US-Wahlkampf: Clinton setzt auf den blauen Schutzwall

US-Wahlkampf: Clinton setzt auf den blauen Schutzwall

, aktualisiert 04. November 2016, 14:37 Uhr
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Die Demokratin bei einem Auftritt am Donnerstag mit Sänger Pharrell Williams und Rivale im Vorwahlkampf, Bernie Sanders.

von Alexander DemlingQuelle:Handelsblatt Online

Hillary Clinton tourt durch den Mittleren Westen. Die Auftritte der Demokratin sind ein Eingeständnis: Statt auf einen Erdrutschsieg hoffen zu können, muss sie ihren Vorsprung auf Donald Trump verteidigen.

Washington/Es ist schwer zu wissen, wo Hillary Clinton am heutigen Freitag am liebsten wäre. In Arizona vielleicht, Georgia, vielleicht sogar Texas. Sicher ist: Es ist nicht Detroit. Die einstige Auto-Hochburg Amerikas, Heimat der Opel-Mutter General Motors, liegt in Michigan. Auf die Stimmen aus dem gewerkschaftlich geprägten Arbeiterstaat konnten sich Demokraten bei Präsidentschaftswahlen meistens verlassen, seit Bill Clintons Zeiten haben sie dort nicht mehr verloren.

Doch die Reise in die bröckelnde Industriestadt bleibt seiner Ehefrau und Nachfolgerin als Kandidatin nicht erspart. In einer historischen Markthalle wird sie dort erklären, wie sie die verschwundenen Fabrikjobs ersetzen will und das weitere Ausbluten der schrumpfenden Ex-Metropole verhindern will. Geschrumpft ist nämlich auch ihr Vorsprung auf Donald Trump in dem Staat. Der Milliardär macht sich schon Hoffnung, den Staat holen zu können.

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An Halloween hielt er dort zwei Wahlkampfreden ab. Sein Vize Mike Pence, Gouverneur des Nachbarstaates Indiana, spricht einige Stunden vor Clinton in einem Flugzeughangar in der Hauptstadt Lansing. Die ungewohnte Aufmerksamkeit der Republikaner zeigt Wirkung, zumindest ein wenig: Die Nachrichtenseite Politico zählt den Staat als „Battleground State“, den beide Lager für sich gewinnen könnten.

Sehr wahrscheinlich ist ein Trump-Sieg in Michigan noch nicht, im Durchschnitt der Umfragen liegt Clinton in Michigan fünf bis sechs Punkte vorne. Doch schon die Tatsache, dass sie überhaupt persönlich um den Staat kämpfen muss, ist ein Problem und zeigt, dass sich das Rennen um die Präsidentschaft in den vergangenen Tagen gewandelt hat. Die letzten landesweiten Umfragen sehen Clinton noch zwei bis drei Prozentpunkte vor Trump, die Nachrichtensendungen sind voll mit Berichten über die FBI-Ermittlungen wegen ihres E-Mail-Servers.

In einer am Freitag veröffentlichten Erhebung der „Washington Post“ und des Senders ABC kommt Clinton auf 47 Prozent der Stimmen und Trump auf 44 Prozent. In einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage hatten beide Kandidaten gleichauf bei 46 Prozent gelegen. Befragt wurden für die neue Erhebung von Sonntag bis Mittwoch 1768 Erwachsene. Die Fehlertoleranz liegt bei 2,5 Prozentpunkten.


Weniger vertrauenswürdig als Trump

Das neue Aufflammen der E-Mail-Affäre hatte die 69-Jährige an ihren schwächsten Punkt getroffen: Laut einer Erhebung der Washington Post halten die Amerikaner sie für weniger vertrauenswürdiger als Donald Trump.

Um Präsident werden zu können, muss Trump jedoch nahezu alle traditionell umkämpften Staaten gewinnen. Florida, Ohio, North Carolina - fällt nur einer davon an Clinton, ist es für den Republikaner nach jetzigen Stand praktisch gelaufen. Es sei denn, er kann klassisch demokratische Staaten in sein Lager holen - wie eben Michigan. Das Ringen um die Battleground States, der Mehrfrontenkrieg im ganzen Land ist auch ein psychologisches Spiel. Wem es gelingt, den Gegner in seiner eigenen Hälfte unter Druck zu setzen, der erobert das Momentum. Das war zuletzt Trump.

Clinton scheint ihre knappe Führung nun über die Zeit retten zu wollen statt mit einem Offensivfeuerwerk auf einen deutlichen Sieg zu spielen. Vorbei die Tage, als sie mit Millionen aus ihrer gut gefüllten Kriegskasse Werbung auf TV-Sendern und Radiostationen in Utah oder Texas buchte und so tief in das Trump-Land vorstieß.

Jetzt gilt es für die Kandidatin der traditionellen Kleine-Leute-Partei, Trump in den Arbeiterstaaten des Mittleren Westen seine Grenzen aufzuzeigen und die sogenannte „blaue Schutzwand“ (blau ist die Farbe der Demokraten) aus Staaten, in denen sie einen beruhigenden Vorsprung genießt, zu erhöhen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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