US-Wahl 2016: Wie fit ist Hillary Clinton?

US-Wahl 2016: Wie fit ist Hillary Clinton?

, aktualisiert 12. September 2016, 15:10 Uhr
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Aus gesundheitlichen Gründen verließ die Präsidentschaftskandidatin die 9/11-Gedenkfeier vorzeitig.

Quelle:Handelsblatt Online

Zunächst war es die Hitze, nun eine Lungenentzündung. Hillary Clinton ist angeschlagen. Zwar noch nicht politisch, aber Donald Trump kommt das gelegen. Er hatte schon Verschwörungstheorien gestreut – und geht nun weiter.

White PlainsÜber Wochen hat Hillary Clinton Fragen zu ihrem Gesundheitszustand von der Hand gewiesen. Verschwörungstheorien, abgedrehte Angaben in einer „alternativen Realität“ ihres politischen Gegners Donald Trump seien das, hieß es aus ihrem Wahlkampfteam. Und jetzt das.

Clintons abrupter Abgang von einer Gedenkveranstaltung für die Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 wirft ebendiese Fragen auf, die Trump im Wahlkampf immer wieder ohne jegliche Begründung gestellt hat. Ist sie fit genug? Wie sehr haben Jahrzehnte in der US-Politik am Gesundheitszustand der 68-Jährigen genagt? Ein Video, das die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten sichtlich geschwächt und gestützt von mehreren Helfern zeigt, macht Fragen zu ihrer körperlichen Fitness nun unumgänglich.

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Weniger als zwei Monate vor der Präsidentschaftswahl am 8. November ist nicht nur der Vorfall selbst höchst unangenehm für Clinton. Verschlimmert wurde dieser zusätzlich durch die Reaktion ihres Teams: Fast acht Stunden lang äußerte sich niemand aus dem Clinton-Lager dazu, was am Rande des 9/11-Gedenkens passiert sei.

Und als wäre das nicht genug, ist auch eine später veröffentlichte Diagnose ihrer Ärztin Lisa Bardack ein gehöriges Pfund: Die 68-Jährige hat eine Lungenentzündung, festgestellt bereits am Freitag.

Ihre Patientin sei überhitzt und dehydriert gewesen, teilte Bardack mit. Clinton habe zuletzt über Husten geklagt, der auf Allergien zurückzuführen sei. Bei einer Untersuchung sei dann besagte Lungenentzündung festgestellt worden. Sie werde mit Antibiotika behandelt. Außerdem habe man ihr geraten, sich nun auszuruhen und ihren Wahlkampfkalender entsprechend anzupassen, erklärte Bardack. Eine Reise nach Kalifornien, wo die Präsidentschaftskandidatin vor Geldgebern, Unterstützern und Talkmasterin Ellen DeGeneres auftreten sollte, wurde bereits gestrichen.

Clinton sei auf dem Weg der Besserung, ließ Bardack wissen. Auch die Kandidatin selbst gab sich nach ein wenig Ruhe in einer Wohnung ihrer Tochter Chelsea betont fit: „Ich fühle mich großartig. Es ist ein schöner Tag in New York“, sagte sie. Da war das Kind aber bereits in den Brunnen gefallen. Zuletzt hatte Clinton stets versucht, die Stärke und den Elan auszustrahlen, die für den wohl anspruchsvollsten Job der Welt nötig sind.


Trump will das Themas ausschlachten

Trumps Fragen zu ihrer Fitness kann sie nun nicht mehr wegwischen, dessen Hang zu wilden Theorien hin oder her. Im Internet hat sich bereits eine Gruppe von Verschwörungstheoretikern formiert, die regelmäßig auf Fotos und Videos von Clinton verweist, die ihren angeblich schwachen Gesundheitszustand beweisen sollen.

Selten waren die Präsidentschaftskandidaten der beiden großen US-Parteien so alt wie 2016. Trump ist 70, Clinton wird zwei Wochen vor der Wahl 69. Beide hatten bislang kaum Informationen zu ihrem Gesundheitszustand veröffentlicht – sieht man einmal von der fragwürdigen Diagnose eines Trump-Arztes ab, wonach der Republikaner „die gesündeste Person“ wäre, die jemals zum US-Präsidenten gewählt worden sei. Doch Trump will die Gunst des Moments nutzen und sich als der fittere der beiden Kandidaten präsentieren.

Er plane, in den kommenden Tagen detaillierte Informationen über seinen Gesundheitszustand zu veröffentlichen, sagte der Republikaner am Montag in der morgendlichen Fernsehsendung „Fox and Friends“. Die Angaben würden aus einer körperlichen Untersuchung stammen, die er vergangene Woche habe vornehmen lassen.

Er hoffe auf einen medizinischen Untersuchungsbericht noch in dieser Woche und werde im Anschluss konkrete Werte veröffentlichen, sagte er. „Hoffentlich werden sie gut sein. Ich denke, dass sie gut sein werden. Ich fühle mich großartig.“ Es gilt als wahrscheinlich, dass Clinton nun aufgefordert wird, mehr Details zu ihrer Gesundheitsgeschichte offenzulegen.

Der Zwischenfall in New York wird den Wahlkampf für Clinton nochmals schwieriger machen. Dabei muss sie sich fragen, warum sie sich in Wählerumfragen immer noch nicht entscheidend von Trump absetzen konnte – trotz all seiner Fehltritte der vergangenen Wochen. Viele US-Bürger sind nach wie vor der Ansicht, Clinton sei unehrlich und nicht vertrauenswürdig. Diese Ansicht zieht sich bereits durch den gesamten Wahlkampf.

Hinzu kommt, dass sich auch die Demokratin in der vergangenen Woche einen Fauxpas geleistet hat. Auf einer Spendenveranstaltung sagte sie am Freitag, die „Hälfte“ der Trump-Anhänger sei ein kläglicher Haufen aus Rassisten, Sexisten und Homophoben. Später ruderte sie zurück und entschuldigte sich, sie hätte sich nicht so verallgemeinernd äußern sollen.


Ärzte geben Entwarnung

Clintons Tag in der Öffentlichkeit begann am Sonntag mit der Ankunft an der 9/11-Gedenkstätte in Manhattan. Die 68-Jährige stand etwa 90 Minuten mit anderen Würdenträgern in der Sonne, es war an dem Tag warm und schwül. Sie ging eine Stunde früher als geplant.

„Es war ziemlich heiß dort draußen“, sagte der demokratische New Yorker Senator Chuck Schumer, der ebenfalls auf der Veranstaltung war. Clinton habe auf ihn ganz normal gewirkt und habe das Gedenken aus freien Stücken verlassen. Beobachtet wurde ihre vorzeitige Abreise von Reportern nicht. Ihre Kampagne blieb Informationen zu den Hintergründen und ihrem Aufenthaltsort fast zwei Stunden lang schuldig. In ein nahe gelegenes Apartment ihrer Tochter Chelsea sei sie gebracht worden, erklärte Sprecher Nick Merrill letztlich. Details nannte er nicht.

Nachdem sie Chelseas Wohnung mit Sonnenbrille und Handtasche verlassen hatte, kam Clinton in ihr Haus in Chappaqua. Die Tour an die US-Westküste ist nun erst einmal abgesagt. Wie es weitergeht und ob Clinton den ärztlichen Rat befolgt, ist unklar.

Einer, für den die Unruhe um Clintons Gesundheit genau zum richtigen Zeitpunkt kommt, äußerte sich auf derselben Gedenkveranstaltung ungewohnt zurückhaltend. „Ich weiß von nichts“, sagte Trump auf eine entsprechende Frage eines Reporters. Ärzte weisen darauf hin, dass man angesichts Clintons Erkrankung die Kirche im Dorf lassen sollte. Eine Infektion wie diejenige der Präsidentschaftskandidatin wird laut Gesundheitsexperten in der Regel schnell und effektiv mit Antibiotika behandelt.

William Schaffner, ein Fachmann für Infektionskrankheiten an der Vanderbilt University in Tennessee, sagte, dass basierend auf den erhältlichen Informationen die Tätigkeit der Präsidentschaftskandidatin durch die Krankheit in keiner Weise beeinträchtigt werden sollte.

Quelle:  Handelsblatt Online
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