US-Wahl: Trump feuert gegen die eigene Partei

US-Wahl: Trump feuert gegen die eigene Partei

, aktualisiert 12. Oktober 2016, 08:29 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Der Riss zwischen Donald Trump und seiner eigenen Partei wird immer tiefer. Nachdem sich führende Republikaner von ihm losgesagt haben, reagiert der Immobilienmogul schroff. An Schadensbegrenzung denkt Trump gar nicht.

WashingtonDer Streit zwischen dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und führenden Vertretern seiner eigenen Partei eskaliert. Trump warf dem mächtigen Republikaner Paul Ryan und anderen am Dienstag vor, seinen Wahlkampf zu torpedieren. Ryan, der Vorsitzender des Abgeordnetenhauses ist, hatte sich am Vortag von dem Kandidaten losgesagt.

Im Kurznachrichtendienst Twitter setzte Trump gleich mehrere Botschaften ab, in denen er seiner Wut freien Lauf ließ. Ryan nannte er eine „schwache und erfolglose Führungsfigur“. Abtrünnige Republikaner seien viel problematischer als seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton, klagte er weiter. „Sie greifen einen von allen Seiten an. Sie wissen einfach nicht, wie man gewinnt. Ich werde es ihnen zeigen.“ Die Loyalität im demokratischen Lager sei viel größer.

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Er machte deutlich, dass ihm nichts daran gelegen ist, die Risse zu kitten. „Es ist so schön, dass mir die Fesseln abgenommen wurden, und ich jetzt so für Amerika kämpfen kann, wie ich es will.“

Unterdessen kamen aber selbst aus seinem innersten Zirkel missfällige Töne. New Jerseys Gouverneur Chris Christie kritisierte Trump für seine frauenverachtenden Äußerungen aus dem geleakten Video. „Solches Gerede und solche Unterhaltungen sind selbst im Privaten einfach unzumutbar“, sagte Christie. Er erklärte aber auch, er werde weiter hinter Trump stehen. Christie gehört neben New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani zu den engsten Vertrauten des Kandidaten.

In den Aufnahmen aus dem Jahr 2005, die die „Washington Post“ am Freitag veröffentlicht hatte, brüstet sich der Unternehmer damit, dass er sich gegenüber Frauen alles erlauben könne.

Führende Vertreter der Republikaner hatten sich davon entsetzt gezeigt. Ryan, soll mehreren Abgeordneten am Montag in einem Telefongespräch gesagt haben, er wolle Trump nicht mehr verteidigen und sich stattdessen auf die Kongresswahlen konzentrieren.

Er ist als Vorsitzender des Repräsentantenhauses der derzeit mächtigste Republikaner. Der 46-jährige haderte schon in der Vergangenheit mit Trump. Immer wieder kritisierte er ihn scharf, sprach ihm im Juni aber dennoch die Unterstützung zu. Zumindest offiziell hat er diese noch nicht zurückgenommen.

Ryans Bemerkungen wurden in amerikanischen Medien nun so interpretiert, als habe er die Präsidentschaftswahl schon verloren gegeben. Ihm scheint es nun vor allem darum zu gehen, die republikanische Mehrheit im Kongress zu halten. Mehrere republikanische Senatoren müssen wegen Trump um ihre Wiederwahl bangen, darunter Ex-Präsidentschaftskandidat John McCain.

Die zweite Kammer des Kongresses wählt mit der Präsidentenwahl am 8. November 34 Sitze neu, die für sechs Jahre besetzt werden. Die Demokraten müssten den Republikanern nur vier der zur Wahl stehenden 34 Senatorensitze abnehmen, um die Mehrheit zu haben.

Nach Bekanntwerden seiner sexistischen Äußerungen ist Trump in der Gunst der US-Wähler weiter hinter seine Rivalin Hillary Clinton zurückgefallen. Der Milliardär kommt in der aktuellen Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos auf 37 Prozent. Für Clinton sprachen sich 45 Prozent der Befragten aus. 18 Prozent gaben an, keinen der beiden Kandidaten zu unterstützen. Vier Wochen vor der Wahl beträgt der Vorsprung der Demokratin damit acht Prozentpunkte. Vergangene Woche waren es fünf Punkte.

Die in der Nacht zum Mittwoch veröffentlichte Umfrage wurde nach dem zweiten TV-Duell zwischen Trump und Clinton am Sonntag erstellt. Von den Befragten, die die Debatte zumindest teilweise verfolgten, fanden 53 Prozent, dass Clinton sich besser geschlagen habe. 32 Prozent hielten Trump für den Sieger.


Obama: Trump taugt nicht als Präsident

Das Duell stand im Zeichen der frauenfeindlichen und vulgären Äußerungen Trumps, die in einem am Freitag veröffentlichten Video von 2005 zu hören sind. Der Milliardär entschuldigte sich zwar für die Kommentare, tat sie aber zugleich als Umkleidekabinen-Gerede ab. Die meisten der Befragten gaben an, Trump für einen Sexisten zu halten. Auf die Frage, ob ihn das als Präsidenten disqualifiziere, hielten sich die Ansichten aber die Waage. Etwa 42 Prozent sagten, Trump sei wegen der Äußerungen für das Amt ungeeignet. 43 Prozent fanden, dem sei nicht so. Etwa 61 Prozent der Befragten gaben an, „viele Männer“ würden sich gelegentlich an ähnlichen Unterhaltungen wie in dem Video beteiligen. Befragt wurden insgesamt 2386 Amerikaner.

Trump hat sich auch noch am Dienstag über den Auftritt von Clinton bei der Fernsehdebatte beklagt. Sie habe ihn bedrängt, beschwerte sich Trump am Dienstag in der Fernsehsendung „The O'Reilly Factor“. „Ich stand an meinem Pult und ganz plötzlich, wie aus dem Nichts, läuft sie vor mir herum“, sagte er.

Bei der Debatte mussten die Kandidaten auf Fragen aus dem Publikum antworten und durften dabei ihr Pult verlassen. Während Clinton sprach, baute sich der wesentlich größere Trump mehrfach hinter ihr auf. Clinton sagte hinterher, sie habe bemerkt, dass Trump manchmal dicht hinter ihr gewesen sei, aber auf der Bühne habe es auch nur sehr wenig Platz gegeben. Trump versicherte bei O'Reilly, er sei nie in Clintons Nähe gegangen, vielmehr sei es andersherum gewesen. „Sie kam in mein Territorium“, klagte er.

US-Präsident Barack Obama hält Trump als Nachfolger für ungeeignet. Er habe sich während seiner Wahlkämpfe mit seinen republikanischen Gegenkandidaten John McCain und Mitt Romney über Politik gestritten, aber nie an deren Ehrenhaftigkeit gezweifelt, sagte Obama auf einer Wahlkampfveranstaltung am Dienstag im US-Staat North Carolina. Trump dagegen mache nicht den Eindruck, sich an die Grundregeln des Anstands halten zu wollen.

Obama urteilte, Trump habe weder das Temperament, noch das Urteilsvermögen, noch die Kenntnisse, die für das Amt des US-Präsidenten nötig sind. Auch habe der Kandidat offenbar nicht vor, seine Wissenslücken zu füllen.

So habe Trump gedroht, die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton wegen der Nutzung eines privaten E-Mail-Servers ohne Prozess ins Gefängnis zu bringen, kritisierte Obama. Dies sei das Gegenteil der Idee des Rechtsstaats. „Ich habe nie gedacht, einen Tag zu erleben, an dem wir einen Kandidaten einer große Partei haben, der solche Vorstellungen anpreist“, sagte er.

Der Präsident kritisierte, viele Republikaner wollten sich auch nach der Veröffentlichung sexistischer Prahlereien Trumps nicht von ihren Kandidaten distanzieren. Es sei widersinnig, Trumps Äußerungen über Frauen als abscheulich zu verurteilen und trotzdem dafür zu kämpfen, dass er das mächtigste Amt der Welt erhalte. Auch die Berufung auf christliche Barmherzigkeit helfe da nicht weiter. „Ich glaube auch an Vergebung und Erlösung“, sagte Obama. „Das heißt aber nicht, dass ich eine solche Person zum Präsidenten wählen werde.“ Der Demokrat Obama darf nach zwei Amtszeiten nicht wieder für das Präsidentenamt kandidieren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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