US-Wahl: Die bizarre Allianz zwischen radikalen Hindus und Trump

US-Wahl: Die bizarre Allianz zwischen radikalen Hindus und Trump

, aktualisiert 05. November 2016, 20:55 Uhr
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REFILE - CORRECTING SPELLING Members of Hindu Sena, a right wing Hindu group, burn posters of U.S. Democratic presidential nominee Hillary Clinton during a protest against what they say is Clinton sabotaging Republican U.S. presidential nominee Donald Trump's election campaign, in New Delhi, India, October 18, 2016. REUTERS/Adnan Abidi TPX IMAGES OF THE DAY

von Frederic SpohrQuelle:Handelsblatt Online

Radikale Hindus verbrennen in Delhi Plakate von Hillary Clinton und beten für Donald Trump. Sie feiern den Milliardär für seinen anti-muslimischen Kurs. Ihre Faszination könnte auch Auswirkungen auf den Wahlkampf haben.

BangkokDie Hölle hat drei Eingänge, heißt es in der hinduistischen Schrift Bhagavad Gita: Gier, Zorn und Wollust. Da könnte man meinen: Für strenggläubige Anhänger der Religion ist ein Milliardär, dem Kritiker vor allem Jähzorn und Sex-Skandale vorwerfen, eher die zweite Wahl. Doch für viele ist genau das Gegenteil der Fall.

Tausende Kilometer entfernt von Washington, in den staubigen Straßen von Indiens Hauptstadt Neu Delhi, findet man Donald Trumps glühendste Anhänger: Immer wieder folgten erzkonservative Hindus dem Ruf der radikalen Gruppe Hindu Sena („Armee der Hindus”), um für einen Wahlsieg des Milliardärs zu beten und Feuerrituale abzuhalten. Gelegentlich geht es auch ruppiger zu und die Hindu-Nationalisten verbrennen Plakate von Hillary Clinton.

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Die bizarre Allianz zwischen erzkonservativen Hindus und Donald Trump könnte tatsächlich Auswirkungen auf den Wahlkampf in Amerika haben. Das Wählerpotential ist groß: Rund drei Millionen indischstämmige Amerikaner wohnen in den Vereinigten Staaten, mehr als die Hälfte von ihnen sind Hindus. Die zweitgrößte Einwanderergruppe des Landes ist wohlhabender und hat eine deutlich höhere Wahlbeteiligung als der Durchschnittsamerikaner – ein interessantes Klientel für Politiker.

Zwar wählen die meisten Indo-Amerikaner traditionell demokratisch – nur rund 13 Prozent sehen sich laut dem Meinungsforschungsinstitut Pew den Republikanern nahestehend. Doch bei den konservativen Hindus in den USA rechnet sich Trump Chancen aus.


Furcht vor Terror und anti-muslimische Rhetorik

Erst kürzlich wurde er bei einer Spendengala der Republican Hindu Coalition (RHC) eingeladen. Dabei pries er den bei ihnen beliebten indischen Regierungschef Narendra Modi an – einen Hindu-Nationalisten, dem immer wieder vorgeworfen wird, Stimmung gegen Muslime zu machen.

RHC-Chef Shalabh Kumar lässt in Interviews und Auftritten keinen Zweifel daran, was er am ehesten an Trump schätzt: Die Aussicht auf die strengere Kontrolle von muslimischen Einwanderern und das Versprechen, effektiv gegen Islamisten vorzugehen. Einwanderer Kumar, der einen Elektronik-Hersteller in den USA aufgebaut hat, gehört mit einer Spendensumme von 900.000 US-Dollar zu den wichtigsten Geldgebern Trumps.

Dass Trump die Einreise von Indern erschweren wird, glaubt Kumar nicht. In die USA kommende Hindus seien schließlich gut ausgebildet. Dabei klammert er aus, dass Inder die am schnellsten wachsende Gruppe illegaler Einwanderer sind.

Es ist wohl vor allem die an Paranoia grenzende Furcht vor islamistischem Terrorismus – und nicht zuletzt die anti-muslimische Rhetorik, die erzkonservative Hindus mit Trump sympathisieren lässt, analysiert Manu Bhagavan, Südasien-Historiker am New Yorker Hunter College. Das wurde auch auf der Spendengala deutlich, bei der Geld für Terroropfer auf der ganzen Welt gesammelt wurde.

Hillary Clinton habe das „Zeitalter des IS” ermöglicht, rief Trump den Hindus zu. Auf der Bühne tanzten Bollywood-Darsteller einen islamistischen Anschlag nach – der natürlich zurückgeschlagen wird.

Quelle:  Handelsblatt Online
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