig sein wie der Kampf gegen Hillary Clinton.

Doch ob es wirklich Hillary werden wird, mit der er um das Weiße Haus kämpfen wird, ist seit gestern Nacht nicht mehr ganz so sicher. Als 59 Prozent der Stimmen ausgezählt waren, war am Ergebnis kaum noch zu rütteln. Mit 53 Prozent lag der demokratische Senator Bernie Sanders völlig unerwartet vor Clinton mit 47 Prozent.

In Umfragen hatte die ehemalige First Lady zuvor noch eine ausreichende Mehrheit. Doch in diesem Vorwahlkampf gelten bei allen Parteien die alten Regeln nicht mehr und Umfragen haben nur noch allgemeinen Orientierungscharakter.


Indiana gibt Sanders wieder Luft im Rennen mit Clinton

Die Kräfteverhältnisse bei den Demokraten wird der Sieg nicht mehr entscheidend verändern. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur AP bekommt Sanders nach 72 Prozent ausgezählter Stimmen 42 der 83 Delegierten des Landes, Clinton 36, der Rest ist noch zu verteilen.

Clinton hätte damit 1681 Delegierte und Sanders 1360. Ein Sieger muss 2383 Stimmen auf sich vereinigen. Den Ausschlag werden daher die sogenannten „Superdelegierten“ geben, 712 unabhängige Parteimitglieder, meist Partei-Eliten wie frühere Präsidenten oder Senatoren, die ihre Stimme frei vergeben und ihre Meinung immer wieder ändern können.

Sie will Sanders im großen Parteitag im Sommer auf seine Seite ziehen. Aber dafür muss er zuvor seinen Abstand zu Clinton deutlich verkleinern. Indiana gibt ihn die nötige Luft, um wieder Spendengelder einzusammeln und der Parteibasis zu zeigen, wie ernst es der Parteibasis mit einem Wandel ist.

„Wir haben bislang 17 Vorwahlen gewonnen“, bekräftigte er bei seiner Siegesrede in Louisville, Kentucky seine Absicht, bis zum Schluss durchzuhalten. „Als wir angefangen haben, lagen wir in nationalen Umfragen 60 Prozentpunkte zurück. Wir gewinnen die Stimmen der 45-Jährigen und jünger“, so Sanders. Das bekräftige ihn in der Ansicht, er kämpfe für die Zukunft Amerikas und der Demokratischen Partei.

Ob das die Partei auch so sieht, wird sich noch zeigen. Einen Superdelegierten wird er jedenfalls garantiert nicht umstimmen können. Bill Clinton.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%