US-Wahl 2016: Wer wird Hillary II.?

US-Wahl 2016: Wer wird Hillary II.?

, aktualisiert 02. Juli 2016, 16:51 Uhr
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Hillary Clinton will die Demokratische Partei stärken. „Es geht nicht um mich, es geht um uns“, sagte sie bei einem Treffen mit demokratischen Mitgliedern des Repräsentantenhauses in der vergangenen Woche.

Quelle:Handelsblatt Online

Eine Frau? Ein Einwanderer? Sogar ein Republikaner? Noch ist unklar, wer als Vizepräsidentschaftskandidat mit Hillary Clinton in den Wahlkampf zieht. Ein paar Kandidaten sind jedoch in der engeren Auswahl.

Knapp fünf Monate vor der Wahl hat Hillary Clinton eine wichtige Entscheidung zu treffen: Wer soll an ihrer Seite Vizepräsidentschaftskandidat werden? Bei der Auswahl kommt es nicht nur darauf an, wichtige Wählergruppen, wie zum Beispiel Hispanics anzusprechen. Clinton muss weit über den Wahltag im November hinaus denken, denn ihre Entscheidung könnte sich nicht nur auf die Bemühungen der Demokraten auswirken, die Mehrheit im Senat zurückzugewinnen, sondern auch auf die Kongresswahlen 2018.

Clintons Sorgen drehen sich um Senatoren, deren Sitze von einem republikanischen Gouverneur übernommen würden, wenn sie ins Weiße Haus einzögen, wie aus Kreisen der demokratischen Partei verlautete. Dies gilt zum Beispiel für Cory Booker aus New Jersey und Sherrod Brown aus Ohio. Diese beiden wurden von Clintons Team für den Vize-Posten zumindest in Betracht gezogen, wobei unklar ist, ob sie immer noch im Rennen sind.

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Der Auswahlprozess verläuft zügig. So haben Anwälte bereits Dokumente und Fragebögen von Senatorin Elizabeth Warren (Massachusetts), Senator Tim Kaine (Virginia) und dem amtierenden Städtebauminister unter Präsident Barack Obama, Julian Castro (Texas), angefordert. Für Anfang Juli sind Gespräche mit Clinton geplant.

Führende Demokraten wie der Sprecher der Minderheitsfraktion im Senat, Harry Reid, und sein designierter Nachfolger im kommenden Jahr, Senator Jon Tester, zeigten sich besorgt über Clintons mögliche Wahl eines Vizepräsidentschaftskandidaten. Ihr Ziel ist die Mehrheit im Senat und dafür müssen die Demokraten im November vier Sitze hinzugewinnen.

Wenn in einem der umkämpften Staaten ein republikanischer Gouverneur regiere, sei das praktisch unmöglich, erklärte Reid im vergangenen Monat.

Eine Ausnahme nannte er aber: Elizabeth Warren. Reid und andere Demokraten haben die Vorgaben in Massachusetts für die Besetzung eines frei werdenden Sitzes im Senat genau studiert und glauben, sie könnten zügig eine Wahl ansetzen, die dann ihrer Einschätzung nach ein Demokrat gewinnen würde. Und das alles bevor der neue Präsident oder die neue Präsidentin ihr Amt antritt. Gouverneur Charlie Baker, ein Republikaner, hätte aber die Befugnis, zumindest eine zeitlich befristete Vertretung zu ernennen.


„Wen auch immer sie aussucht, wird der richtige für sie sein“

Reid wirbt für Warren, die sich zuletzt bei einem gemeinsamen Wahlkampfauftritt am Montag in Cincinnati für Clinton einsetzte. Booker oder Brown will er die Vizepräsidentschaftskandidatur dagegen nicht geben, weil er dann Nachteile im Kampf um die Mehrheit im Senat fürchtet. Sowohl Booker als auch Brown unterstützen Clinton im Wahlkampf. Allerdings würden die früheren republikanischen Präsidentschaftsbewerber Chris Christie, Gouverneur in New Jersey, und John Kasich, Gouverneur in Ohio, ihre Nachfolger ernennen.

„Ich bin ein großer Fan von Sherrod Brown“, sagte Jon Tester kürzlich im öffentlich-rechtlichen Radio. „Aber weil Ohio einen republikanischen Gouverneur hat, wäre das wohl nicht gut, trotzdem glaube ich, er würde eine gute Mischung in das Rennen bringen.“

Clinton betont im Wahlkampf immer wieder, sie wolle die Demokratische Partei stärken. „Es geht nicht um mich, es geht um uns“, sagte sie bei einem Treffen mit demokratischen Mitgliedern des Repräsentantenhauses in der vergangenen Woche.

Im November die Mehrheit im Senat zu übernehmen, wird ein Kraftakt für die Demokraten. Mehrere Sitze stehen in tendenziell demokratischen Staaten zur Wahl, so in Illinois, Wisconsin und Pennsylvania. Die Demokraten hoffen, dass Clinton umkämpfte Staaten wie Florida, Ohio und New Hampshire für die Partei gewinnen kann, so dass hier Senatssitze hinzukämen. Eine Mehrheit im Senat könnte aber von kurzer Dauer sein. Schon 2018 stehen die nächsten Wahlen an und dann sieht es für die Demokraten eher düster aus, weil in mehreren republikanisch geprägten Staaten gewählt wird.

Mehr oder weniger dezente Tipps bekommt Clinton aus den Reihen der eigenen Partei, von Geldgebern und Freunden. „Wen auch immer sie aussucht, wird der richtige für sie sein“, sagt der frühere Gouverneur von Vermont, Howard Dean. „Aber ich würde jemanden unter 50 auswählen. Es ist Zeit, dass eine neue Generation die Macht in Washington übernimmt, besonders in der Demokratischen Partei.“ Die Rolle der Königsmacherin gefällt Clinton aber gar nicht, wie aus Kreisen ihrer Vertrauten verlautet. Auf keinen Fall soll es so aussehen, als bestimme sie schon ihren Nachfolger. Diese Verantwortung soll ihrer Ansicht nach die nächste Generation der Demokraten tragen.

Und vielleicht überrascht Clinton doch noch alle mit ihrer Wahl eines Vizekandidaten. „Die Liste ist wahrscheinlich länger als die Leute denken“, erklärte kürzlich Wahlkampfstratege Joel Benenson. „Das ist die erste wichtige Entscheidung, die die Nominierte treffen muss und es hängt von Hillary Clinton ab.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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