US-Wahl 2016: Peinlicher Auftritt von Jeb Bush

US-Wahl 2016: Peinlicher Auftritt von Jeb Bush

, aktualisiert 10. Februar 2016, 15:32 Uhr
von Nils WischmeyerQuelle:Handelsblatt Online

Während der Präsidentschaftsbewerber vor dem „Rotary Club“ spricht, unterbricht ihn der Moderator und schickt ihn weg. Bush reagiert hilflos. Es ist der Tiefpunkt eines glücklosen Wahlkampfes. Doch eine Chance hat er noch.

Düsseldorf Jeb Bush brauchte einen Sieg in New Hampshire, das war allen klar. Bis zum Schluss buhlte er um die Gunst der Wähler, so auch bei einem Treffen des „Rotary Club“ in der Stadt Nashua (New Hampshire) am vergangenen Montag, wo er eine Rede hielt – oder es zumindest versuchte. Denn mittendrin unterbricht der Moderator und Gastgeber die Rede von Bush, der ungläubig zur Seite schaut und stammelt: „Das war es?“. Als der Moderator nickt und auf die Bühne tritt, reißt Bush ungelenk die Arme hoch, fuchtelt wild in der Luft herum und sagt: „Sie schmeißen mich raus, sie schmeißen mich raus.“

Völlig verdutzt taumelt Bush von der Bühne, als der Moderator nachsetzt: „Der Club muss mit Nicht-Jeb-Angelenheiten weitermachen.“ Es kam einer verbalen Ohrfeige gleich. Jeb Bush, Bruder des früheren Präsidenten George W. Bush und früherer Gouverneur von Florida, setzt sich an einen der Tische vor der Bühne und löffelt sichtlich gedemütigt in einer kleinen Schüssel herum.

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In den Kommentaren unter dem Video, das mittlerweile auf Youtube und Twitter die Runde macht, kommt Bush nicht allzu gut weg. Ein User schreibt: „Ich wette, er hat gehofft, dass seine Mutter da ist, um sich um den bösen Gastgeber zu kümmern.“ Ein anderer kommentiert: „Er tut mir nur noch leid.“ Auf Twitter fragt ein User hämisch mit Blick auf die Terrormiliz IS: „Wie lange wirst du IS Paroli bieten, wenn du es nicht einmal gegen einen Zwerg im Rotary Club kannst?“.

Der Auftritt in New Hampshire ist sinnbildlich für den Wahlkampf Jeb Bushs. Bisher agierte der Republikaner glücklos, seine Auftritte wirkten zögerlich und unsouverän. Für viele seiner Unterstützer war es ähnlich enttäuschend wie für ihn. Dabei war er vor knapp acht Monaten mit hohen Erwartungen in den Vorwahlkampf gestartet.

Mit mehr als 100 Millionen Dollar, dem weltberühmten Familiennamen und den äußerst guten Verbindungen seiner Familie im Rücken, sollte der Wahl zum Präsidentschaftskandidaten eigentlich nichts im Weg stehen. „Ich trete an, um zu gewinnen“, sagt er damals überzeugt.

Von dieser Überzeugung ist heute nicht viel über geblieben. Bei öffentlichen Veranstaltungen zuckt er gerne mal mit den Schultern, als sei ihm egal, wer da eigentlich gegen wen wettert, er wirkt hilflos. Der Auftritt im Rotary Club verdichtet diesen Eindruck nun auf eine Videolänge von knapp einer Minute.

Der missglückte Auftritt von Jeb Bush ist wohl der vorläufige Tiefpunkt eines traurigen Wahlkampfs – aber sicher nicht der einzige. Bereits vor einer Woche gab es einen ähnlich peinlichen Auftritt von Jeb Bush in New Hampshire. Während eines Bürgerforums sagte er, der nächste Präsident müsse das Land führen und ein klares Signal setzen. Als der erwünschte Applaus ausblieb, flehte er das Publikum an: „Bitte klatscht“.


USA-Experte sieht eine letzte Chance für Bush

Diese Peinlichkeiten schlugen sich auch in den ersten Vorwahlen nieder. In Iowa fiel Bush weit hinter Trump und Cruz zurück. Landesweit fiel er von anfänglich mehr als 12 Prozent auf gerade einmal vier Prozent zurück. Sogar sein einstiger Zögling, Marco Rubio zog in Iowa an ihm vorbei und ließ ihn mit 2,8 Prozent auf dem letzten Platz zurück. Lindsey Graham, Senator aus South Carolina, sagte gegenüber der „New York Times“ über Bushs weitere Chancen: „Wenn Rubio ihn in New Hampshire hoch schlägt, ist Jeb erledigt.“

Doch Bush scheint eine letzte Chance zu bekommen. Mit etwas mehr als 11 Prozent und damit Platz vier bei der Vorwahl in New Hampshire landet der ständige Verlierer zwar hinter Trump, Kasich, Cruz - aber endlich einen Achtungserfolg. „Mit seinem Ergebnis in New Hampshire hat er das vermutlich letzte Rettungsseil gegriffen“, sagt Dr. Josef Braml. Der USA-Experte bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik erklärt, dass der immerhin kleine Erfolg Bush noch etwas Zeit verschaffen kann. Und das könnte seine womöglich letzte Chance sein.

„Jeb Bush leidet darunter, dass zurzeit noch zu viele Kandidaten und vor allen Dingen zu viele moderate Kandidaten im Rennen sind“, sagt Braml. „Wenn die Ersten aus dem Rennen aussteigen, kann das Bush einen Schub geben.“ Damit würde die anfängliche Strategie, sich als moderate Alternative zu Cruz und Trump darzustellen, vielleicht doch noch aufgehen. Besonders wichtig für Bush ist deswegen, dass er in New Hampshire erstmals vor Marco Rubio landen konnte, seinem moderaten Konkurrenten. Die zweite Vorwahl könnte somit die Trendwende eines bis dato traurigen Wahlkampfverlaufs sein - wenn er sich nicht den nächsten Patzer leistet.

Quellle:  Handelsblatt Online
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