US-Wahlkampf: Rückhalt für Trump bei Republikanern wächst

US-Wahlkampf: Rückhalt für Trump bei Republikanern wächst

, aktualisiert 30. April 2016, 11:18 Uhr
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Der Präsidentschaftskandidat spaltet die republikanische Partei.

Quelle:Handelsblatt Online

Donald Trump ist der Parteispitze ein Dorn im Auge. Mit provokanten Sprüchen und umstrittenen Positionen löst er Empörung aus. Doch der Widerstand bei den Republikanern im Kongress bröckelt. Woran das liegt.

WashingtonNoch vor einem halben Jahr schien es undenkbar: Donald Trump als offizieller Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner. Mit seinen Verbalattacken gegen Frauen, Migranten und Muslime schien der Milliardär auch Politikern in der eigenen Partei unheimlich und unwählbar. Das sogenannte Establishment in Washington – oft genug selbst Ziel der Trump-Tiraden – trommelte zur Gegenkampagne. Doch der Wind scheint sich zu drehen. Immer mehr Republikaner im Kongress denken nun offenbar das Undenkbare.

Denn mit seinen jüngsten Vorwahlsiegen ist der einst belächelte Quereinsteiger der Nominierung zum offiziellen Kandidaten erstaunlich nahe gekommen. Für manche Abgeordnete scheint der Zeitpunkt gekommen, den internen Widerstand aufzugeben und dem wahrscheinlichen Kandidaten gegen den eigentlichen politischen Gegner den Rücken zu stärken: die mutmaßliche demokratische Gegenkandidatin Hillary Clinton.

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„Es geht nicht um 'Niemals Trump'“, sagt der Abgeordnete Mike Kelly aus Pennsylvania. „Es geht um 'Niemals Hillary'. Niemals, niemals, niemals.“ Die Elite in Washington habe den Kontakt zu den Wählern verloren, die Trump bei den republikanischen Vorwahlen in Scharen unterstützen. „Ich habe noch nie gesehen, dass eine Partei einen ihrer eigenen Bewerber mit solcher Aggression attackiert“, wundert sich der Republikaner.

Der langjährige Senator Orrin Hatch aus Utah stellt sich zwar nicht offiziell hinter Trump. Aber: „Es sieht für mich so aus, dass er gewinnen wird. Und wenn er das tut, dann werde ich alles in meiner Macht Stehende tun, um ihm zu helfen.“

Bisher glaubten auch einige führende Republikaner, dass eine Nominierung Trumps für die Partei ein Desaster wäre und den Demokraten einen Sieg bei der Präsidentenwahl im November schenken würde. Womöglich könnten die politischen Gegner sogar wieder die Kontrolle über Senat und Repräsentantenhaus gewinnen, weil Trump laut Umfragen sehr unbeliebt ist.

Hatch sieht das anders. „Ich glaube, er könnte großartig sein, wenn er das Amt des Präsidenten ernst nimmt, was er aus meiner Sicht tun wird“, sagt der Senator. Wenn Trump mit der Realität konfrontiert sei und sich bewusst werde, dass er den härtesten Job der Welt habe, werde sich sein Verhalten ändern. „Er ist ein kluger, gescheiter Typ, der aus meiner Sicht für seine guten Taten in Erinnerung bleiben will. Ich habe das Gefühl, dass er es schafft, sich zu wandeln.“


Zwei Ausschussvorsitzende sagen Trump ihre Unterstützung zu

Natürlich glauben das nicht alle Republikaner. Einige Parlamentarier sorgen sich um Parteikollegen im Senat, die um ihre Wiederwahl bangen und mit Trump politisch in einen Topf geworfen werden könnten. Trump-Kritiker Jeff Flake zum Beispiel sagt: „Ich kann mir nicht vorstellen, gezwungen zu sein, einige der Positionen zu unterstützen, die er einnimmt.“ Er meint zum Beispiel die Forderung des Milliardärs nach einem Einreisestopp für Muslime und nach einer Mauer gegen Einwanderer, die Trump auf Kosten Mexikos bauen will.

Trump sei einfach nicht das Beste, was die Republikaner zu bieten hätten, sagt Flake. Doch räumt auch er ein, dass eine Kandidatur des Immobilienunternehmers immer wahrscheinlicher wird.

Ob Trump wirklich bis zum Nominierungsparteitag der Republikaner im Juli die nötige Mehrheit der Delegierten hinter sich bringt, ist noch nicht sicher. Einige seiner Gegner hoffen noch auf eine Kampfabstimmung, um Trump zu verhindern. Sein schärfster Rivale Ted Cruz, derzeit Nummer zwei im Rennen der Republikaner, hat im Parlament aber auch keinen großen Rückhalt, obwohl er selbst für Texas im Senat sitzt.

Der erzkonservative Vertreter der Tea-Party-Bewegung wird mit dafür verantwortlich gemacht, dass sich die Republikaner 2013 im Streit über den Staatshaushalt verrannten und eine 16-tägige Schließung von Bundesbehörden in Kauf nahmen. Der Republikaner John Boehner, der unter dem Druck der Konservativen vom Posten als Vorsitzender des Repräsentantenhauses zurücktrat, nennt Cruz einen „Fleisch gewordenen Luzifer“. Einer Studentenzeitschrift sagte Boehner jetzt: „Ich komme mit fast jedem aus, aber ich habe in meinem ganzen Leben noch nie mit einem so armseligen Kotzbrocken zusammengearbeitet.“

Cruz' Unbeliebtheit nützt Trump womöglich bei seinen Parteikollegen. Am Donnerstag sicherten ihm jedenfalls zwei Ausschussvorsitzende im Repräsentantenhaus Unterstützung zu: Bill Shuster, Chef des Verkehrsausschusses, und Jeff Miller, der den Veteranenausschuss leitet. Der Senator und Außenpolitiker Bob Corker telefonierte mit Trump und äußerte sich anschließend positiv.

Auch der Abgeordnete Tom Rooney, einst ein wichtiger Unterstützer des inzwischen ausgeschiedenen Präsidentschaftsbewerbers Marco Rubio, scheint seine Meinung zu ändern. Immerhin hätten sich die Menschen in den republikanischen Vorwahlen für Trump entschieden. „Die republikanische Wählerschaft hat gesprochen, deshalb verdient er die Chance, unser Kandidat zu werden“, sagt Rooney. „Wenn er als Kandidat Mist baut und Bewerbern in lokalen Rennen schadet, dann baut er eben Mist. Aber im Moment wollen die Leute, dass er der offizielle Kandidat wird.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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