US-Wahl: Clinton macht sich in „Swing States“ rar

US-Wahl: Clinton macht sich in „Swing States“ rar

, aktualisiert 14. Oktober 2016, 14:49 Uhr
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Die demokratische Präsidentschaftskandidatin behandelt die „Swing States“ in ihrem Wahlkampf eher zweitrangig.

Quelle:Handelsblatt Online

Hat die Demokratin Hillary Clinton diese drei wichtigen Staaten schon in der Tasche? Wie es aussieht, beschränkt sie ihren Wahlkampf in den Swing States Colorado, Virginia und Wisconsin nur noch auf das Notwendigste.

WashingtonColorado, Virginia und Wisconsin zählen zu den sogenannten Swing States, also Wechselwähler-Staaten, die normalerweise besonders heiß umkämpft sind – oft bis zum letzten Augenblick.

Aber die Demokratin Hillary Clinton behandelt das Trio eher so, als wäre es bereits in ihrer Tasche. Es laufen keine Wahlwerbespots mehr im Fernsehen, und die Spitzenkandidatin hat sich in allen drei Staaten im Wahlkampf kaum blicken lassen. Eine Visite in Pueblo am Mittwoch war die erste in Colorado seit August. Sogar, wenn ab und zu eine Umfrage auftaucht, die andeutet, dass das Rennen knapper wird, verändert Clinton ihre Strategie nicht. Das fällt besonders in Colorado und Wisconsin auf.

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Das Selbstvertrauen der Demokratin beruht hauptsächlich auf drei Faktoren: eine sich ändernde Bevölkerung, die extreme Unpopularität des Republikaners Donald Trump bei Frauen und sein Problem damit, nennenswerte Teile anderer wichtiger Wählergruppen wie etwa die Hispanics auf seine Seite zu ziehen.

Das gibt Clinton die Gelegenheit, mehr Zeit und Geld auf Staaten zu konzentrieren, die Trump am 8. November unbedingt gewinnen muss – wie zum Beispiel North Carolina, Pennsylvania und Florida. „Ziel ist es, deine Ressourcen so zu konzentrieren, dass es dir den besten Weg eröffnet, auf 270 oder mehr Wahlmännerstimmen zu kommen“, sagt Joel Benenson, Clintons Meinungsforscher und Chefstratege.

Clintons Wahlkampflager behält mit 27 Zentralen in Colorado, 34 in Virginia und 41 in Wisconsin allerdings auch in diesen Staaten weiterhin eine beachtliche Präsenz aufrecht. Und macht sich die Kandidatin selber rar, haben ihr Vizekandidat Tim Kaine, ihr Mann Bill Clinton, Senator Bernie Sanders und andere prominente Unterstützer dort mehrere Auftritte absolviert. Im Vergleich zu den Wahlkampfeinsätzen früherer Kandidaten ist das aber nicht, wie ein genauerer Blick auf die drei Staaten ergibt.


Sind Colorado und Virginia schon längst sicher?

Colorado

Dass sich Clinton dort kaum hat blicken lassen, steht im krassen Gegensatz zu der großen Aufmerksamkeit, die Präsident Barack Obama während seiner beiden Wahlkämpfe diesem Staat gewidmet hat. Belohnt wurde er mit Siegen – 2008 war es erst das zweite Mal in 40 Jahren, dass sich Colorado für einen demokratischen Präsidentschaftskandidaten entschied.

Parteistrategen betrachten Obamas Siege als Beginn einer politischen Verschiebung, die westliche Wechselwähler-Staaten zu einem fruchtbareren Boden für die Demokraten macht. Die Wählerschaft ist zunehmend gebildet und wohlhabend, und Frauen in den städtischen Vororten – eine wichtige Wählergruppe – machen einen bedeutenden Teil aus. 20 Prozent der Einwohner Colorados sind zudem Hispanics.

Auch die Wählerregistrierungen deuten auf einen Vorteil für Clinton hin. Erstmals seit mehr als 30 Jahren haben sich in Colorado mehr Demokraten eingetragen als Republikaner.

Trump hat in dem Staat seit Anfang September ungefähr 2,5 Millionen Dollar (2,3 Millionen Euro) in TV-Werbung gesteckt, bis zum Wahltag will er weitere zwei Millionen Dollar investieren. Das ist so gut wie nichts verglichen mit den Summen, die Kandidaten normalerweise für Werbespots in Swing States ausgeben.

Virginia

Clintons Strategen glauben, dass sich Virginia rapide von einem Wechselwähler-Staat zu einem zuverlässigen demokratischen Territorium entwickelt. Das ist eine bemerkenswerte Einschätzung, wenn man bedenkt, dass Virginia vor Obamas erstem Sieg 2008 mehr als 40 Jahre lang für keinen demokratischen Präsidentschaftskandidaten gestimmt hatte.

Wie in Colorado fußt Clintons Zuversicht auch hier auf Veränderungen in der Zusammensetzung der Bevölkerung und Trumps Problemen mit Frauen in den Vorstädten. Der Staat wird zunehmend weniger weiß, und die Zahl gebildeter und moderater Wähler in den städtischen Vororten wächst.


Trump investiert, Clinton zieht sich zurück

Trump war bisher ein häufiger Besucher, ist seit seiner Nominierung als Spitzenkandidat sechs Mal hier gewesen. Für Werbespots hat er in Virginia ungefähr so viel ausgegeben wie in Colorado.

Und Clinton? Sie kam zuletzt im Juli hierher und hat seit August keinen Penny mehr in Wahlwerbespots in Virginia gesteckt.

Wisconsin

Dieser Staat hat bei jeder Präsidentenwahl seit 1984 demokratisch gewählt. Aber angesichts seiner überwiegend weißen Wählerschaft haben republikanische Bewerber hier oft aggressiv Wahlkampf betrieben. Die Demokraten gaben indes kräftig Geld aus, um sie in Schach zu halten.

Ursprünglich hielt das Trump-Team Wisconsin für den potenziell gewogensten unter allen Swing States. Auf den ersten Blick schien die Zusammensetzung der Bevölkerung besonders günstig für einen Kandidaten zu sein, dessen Kernunterstützer weiße Wähler aus der Arbeiterschicht sind. Aber Trumps dreiste populistischen Ansätze haben Konservative schon frühzeitig verschreckt: Die republikanische Vorwahl in Wisconsin verlor er deutlich.

Trump sei es bisher nicht gelungen, an Boden zu gewinnen, meint der demokratische Meinungsforscher Paul Maslin. „Die Erwartung, dass er in Wisconsin diese magische Anziehungskraft bei der weißen Arbeiterschicht hat und das den Staat auf seine Seite bringt, hat sich schlicht nicht bewahrheitet.“

Clinton ist seit ihrer Nominierung im Juli kein einziges Mal in Wisconsin aufgetreten und hat dort auch kein Geld für Werbespots ausgegeben. Trump will in den kommenden Wochen 600 000 Dollar für TV-Werbung aufwenden.

Der Republikaner hatte sich viel von einem gemeinsamen Auftritt mit Gouverneur Scott Walker und dem Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan, versprochen. Der war eigentlich am vergangenen Wochenende geplant. Aber nach Bekanntwerden des Skandalvideos von 2005, in dem sich Trump obszön über Frauen äußert, lud Ryan ihn aus – ein herber Schlag für den Kandidaten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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