Valley Voice: Friedhof der digitalen Kuscheltiere

Valley Voice: Friedhof der digitalen Kuscheltiere

, aktualisiert 10. Januar 2017, 14:48 Uhr
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Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

von Britta WeddelingQuelle:Handelsblatt Online

Amazon feiert den Durchbruch seiner Sprachassistentin Alexa. Ob sprechende Staubsauger oder smarter Kühlschränke: Künstliche Intelligenz wird unsere Beziehung zu den Maschinen grundlegend verändern.

Stirbt in Japan ein Haustier, werden ihm alle Ehren zuteil. Die Besitzer verbrennen die sterblichen Überreste in einer Trauerzeremonie und bestatten die Knochen in einer Urne. Seit kurzem gibt es den Service auch für Roboter wie Aibo, den Elektro-Hund von Sony.

Der Konzern programmierte das Kerlchen 1999 auf die emotionale Interaktion mit seinem Besitzer. Aibo, das japanische Wort für „Partner“, besaß Mikrofon und Lautsprecher, er reagierte auf einfache Kommandos. Wenn man so will, war Aibo eine frühe Form des digitalen Sprachassistenten, ein Vorgänger von Alexa und Co.

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2006 stellte Sony Produktion und Service ein, die Ersatzteile gingen aus, die Spielzeughunde nach und nach kaputt. Japaner, die jahrelang mit dem Roboter lebten, trauerten um den elektronischen Spielfreund wie um ein Familienmitglied und begruben ihn auf einem Friedhof.

In diesen Tagen vollzieht sich ein nicht zu unterschätzender Wandel in der Technologiewelt. Amazon feiert den Durchbruch seiner Sprachassistentin Alexa. Während der Technikmesse CES veröffentlichten Hersteller aus aller Welt über 700 verschiedene neue Anwendungen, Funktionen und Fähigkeiten, die mit Alexa zu tun hatten.

Der Übergang zur Stimme ist ein Paradigmenwechsel. Alexa, Siri oder Google Assistant werden unsere Beziehung zu den Maschinen verändern und vertiefen. Tippen ist etwas völlig anderes als sprechen, sprechen tun wir mit anderen Menschen oder Tieren, religiöse Menschen sprechen auch mit ihrem Gott.

Plötzlich bekommen Dinge eine Stimme, die früher keine hatten: der Kühlschrank, die Kaffeemaschine oder der Staubsauger. Sprechende Gegenstände kennen wir nur aus dem Animationskino oder Horrorfilmen. Weil Maschinenintelligenz beim Benutzer unter Umständen Unbehagen auslöst, bemühen sich Hersteller, einen Effekt zu vermeiden, der in der Robotik „Uncanny Valley“ genannt wird.

Je menschlicher und intelligenter eine Maschine wird, haben Wissenschaftler herausgefunden, desto mehr akzeptiert sie der Benutzer. Ab einem gewissen Punkt jedoch schlägt die Zustimmung ins Gegenteil um, die Akzeptanzkurve fällt stark ab.

C-3PO zum Beispiel, der gold-metallisch glänzende Roboter aus „Star Wars“, ahmt menschliches Verhalten ziemlich perfekt nach, ist dem Zuschauer jedoch nicht unheimlich, weil er dabei aussieht wie eine Maschine. Anders im Fall der Künstlichen Intelligenz im Film „Ex Machina“, wo die Androidin Ava auf unheimliche Weise nicht von einer menschlichen Frau zu unterscheiden ist.

Wie sehr Nutzer Sprachsteuerung und Künstliche Intelligenz in ihrem Wohnzimmer akzeptieren, wird eine der spannendsten Fragen dieses Jahres. Ob wir den digitalen Assistenten mit ähnlicher Zuneigung beglücken wie die Japaner ihren elektronischen Hund, wird vor allem das Design entscheiden.

Doch die Chancen stehen gut, dass wir uns zumindest nie mehr von einem liebgewonnenen Assistenten verabschieden müssen. Ist der eine Apparat kaputt, ließen sich Charakter und Fähigkeiten aus dem Back-up ganz einfach auf dem nächsten Apparat wiederherstellen. Unsere Haustiere könnten uns auf diese Weise sogar überleben.

Immer dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Quelle:  Handelsblatt Online
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