US-Vorwahlen: Von Hütchenspielertricks und gesetzten Siegern

US-Vorwahlen: Von Hütchenspielertricks und gesetzten Siegern

, aktualisiert 26. April 2016, 16:14 Uhr
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Politische Tricksereien bei den Republikanern könnten Donald Trump am „Super Tuesday“ zu mehr Stimmen verhelfen.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Der Anti-Trump-Pakt bei den Republikanern könnte Donald Trump erst recht Protestwähler in die Arme treiben. Am heutigen „Super Tuesday“ wird in fünf US-Bundesstaaten gewählt. Hillary Clinton ist bereits eine sichere Siegerin.

San FranciscoLässt sich Donald Trump mit billigen Hütchenspielertricks noch aufhalten? Die Verzweiflung der Republikaner über dessen Siegeszug treibt seltsame Blüten – und könnte am heutigen Super-Wahl-Dienstag alles nur noch schlimmer machen. In Connecticut, Delaware, Maryland, Pennsylvania und Rhode Island finden Vorwahlen statt.

Der neue Pakt von John Kasich und Ted Cruz – den parteiinternen Rivalen Trumps – könnte bewirken, dass das ohnehin auf Rebellion getrimmte Parteivolk nun aus Protest erst recht Trump die Stimme gibt. Die republikanische Partei ist dabei, sich selbst zu zerlegen. Immer deutlicher wird, wie antiquiert und schwer durchschaubar die Regeln für die Wahl der Präsidentschaftskandidaten sind – mit unterschiedlichen Regeln in den Bundesstaaten. Da wird geschachert, was das Zeug hält

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John Kasich, Gouverneur von Ohio, hatte am Sonntag erklärt, er werde bei der für den 3. Mai geplanten Vorwahl in Indiana seinem Rivalen Ted Cruz das Feld überlassen und dort nicht antreten. Im Gegenzug gab das Lager des texanischen Senators Cruz bekannt, er werde Kasich bei den Abstimmungen in Oregon und New Mexico „den Weg bahnen“. Das hat es noch nie gegeben: Zwei Kandidaten einer Partei verbünden sich, um einen parteiinternen Rivalen auszubremsen.

Das Ziel: eine Kampfabstimmung auf dem Republikaner-Parteitag im Juli. Erhält dort kein Kandidat im ersten Wahlgang eine 50-Prozent-Mehrheit, sind alle Delegierten automatisch wieder frei in ihren Entscheidungen und in den folgenden Abstimmungen nicht mehr an das Wählervotum gebunden. Trump könnte also im parteipolitischen Ränkespiel überstimmt werden.

Entsprechend verärgert zeigt sich Donald Trump über solche Tricksereien. „Es ist traurig, dass zwei gestandene Politiker zu solchen Absprachen gegen eine Person greifen müssen, die erst seit zehn Monaten in der Politik ist“, so der Frontrunner der republikanischen Partei. Das Ganze zeige wieder einmal, wie manipuliert das gesamte System der Vorwahlen der Partei sei und es bestärke ihn nur darin, „zum Wohle der Partei und des Landes“ fortzufahren. Ted Cruz verteidigte die Aktion dagegen: „Trump als Kandidat wäre ein vollständiges Desaster für die Partei.“ Er würde nicht nur „von Clinton oder Sanders zerlegt“ werden, sondern die Partei um eine Generation zurückwerfen.


Sanders könnte nach den Vorwahlen aufgeben

Trump hat bereits 845 Stimmen. Doch um tatsächlich die magische Zahl von 1237 Parteidelegierte auf sich zu vereinigen, was ihn automatisch zum Kandidaten der Partei machen würde, fehlen noch 392. Bisher haben die Kandidaten schon 1738 Delegiertenstimmen unter sich verteilt. 734 sind noch zu vergeben.

Alleine am Dienstag könnte Immobilien-Milliardär Trump 118 davon gewinnen. Sämtliche Umfragen sehen ihn als Gewinner in allen Bundesstaaten, nur die Prozentzahlen variieren. Die politische Trickserei von Kasich und Cruz könnte Trump zu zusätzlichen Stimmen verhelfen. Es wird spannend.

Bei den Demokraten ist dagegen schon klar, wer das Rennen machen wird. Der Rebell Bernie Sanders ist nach seiner Niederlage in New York schwer angezählt. Da in der Demokratischen Partei die Delegiertenstimmen proportional vergeben werden, müsste er praktisch in den kommenden Vorwahlen – die heutigen inbegriffen – erdrutschartige Siege mit weit über 50 Prozent der Stimmen einfahren, um überhaupt noch eine Chance zu haben, die Zahl von 2383 Delegierten zu erreichen.

Aktuell hat Sanders 1192 Stimmen, Hillary Clinton kommt auf 1944 – inklusive der freien „Superdelegierten“, die hin und her springen dürfen. Zu vergeben sind noch 1629 Stimmen. Nachteilhaft für Sanders ist am Dienstag, dass in Connecticut, Delaware, Maryland und Pennsylvania nur Parteimitglieder abstimmen dürfen. Lediglich in Rhode Island sind auch die „Unabhängigen“ stimmberechtigt.

Die „Independents“, die unabhängigen Wähler, sind aber von großer Bedeutung für Sanders, der auch als parteiunabhängiger Politiker zum Senator gewählt wurde. Eine Untersuchung der „Washington Post“ zeigt, dass bislang bis zu 40 Prozent der Sanders-Stimmen von Unabhängigen kamen. Das ist jetzt in vier von fünf Staaten nicht möglich. Erleidet Sanders in allen Staaten eine klare Niederlage, halten Beobachter seinen Rückzug aus dem Wahlkampf für möglich, weil dann auch die Spendengelder spärlicher fließen werden dürften.

Gute Aussichten also für Hillary Clinton. Sie hat bereits Besseres zu tun, als sich mit Sanders auseinanderzusetzen. Bei ihren jüngsten Wahlkampfauftritten war er schon gar kein Thema mehr. Stattdessen arbeitete sich die frühere First Lady schon an ihren republikanischen Gegnern ab, vor allem natürlich an Donald Trump – an dem Mann, der in weniger als einem Jahr vom politischen Pausenclown zum ernsthaften Rivalen im Kampf um das Oval Office geworden ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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