USA: Trump und die Goldmännchen

USA: Trump und die Goldmännchen

, aktualisiert 01. Dezember 2016, 06:15 Uhr
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Nach zehn Jahren ist eine der mächtigsten Investmentbanken der Wall Street unter dem zukünftigen US-Präsidenten Donald Trump zurück auf dem Weg ins Weiße Haus.

von Kathrin WitschQuelle:Handelsblatt Online

In der Vergangenheit waren hochrangige Goldman-Sachs-Manager oft gefragt, wenn der neue US-Präsident rief. Dann kam die Finanzkrise. Mit Trump scheint Goldman nun seine lang ersehnte Rückkehr ins Weiße Haus zu gelingen.

New YorkOb Republikaner oder Demokraten im Weißen Haus regierten, die Investmentbank Goldman Sachs war mehr als einmal mit von der Partie. Das änderte sich erst 2007, mit der weltweiten Finanzkrise. Nun, fast zehn Jahre später, scheint eine der mächtigsten Firmen der Wall Street die frühen Tage der Regierungsbildung unter Donald Trump zu dominieren.

Gerade erklärte der designierte Präsident Ex-Goldman-Bänker Steve Mnuchin zum neuen Finanzminister. Und das obwohl die US-Bank, die wegen ihrer engen Verbindungen in die Politik auch „Government Sachs“ genannt wird, im Wahlkampf noch zu seinen Lieblingsfeindbildern zählte.

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Trump nannte die Investmentbank symbolhaft den Inbegriff eines „manipulierten Systems“ der Vetternwirtschaft zwischen Wall Street und Washingtoner Politikbetrieb, das „unsere Arbeiterklasse ausgeraubt hat“. Doch mit Menschen aus genau diesem System besetzt er nun Amt für Amt sein Kabinett.

Mnuchin gilt als absoluter Wall-Street-Insider. Er folgte seinem Vater zu der Investmentbank Goldman Sachs, für die er 17 Jahre lang arbeitete, bevor er sie 2002 verließ. Stephen Bannon, der frisch ernannte Chefstratege Trumps, hat ebenfalls viele Jahre bei Goldman gearbeitet, bevor er die rechtskonservative Seite Breitbart News leitete. Auch Anthony Scaramucci, Mitglied im aktuellen Beraterstab des künftigen Präsidenten, ist ehemaliger Goldman-Mitarbeiter.

Am Dienstag traf sich Trump dann mit Gary Cohn, dem amtierenden Goldman-COO zum Abendessen. Um welche Stelle es genau ging, wurde nicht publik gemacht. Cohn selbst hat sich dazu bislang nicht geäußert.

Obwohl Goldman-Präsident Lloyd Blankfein sich während des Wahlkampfes offen hinter die demokratische Kandidatin Hillary Clinton gestellt hatte, scheint es nicht abwegig, dass Cohn ein mögliches Angebot seitens Trump annehmen würde. Der 56-Jährige könnte es leid sein, die ewige Nummer zwei hinter Blankfein zu spielen. In der vergangenen Zeit wurden Gerüchte laut, dass Cohn ohnehin mit dem Gedanken spiele, die Bank zu verlassen.


Die Wall Street macht Freudensprünge

Mnuchin kündigt bereits jetzt eine Agenda an, die an der Wall Street für Freudensprünge sorgen dürfte, Demokraten allerdings in Panik versetzt. Die Unternehmenssteuer soll auf 15 Prozent gesenkt und Regulierungen entschärft werden.
Liberale fürchten, dass die Wall Street so wieder zu alten Trading-Praktiken zurückkehren könnte, die eine Finanzkrise in der Vergangenheit erst möglich gemacht haben.

„Ich werde die Wall Street nicht mit Mord davonkommen lassen“, hatte Trump noch im Wahlkampf gepoltert. Der New Yorker Geschäftsmann versprach, sich Banker und Finanzprofis vorzuknöpfen, denen viele US-Bürger noch immer die Verantwortung für die große Wirtschaftskrise nach dem Kollaps des Häusermarkts im Jahr 2007 vorwerfen.

Doch seit seiner Wahl zum US-Präsidenten sieht bei Trump vieles ganz anders aus - auch sein Verhältnis zur Finanzwelt. Und so setzt er trotzdem auf die Expertise der erfahrenen Investmentbank und findet sich dabei historisch gesehen in guter Gesellschaft.

Mnuchin führt die Reihe ehemaliger Manager der Bank fort, die später eine politische Karriere gemacht haben. Am besten ist vielleicht heute noch der ehemalige Goldman-Chef Hank Paulson in Erinnerung, der Finanzminister der Finanzkrise. Auch Robert Rubin arbeitete 26 Jahre lang bei Goldman, bevor ihn Bill Clinton zum Finanzminister machte.

Dass Hillary Clinton im Wahlkampf stets für ihre Verbandelungen zu Goldman-Sachs und der Wall Street kritisiert wurde, wusste Trump vor der Wahl gekonnt zu nutzen. Er selbst verkaufte sich, obwohl ebenfalls der Finanzelite angehörend, als Außenseiter und schärfster Kritiker derselbigen.

Sollte Cohn Trump einen Korb geben, hätte die herbe Wahlkampfstrategie des Republikaners dennoch einen bitteren Nachgeschmack. Wenn es um frühere Kabinettsposten ging, mussten amtierende Goldman-Manager nicht lange gebeten werden. Trump scheint allerdings bis jetzt nur auf die bereits ausgestiegenen Zweitligisten der Investmentbank zurückgreifen zu können.

Quelle:  Handelsblatt Online
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