US-Wahl 2016: Trumps Frauenprobleme

US-Wahl 2016: Trumps Frauenprobleme

, aktualisiert 07. Mai 2016, 11:41 Uhr
Bild vergrößern

Donald Trump hat sich im Vorwahlkampf der Republikaner bei Minderheiten und Frauen sehr unbeliebt gemacht. Das könnte ihm bei der US-Präsidentschaftswahl zum Verhängnis werden.

Quelle:Handelsblatt Online

Provokation gehört bei Donald Trump zum Stil. Doch eine Gruppe hätte er sich besser nicht zum Feind machen sollen: die Frauen. Das könnte sich bei der Wahl im Herbst rächen – und seiner Partei enorm schaden.

WashingtonDonald Trump hat ein Problem mit den Frauen – und zwar ein strategisches. Mit Macho-Sprüchen hat er zuletzt kräftig Stimmung gemacht, vor allem unter männlichen Weißen. Bei den Vorwahlen in den vergangenen Monaten konnte er damit häufig punkten. Ob er mit seinem Stil allerdings auch eine US-Präsidentschaftswahl gewinnen könnte, ist fraglich. Denn mit seinen Provokationen hat der Republikaner nicht nur etliche Minderheiten verprellt. Auch beim weiblichen Geschlecht ist er inzwischen äußerst unbeliebt.

70 Prozent der amerikanischen Frauen haben ein negatives Bild von Trump. Das hat eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup ergeben. Und hier handelt es sich wahltechnisch um alles andere als eine Minderheit: Die Zahl der Frauen, die bei der Wahl im Jahr 2012 ihre Stimme abgaben, lag um zehn Millionen höher als die der Männer. Die Demokraten schmieden daher bereits ihre Pläne. Im Falle einer tatsächlichen Kandidatur des eigenwilligen Milliardärs wollen sie ihre Frauen-Power gezielt nutzen.

Anzeige

Neben Hillary Clinton, die als erste Frau überhaupt eine US-Präsidentschaftswahl gewinnen könnte, stehen etliche weitere Demokratinnen in den Startlöchern. Für sie geht es um Posten im Senat.

Viele von ihnen haben gerade durch das Macho-Gehabe von Trump gute Chancen. Denn republikanische Senatoren sitzen derzeit in einer Zwickmühle: Einerseits können sie sich schlecht von dem Mann distanzieren, der ihre Partei in Washington wieder an die Macht bringen soll. Andererseits könnten sie in ihren jeweiligen Staaten wichtige Stimmen verlieren, wenn sie es nicht tun. Das Ergebnis sind widersprüchliche Stellungnahmen oder Interview-Antworten, die vom Thema ablenken.

„Glauben Sie mir, zu viele Frauen haben im beruflichen Umfeld ihr Leben lang gegen die von Donald Trump verbreitete Art von Sexismus und offensiver Rhetorik zu kämpfen gehabt“, sagt die demokratische Abgeordnete Ann Kirkpatrick, die in Arizona den republikanischen Senator John McCain herausfordern wird. Bereits im Februar hatte sie in einem Wahlwerbespot die Verbindung ihres Rivalen zu dem umstrittenen Milliardär betont. In einem Interview verwies die Demokratin darauf, dass McCain auch nach den sexistischen und aggressiven Äußerungen klargestellt habe, dass er Trump weiter unterstütze.

Trump spaltet auch die eigene Partei

Am Mittwoch forderte die einflussreiche Gruppe „Emily's List“, die sich für Frauen in der Politik einsetzt, fünf Republikaner, die im November gegen weibliche Herausforderer antreten müssen, zu deutlichen Positionierungen auf. „Werden wir erleben, wie er sich abwertend über seine weibliche Gegnerin äußert und Angriffe auf ihren Charakter fährt, in der gleichen Art, wie es Donald Trump tut?“, hieß es in einer Veröffentlichung. Gemeint waren neben McCain die Senatoren Richard Burr aus North Carolina, Mark Kirk aus Illinois, Pat Toomey aus Pennsylvania und der Abgeordnete Joe Heck aus Nevada.

Die republikanische Mehrheit im Senat ist mit 54 zu 46 Sitzen recht knapp. Auch wenn Trump derzeit von einem Erfolg zum nächsten eilt, spaltet er mit seinen Äußerungen nicht nur das Land, sondern auch die eigene Partei. Im Falle einer Präsidentschaftskandidatur sehen auch viele Republikaner daher ihre Senatsmehrheit in Gefahr. Bereits im vergangenen Herbst forderte Ward Baker, der das republikanische Senatskomitee leitet, seine Mitstreiter auf, sich von frauenfeindlichen Äußerungen Trumps öffentlich zu distanzieren.

„Donald Trump wird seine Wählerschaft noch deutlich ausdehnen müssen, um seine Unbeliebtheit bei den Frauen auszugleichen“, sagt die „Emily's List“-Präsidentin Stephanie Schriock. „Wenn man in einen Präsidentschaftswahlkampf startet, bei dem einen 70 Prozent der Frauen schon mal nicht mögen, dann muss man sehr viele gänzlich neue Wähler ausfindig machen, sehr viele.“ Dass es diese gänzlich neuen Wähler wohl kaum in ausreichender Zahl gibt, wissen auch die politischen Strategen der Republikaner. Auch in der Basis regt sich allmählich Widerstand.
Eine Anti-Trump-Gruppierung innerhalb der Partei hat ein Video veröffentlicht, in dem Frauen einige von Trumps sexistischen Bezeichnungen vorlesen - darunter „Tussi“, „Hund“, und „fettes Schwein“. Im US-Staat Arkansas veröffentlichte der Demokrat Connor Eldridge im Internet eine Aneinanderreihung von diesen und schlimmeren Äußerungen Trumps - verbunden mit der Aufforderung des republikanischen Senators John Boozman, diesen Kandidaten zu unterstützen.

Boozman, McCain und die anderen republikanischen Senatoren sind dabei in einer äußerst undankbaren Lage. Sie alle haben versichert, den am Ende bestimmten Präsidentschaftskandidaten ihrer Partei zu unterstützen. Täten sie es nicht, würden sie nicht zuletzt die vielen enthusiastischen Anhänger von Trump vor den Kopf stoßen. Doch gleichzeitig versuchen einige, sich in der einen oder anderen Weise von dem Milliardär abzugrenzen.

Dieser Balanceakt dürfte im Laufe der nächsten Monate immer schwieriger werden. Eine Stellungnahme von Kelly Ayotte, der republikanischen Senatorin von New Hampshire, brachte das Dilemma am Mittwoch auf den Punkt. Über eine Sprecherin ließ sie mitteilen, dass sie Trump im Falle einer Präsidentschaftskandidatur unterstützen, diese aber nicht gutheißen werde.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%