Valley Voice: Apple und die patentierte Pizzabox

Valley Voice: Apple und die patentierte Pizzabox

, aktualisiert 06. Juni 2017, 09:12 Uhr
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Axel Postinett, Korrespondent des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Das Silicon Valley zelebriert Innovationen. Was dabei herauskommt, kann weltverändernd sein oder amüsant. Ein Patent von Apple könnte beides sein – der iKonzern will den Pizzakarton neu erfunden haben.

San FranciscoOkay, Apple hat das iPhone erfunden, das iPad und den Mac. Aber die vielleicht praktischste Innovation findet sich in den Kantinen des neuen gigantischen Apple-Raumschiffs in Cupertino: eine patentierte Pizzabox, rund mit einem Boden mit mehreren kreisförmigen Ringen. Diese lassen Luft an den Pizzaboden. Luftaustrittslöcher im Deckel dienen dazu, warme Feuchtigkeit abzuleiten.

Damit sollen nach dem Plan von zwei Apple-Angestellten, dem Küchenchef Francesco Longoni und dem Verpackungsspezialisten Mark E. Doutt, die Zeiten durchgeweichter Pizzen in fettdurchtränkten Pappschachteln auf dem nagelneuen Schreibtisch am Arbeitsplatz der Vergangenheit angehören.

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Das Patent aus dem Antragsjahr 2012 war bereits Ende Dezember 2016 aufgetaucht, aber niemand konnte es richtig zuordnen, und Apple schwieg. Ein Journalist des Magazins „Wired“ entdeckte die Schachtel dann bei einem Besuch bei Apple in diesem Mai. Die Frage ist nun, ob es sich bei dem Ausflug in die Welt der Nahrungsmittelverpackung nur um einen isolierten Zufall handelt oder ob mehr dahintersteckt.

Ganz ungewöhnlich ist der Pizzakarton für Apple auch nicht. 2014 wurde eine spezielle und strapazierfähige Papiertasche patentiert, in der die Kunden ihre Produkte stolz und sicher nach Hause tragen können. In einer von Design dominierten und dem Streben nach Perfektion geleiteten Umgebung erscheint es da fast natürlich, dass Mitarbeiter in allen Geschäftsbereichen nach Optimierung dieser Ziele streben.


Marktplätze der digitalen Ureinwohner

Aber würden nicht Apple-Fans auf der ganzen Welt vielleicht gerne ihre Pizza aus der unverwechselbaren runden Apple-Schachtel verspeisen, ob am Arbeitsplatz oder im Park? Immerhin: Seit dem 21. Mai werden in 495 Apple-Stores weltweit bereits Unterhaltungs- und Lernnachmittage abgehalten. Oder wie es die Chefin der Apple-Stores, Angela Ahrendts, ausdrückt: „‘Today at Apple‘ ist ein Weg, um unsere lokalen Gemeinschaften besser zu bedienen. Wir schaffen eine moderne Form von Marktplatz, in dem jeder willkommen ist.“

Doch noch ist das eine ziemlich trockene Angelegenheit. Was fehlt, wäre ein Kaffee, ein Wasser – oder eine Pizza. 1996 dachte man in Cupertino bereits über ein „Apple Cafe“ nach, enthüllte Tony Christopher, Mitgründer von Landmark Entertainment Group, in einem Interview mit „Co.Design“. Sechs Monate hätte das Team an der Innenausstattung gearbeitet, Arbeitsplätze, Ruhezonen und auch eine Restauration waren vorgesehen.

Das Projekt wurde aber verworfen. Die ersten Apple Stores eröffneten 2001. Es waren kleine Ladenlokale für den Verkauf und etwas Service. Heute, so wie im neuen Flagship Store in San Francisco, dominieren große, luftige Flächen. In der Gedankenwelt von Apple sind es die Marktplätze der digitalen Ureinwohner, auf denen es auch Konzerte, Vorführungen oder Lesungen gibt. Ein Stück Pizza aus der patentierten Box wäre da nicht schlecht.

Am Wochenende zitierte „Appleinsider.com“ die für die Läden verantwortliche Managerin Angela Ahrendts bei der Eröffnung des ersten Shops in Singapur mit den Worten „Das wird ein Ort, um zusammenzukommen, so wie Starbucks.“ Die Kaffeehauskette wird gerne als das „Apple der Kaffeeindustrie“ bezeichnet und setzt 5,3 Milliarden Dollar im Quartal um.

Immer dienstags schreiben Britta Weddeling und Axel Postinett, Korrespondenten des Handelsblatts im Silicon Valley, über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Quelle:  Handelsblatt Online
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