US-Wahlkampf: Ein Trump-Sieg würde Mexiko hart treffen

US-Wahlkampf: Ein Trump-Sieg würde Mexiko hart treffen

, aktualisiert 10. März 2016, 12:08 Uhr
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Eine Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hätte allen voran für den Nachbarn Mexiko drastische Folgen.

Quelle:Handelsblatt Online

Drastische Veränderungen stehen an, sollte Donald Trump tatsächlich bei der Präsidentschaftswahl in den USA triumphieren. Allen voran in Mexiko geht die Angst um. Ein mexikanischer Journalist analysiert die Probleme.

BerlinSeine klare Haltung und seine markanten Merkmale haben Donald Trump im vergangenen Jahr populär gemacht. Seine Fans jubeln ihm zu und der republikanische Präsidentschaftskandidat rast von einem Vorwahlsieg zum nächsten.

Teile seiner Anhänger sind radikalen Gruppen zuzuordnen – etwa der Tea Party oder dem ehemaligen Minutemen Project, dessen Mitglieder es auf Mexikaner abgesehen hatten. Doch es gibt auch zahlreiche Unterstützer aus der Mitte, aus der „breiten Masse“.

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Trump verhält sich sehr geschickt: Seine Rhetorik spricht ein großes Publikum an. So sagte der Immobilienmogul etwa, dass er ein hingebungsvoller Christ sei und eine gute Beziehung zur Kirche pflege. Die Bibel, so Trump, sei sein Lieblingsbuch – sie stehe sogar vor seinem eigenen Buch „Art of the deal“. Doch dieses Verhalten ist mehr eine Strategie als ein realistisches Porträt seiner Persönlichkeit. Dieses Kalkül soll dazu dienen, noch mehr Wähler anzulocken.

Trump will illegale Einwanderer konsequent abschieben. Elf Millionen an der Zahl, überwiegend aus dem Nachbarland Mexiko. An der mehr als 3.000 Kilometer langen Grenze zu Mexiko soll eine Mauer entstehen, die die Nachbarn auch noch bezahlen sollen.

Amerikanische Konzerne will Trump durch Zolltarife dazu zwingen, ihre Investitionen auf US-Boden zu tätigen – und eben nicht in Mexiko, wo die Kosten um ein Vielfaches geringer sind. Betroffene Unternehmen, so Trump, sollten ihre Fabriken vor Ort schließen und auf diese Art und Weise Arbeitsplätze in die USA verlagern.

Es sind große Versprechen des Kandidaten, die er keinesfalls alle halten kann. Doch selbst, wenn er es versuchen würde: Die Hürden sind ebenso hoch wie schwierig zu überwinden. Auf die parteiinterne Unterstützung kann er nicht vollständig zählen.

Viele Parteimitglieder unterstützen den Freihandel und sehen Mexiko – ebenso wie Ford, Carrier und andere große Unternehmen – als attraktiven Produktionsstandort – eine so protektionistische Aktion würden sie nicht gutheißen.

Allerdings muss man sagen: Trotz aller Hindernisse könnte Trump Teile seiner Politik durchboxen. Besonders durch „Executive Orders“, die dem Präsidenten als Kopf der Exekutive endgültige Weisungen erlauben. So benutzt etwa auch der amtierende Präsident Obama dieses Instrument, um Einwanderer zu schützen.


Mexiko stünde vor großen Herausforderungen

Für Mexiko würde die Rückkehr von Millionen Immigranten eine nie dagewesene Herausforderung darstellen. Es gibt bei weitem nicht genügend Jobs. Auch die Anpassung an die mexikanische Gesellschaft und die mexikanischen Werte wäre eine große Schwierigkeit.

Ein Ende des offenen Handels zwischen beiden Ländern wäre – besonders nach dem 1994 unterzeichneten Nordamerikanischen Freihandelsabkommen – eine Katastrophe für die mexikanische Wirtschaft, die im Gegensatz zu anderen Ländern Lateinamerikas ihre Handelspartner nicht diversifiziert hat und heute von den USA noch sehr abhängig ist. So gingen im Jahre 2014 rund 80 Prozent der mexikanischen Exporte ins nördliche Nachbarland, heißt es vom Congressional Research Service der USA.

Problemlos war es in den vergangenen Jahres keinesfalls: Mexikanischen LKW wurde etwa die Fahrt auf amerikanischem Boden untersagt, obwohl sie seit dem Freihandelsabkommen dazu befugt sein sollten. Schätzungen des mexikanischen LKW-Verbundes zufolge entstand für die mexikanische Wirtschaft ein Schaden von 2,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr – ein Beispiel dafür, wie hart protektionistische Aktionen die Wirtschaft treffen.

Doch Mexiko ist auch für die USA ein bedeutender Wirtschaftsfaktor: Das Nachbarland ist nach China und Kanada der drittgrößte Handelspartner. Das wird allen voran in grenznahen Städten wie McAllen oder Brownsville im Bundesstaat Texas deutlich, in denen mexikanische Käufer ein Wachstumstreiber der lokalen Wirtschaft sind. Der Bau einer Mauer würde das Wachstum sicher nicht stimulieren.

Auch der Wegfall von mexikanischen Arbeitskräften würde schwer wiegen. Schließlich werden viele Jobs, die nicht beliebt und schlecht bezahlt sind, häufig von Mexikanern übernommen – etwa als Landwirtschaftskräfte in Kalifornien oder als Reinigungskraft in größeren Städten.

So viel zu den ökonomischen Folgen: und die politischen? Das Erstarken radikaler Gruppen, die Minderheiten verfolgen und angreifen, ist eine der größten Gefahren bei einem Trump-Sieg. Im vergangenen August berichteten viele Medien über einen Attacke in Boston, bei der zwei Brüder einen Latino-Obdachlosen angegriffen hatten: nur ein Vorgeschmack.

Einer der Täter sagte in der Folge, sein Benehmen würde von Trumps Rhetorik beeinflusst werden. Der mexikanische Präsident, Enrique Peña Nieto, verglich seine Rhetorik gar mit der von Adolf Hitler – und sagte auch, dass er von ähnlichen Vorurteilen und Emotionen profitiert habe.

Der Autor: Alan Miranda Márquez lebt in Mexiko-Stadt und arbeitet dort als Wirtschaftsjournalist für eine Tageszeitung. In diesen Wochen hospitiert er in der Hauptstadtredaktion des Handelsblatts in Berlin.

Quelle:  Handelsblatt Online
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