US-Vorwahlkampf: Zwei Milliardäre schmieden eine Anti-Trump-Allianz

US-Vorwahlkampf: Zwei Milliardäre schmieden eine Anti-Trump-Allianz

, aktualisiert 06. Februar 2016, 15:37 Uhr
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Charles und David Koch stehen in der Kritik wegen ihrer Einflussnahme auf Politik und Medien.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Der Erfolg von Donald Trump ruft mächtige Gegner auf den Plan: Die Koch-Brüder wollen mit ihrem Milliarden das Image des republikanischen Kandidaten ruinieren. Doch damit begeben sie sich auf dünnes Eis.

San FranciscoSie sind gefesselte Goliaths: Die Brüder Charles und David Koch. Jeder von ihnen ist rund 45 Milliarden US-Dollar schwer und damit in den Top Ten der reichsten Menschen der Welt. Sie sind Herrscher über ein gigantisches Imperium aus Öl, Gas und Chemie und haben ein Netzwerk aus superreichen Spendern aufgebaut, das in seiner Macht die republikanische Partei selbst in den Schatten stellt. Eigentlich sind sie sogar schon die republikanische Partei, schwant politischen Beobachtern mittlerweile.

Sie haben die feste Absicht, 900 Millionen Dollar in den Wahlkampf um das Amt des amerikanischen Präsidenten zu stecken, und wollen so ihren Kandidaten durchbringen. Doch dabei gibt es ein Problem: Sie wissen zwar genau, was sie gerne erreichen würden – sie wollen Donald Trump stoppen. Aber sie wissen nicht, wie sie das anstellen können. Denn wenn sie einen Fehler machen, dann sind genau sie es, die ihn ins Weiße Haus katapultieren.

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Eine Szene aus der Diskussion der demokratischen Bewerber Hillary Clinton und Bernie Sanders am vergangenen Donnerstag spricht Bände. Sanders, auf Augenhöhe mit Clinton in den Umfragen, betont, dass er keine Millionen von Dollars von Wall-Street-Firmen für Redehonorare oder Spenden bekommen habe. Hillary Clinton verteidigt ihre Position, ihre Honorare und Spenden und beschwört, diese Gelder hätten keinen Einfluss auf ihre Unabhängigkeit.

Die Koch-Brüder werden bei der Debatte genau zugehört haben, obwohl sie keinen der Demokraten im Oval Office sehen wollen. Denn Geld ist auch ihr Problem. Sie haben einfach zu viel davon zu verteilen und damit machen sie sich nicht nur Freunde. So mögen sie den aufgeblasenen Milliardär Donald Trump nicht. Da haben sie viel mit anderen Elite-Republikanern gemeinsam. Der polternde und egozentrische Provokateur mit seinen extremen Ansichten passt nicht in ihre Welt.

Wie die üblicherweise gut vernetzte politische Website „The Hill“ berichtet, haben sich die Kochs am vergangenen Wochenende mit rund 500 einflussreichen Großspendern in Kalifornien getroffen. Ein großer Teil der Beratungen und Gespräche habe sich darum gedreht, wie man die Schwächen aller Kandidaten ausnutzen könne, vor allem die von Donald Trump.

So wie die Demokraten sind die Strategen der Koch-Brüder der Ansicht, dass es Trumps oft halbseidene Bankrotte sind, die er mithilfe von Steuerzahler-Geld ausgeritten hat, und seine zweifelhaften Geschäfte, die man thematisieren und damit das Image des makellosen Geschäftsmanns und ewigen Siegers ruinieren könnte. Denn sonst hat der Immobilien-Tycoon Donald Trump wenig aufzuweisen: Ihm fehlt jede außen- und innenpolitische Erfahrung und seine Wirtschaftspolitik ist schnell zusammengefasst. Motto: Wenn einer weiß, wie es geht, dann ich.


Der Aufstand der Außenseiter

Doch wenn die Koch-Brüder ihre Truppen gegen Trump aufmarschieren lassen, dann müssen sie genau den Sanders-Effekt fürchten. Trump, der immer wieder betont, dass er mit seinen Milliarden von Dollar auf keine Spender angewiesen ist, wird sich als der David darstellen, der sich gegen superreiche Goliath-Spender zur Wehr setzen muss, die nur zu ihrem eigenen Interesse Kandidaten fördern oder vernichten.

So wie die Wall Street aus Sanders' Sicht Geld für Hillary Clinton einsetzt, weil sie ihre Kandidatin ist. Immer mehr konservative Wut-Wähler könnten sich dann dem republikanischen Außenseiter Trump zuwenden, der von der mittlerweile wahrscheinlich mächtigsten amerikanischen Familiendynastie fertiggemacht werden soll.

Was die Kochs da aufführen, gleicht also einem Tanz auf rohen Eiern. Sie hatten bereits 2012 rund 400 Millionen Dollar in den letztlich erfolglosen Wahlkampf des Bösewicht-Kapitalisten Mitt Romney gesteckt. Der war nicht zuletzt in Ungnade gefallen, weil er auf einer heimlich mitgeschnittenen Spendengala 50 Prozent der Amerikaner ohnehin als verloren bezeichnet hatte. Sie würden sowieso nur Obama wählen, um von Sozialleistungen leben zu können.

Da hatten die Kochs schnell nach der Wahlniederlage gegengesteuert. LIBRE, mexikanisch für Freiheit, heißt eine 2013 gegründete Non-Profit-Organisation, die Latino-Wähler auf die republikanische Seite ziehen soll. Da sind die Brüder geduldig und stecken jedes Jahr Millionen in die Aufklärungsarbeit, um die spanischstämmige Wählerschaft, die 2012 zu 70 Prozent Obama gewählt hatte, für konservative Ideen zu gewinnen.

Seit sich die Demokraten das Thema Einkommens- und Vermögensungleichheit auf ihre Fahnen geschrieben haben, halten auch hier die Milliardäre dagegen. Ende Januar verkündeten sie „Stand Together“ – und präsentierten die gleichnamige neue Gruppe, die sich der Armutsbekämpfung widmen soll.

Doch aus der direkten Kandidatenauslese im Vorwahlkampf hatten sie sich stets herausgehalten. Noch im November hatte Charles Koch „USA Today“ versichert, die Brüder würden keinen speziellen Kandidaten bevorzugen. Doch da war schon klar, dass sie von Trump nichts hielten.

Zu einem großen Spender-Event im Sommer war er gar nicht eingeladen worden. So wie praktisch der Rest der republikanischen Polit-Elite hatten sie Trump für einen vorlauten Rohrkrepierer und ein Problem gehalten, das sich schnell von selbst erledigen würde. Weit gefehlt.


„Gewinnt Trump, schreitet das Koch-Imperium ein“

Trump hatte damals das schon mit einem bissigen Tweet kommentiert. „Viel Glück für alle die republikanischen Kandidaten, die nach Kalifornien gereist sind, um Geld von den Koch-Brüdern zu erbetteln. Marionetten?“ Aber danach wurden die Flammen noch mal ausgetreten. Noch herrscht Burgfrieden. Wenn es nach einigen Großspendern geht, wird der aber bald vorbei sein. Auch Trump weiß, dass er sich hier extrem mächtige Feinde machen kann.

Sollte Trump New Hampshire gewinnen, zitiert „The Hill“ die anonymen Spender, werde das Koch-Imperium einschreiten. Eine Pro-forma-Abstimmung auf der Winter-Versammlung habe einen Sieg für Marco Rubio aus Florida ergeben. Er war überraschend stark aus der Iowa-Vorwahl hervorgegangen.

Doch die Parteispitzen der Republikaner blicken voller Sorge auf den sich anbahnenden Krieg der Milliardäre. Ihr Alptraum: Ein Donald Trump, der sich als Märtyrer verkaufen kann und der von den bösen Öl- und Wall-Street-Milliarden aus dem Rennen gedrängt wurde.

Mit Sicherheit würde er als unabhängiger Kandidat in die Präsidentenwahl ziehen und viele Republikaner auf sich vereinigen. Es ist fast schon eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Aufstand der Außenseiter die geölte Geldmaschine der konservativen Eliten paralysiert. Die Goliaths liegen gefesselt am Boden.

Quellle:  Handelsblatt Online
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