US-Wahl 2016: Schockstarre in Mexiko nach Trump-Sieg

US-Wahl 2016: Schockstarre in Mexiko nach Trump-Sieg

, aktualisiert 09. November 2016, 10:58 Uhr
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Donald Trump als Kuchen zur Feier das Tages. Glücklich sieht er nicht aus. Ebenso wenig ist das Mexiko über den Ausgang der Wahl.

von Klaus EhringfeldQuelle:Handelsblatt Online

Trump wird Präsident – und Mexiko droht eine tiefe wirtschaftliche Krise. Der Peso erreicht ein historisches Tief nach dem anderen. Und Wirtschaftsexperten sehen schwarz für die Zukunft.

Mexiko-StadtEs war erst 21.15 Uhr in Mexiko am Dienstagabend, da hatte die Währung des Landes bereits einen ersten historischen Tiefstand erreicht. Gerade hatte der spätere Sieger Donald Trump die Führung in den wichtigsten Bundesstaaten Ohio und Florida übernommen, da war die Angst in Mexiko zurück. Der Republikaner als Präsident löst im südlichen Nachbarland Panik aus, vor allem wirtschaftliche. Was wird aus dem Freihandelsabkommen NAFTA, das Mexikos Lebensader ist?

Wird der Peso so viel Wert verlieren wie zuletzt 2008/2009 während der großen Finanz- und Wirtschaftskrise? Was passiert an der Grenze, wird die Mauer kommen, werden jetzt Millionen Mexikaner aus den USA deportiert werden? Analysten wollen eine tiefgehende Krise nicht ausschließen, wenn der Präsident Trump das umsetzt, was der Kandidat Trump angedroht hatte. Allem voran die Neuverhandlung oder Annullierung der Nordamerikanischen Freihandelszone NAFTA mit Mexiko und Kanada. Dann stünde die Wirtschaft des Landes vor dem Kollaps. Mexikos Importe gehen zu 80 Prozent in die USA. Auch internationale Wirtschaftsvertreter bangen um die Attraktivität des Produktionsstandortes Mexiko.

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Bis zum endgültigen Sieg Donald Trumps im Rennen um das Weiße Haus verlor der mexikanische Peso am späten Dienstagabend weiter an Wert. Kurz vor Mitternacht in Mexiko kostete ein US-Dollar schon 20,74 Peso, es war ein Wertverlust von rund 13 Prozent gegenüber dem Schlussstand am Dienstagmittag.

Dabei hatte der Peso am Montag und Dienstag noch deutlich aufgewertet gehabt, nachdem Hillary Clinton in den Umfragen weiter zulegen konnte. Der Peso war in den vergangenen Monaten der beste Indikator dafür, wie gut die Chancen Trumps auf einen Wahlsieg standen. Analysten sagen für die kommenden Tage neue Tiefstände voraus.

Wie es mit dem Peso weitergeht, werde auch an den ersten Reden und Maßnahmen Trumps hängen, sagt die Finanzexpertin Gabriela Siller, Chefanalystin beim mexikanischen Finanzinstitut Banco Base. „Die Zentralbank wird den Leitzins um mindestens 50 Basispunkte anheben müssen, um eine Kapitalflucht zu verhindern, die sich bis auf 35 Milliarden Dollar belaufen könnte“. Siller riet der Zentralbank, die Zinsen noch vor Öffnung der Märkte am Mittwoch anzuheben, um die Kapitalflucht zu bremsen. „Die Regierung wird in den kommenden Wochen und nächstes Jahr viel Geld aufwenden müssen, um den Schlag der Präsidentschaft Trumps abzumildern, betont Siller.


Angst vor NAFTA-Korrekturen

Banxico-Präsident Agustín Carstens hatte in den vergangenen Tagen betont, die Zentralbank und das Land seien gut gerüstet für den Fall eines „negativen“ Ausgangs der US-Wahl. Die Finanzinstitute des Landes wurden einem Stresstest unterzogen, die Kreditlinien beim IWF sind flexibel, die makroökonomischen Rahmendaten positiv und die Devisenreserven liegen bei beruhigenden 175 Milliarden Dollar. Es ist genug Spielraum da, um bei einer großen Kapitalflucht und Peso-Abwertung nachzujustieren.

Besonders fürchtet Mexiko Korrekturen an der NAFTA. Auch bedingt durch das Freihandelsabkommen kommen mehr als die Hälfte aller Direktinvestitionen aus den Vereinigten Staaten. Alle Autobauer haben riesige Fertigungen südlich des Rio Grande. Auch der Manufaktursektor Mexikos hängt an der Nachfrage aus dem nördlichen Nachbarland wie am Tropf. Aber Trump hat seit Beginn des Wahlkampfes nicht nur die Mexikaner beleidigt, sondern auch NAFTA als den schlimmsten aller Freihandelsverträge bezeichnet und seine Abschaffung oder mindestens eine Neuverhandlung versprochen, falls er die Wahl gewinnt. Mexiko habe den USA durch NAFTA „Arbeitsplätze geraubt“, lautet ein Stereotyp Trumps.

Auch Wirtschaftsvertreter fürchten um den Standort Mexiko mit einem Präsidenten Trump. Das Land ist im NAFTA-Rahmen eine Produktionsplattform internationaler Konzerne für die USA und den Rest Lateinamerikas. Auch Autobauer aus Deutschland nutzen die günstigen Bedingungen in Mexiko. Aus Sicht der deutschen Wirtschaft sei das Ergebnis der US-Wahl „enttäuschend“, sagte Johannes Hauser, Chef der Deutsch-Mexikanischen Handelskammer CAMEXA, dem Handelsblatt. „Viele der inzwischen knapp 2000 in Mexiko ansässigen deutschen Unternehmen fertigen hier für den Export in die USA. Ein wesentliches Argument für die Investitionsentscheidung war in vielen Fällen die enge wirtschaftliche Anbindung an den großen Nachbarn im Norden“, betont Hauser. „Es bleibt abzuwarten, was von den radikalen wirtschaftspolitischen Aussagen Trumps Bestand hat, sobald er ab Januar in der vollen Verantwortung steht.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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