US-Wahlkampf: Trump triumphiert in Mexiko

US-Wahlkampf: Trump triumphiert in Mexiko

, aktualisiert 01. September 2016, 06:32 Uhr
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U.S. Republican presidential nominee Donald Trump and Mexico's President Enrique Pena Nieto arrive for a press conference at the Los Pinos residence in Mexico City, Mexico, August 31, 2016. REUTERS/Henry Romero

von Klaus Ehringfeld und Moritz KochQuelle:Handelsblatt Online

Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto blamiert sich im eigenen Palast: Statt Trump zu stellen, bietet er Donald Trump eine dringend benötigte Bühne. Nicht nur die Mexikaner sind verstört über den bizarren Besuch.

Es war ein kurzer Besuch, der vermutlich lang anhaltende Konsequenzen haben wird. Für Mexikos Staatschef Enrique Peña Nieto und für seinen Gast – Donald Trump. Die Blitzvisite des republikanischen Kandidaten für die US-Präsidentschaft hat Mexiko am Mittwoch fast wie ein Erdbeben erschüttert. Die Mexikaner lehnten fast einhellig die Einladung ihres Staatchefs an den Mann ab, der für die Bevölkerung des lateinamerikanischen Nachbarlandes nichts als Verachtung gezeigt und die Menschen pauschal verunglimpft hatte.

Dennoch hofierte Peña Nieto Trump im Präsidentenpalast von Mexiko-Stadt. Für Trump die ideale Kulisse, um seine Selbstverwandlung zu inszenieren: vom Rüpel zum Staatsmann, vom Agitator zum Gestalter. Es ist noch nicht lange her, dass Trump Mexiko als „Feind“ der USA bezeichnet und Mexikaner als „Vergewaltiger“ und „Mörder“ charakterisiert hatte. Nun, als Staatsgast, preist er Peña Nieto als seinen „Freund“.

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Von Mexiko flog Trump zurück über die Grenze nach Arizona, um in Phoenix eine groß angekündigte Grundsatzrede zur Einwanderungspolitik zu halten. „Sehr wichtig“ sei sein Treffen mit dem „wunderbaren, wunderbaren“ Peña Nieto gewesen, schwärmte Trump gleich zu Beginn und versprach: „Wir werden alle gewinnen, bei Länder.“

Es war ein Tag ganz nach Geschmack des Rechtpopulisten. Alle Nachrichtensender übertrugen seine Rede live, so wie sie schon vorher ihr Programm für die PK in Mexiko unterbrochen hatten. Keine Schlagzeile ohne Trump – und fast kein Wort über seine Rivalin Hillary Clinton. Trumps Strategie ist aufgegangen. Er lässt sich feiern. „USA, USA“, rufen seine Fans.

In der vergangenen Woche hatte Trump Anhänger und Gegner mit widersprüchlichen Aussagen über seine Einwanderungspolitik irritiert. In Phoenix präsentierte er einen Zehn-Punkte-Plan. Illegale Einwanderer will er nicht mehr pauschal aus dem Land werfen lassen, sicher aber alle kriminellen, und, wer weiß, so höhnte er, „vielleicht werden sie sogar Clinton deportieren können". Lautes Gegröle. Doch das Wichtigste: Trumps zentrales Projekt, die Mauer an der Grenze zu Mexiko, werde umgesetzt – und, wie versprochen, von Mexiko bezahlt: „100 Prozent.“

Trump tritt wie der Hausherr auf

Peña Nieto steht blamiert da. Der mexikanische Präsident steckt in einem historischen Umfragetief; die Einladung an Trump war der Versuch, Initiative zu zeigen, den Staatsmann zu geben und von Skandalen, der lahmenden Konjunktur und vor allem dem erneut dramatischen Anstieg von Gewalt und Morden abzulenken.

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Allerdings ging der Profilierungsversuch nach hinten los. Trump entschuldigte sich nicht für die vielen Schmähungen, die er den Mexikanern im Lauf des Wahlkampfs an den Kopf geworfen hat, und trat bei der gemeinsamen Pressekonferenz wie der Hausherr auf.

Peña Nietos Versuche, Respekt für seine Landsleute einzufordern, wirkten dagegen fast hilflos. „Die Mexikaner in den USA tragen zum Wohlstand des Landes bei. Es sind gute Menschen, die Familie und Gesetze achten. Sie verdienen jeden Respekt“.

Der politische Beobachter Ariel Moutsatsos hält denn auch die Einladung an und den Besuch von Trump für verfehlt. „Für Peña Nieto kann diese Einladung ein historischer Fehler gewesen sein. Heute ist Trump der klare Sieger, denn er hat einen Staatschef getroffen und von seinen Thesen nichts zurückgenommen!“. Auch die Bevölkerung reagierte verstört auf den bizarren Besuch. „Das ist herabwürdigend für uns, dass der Präsident einen Politiker empfängt, der uns als Verbrecher bezeichnet hat“, sagt die Ärztin Alicia Cervantes.

Quelle:  Handelsblatt Online
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