Valley Voice: Jetzt mal ehrlich!

Valley Voice: Jetzt mal ehrlich!

, aktualisiert 13. Dezember 2016, 18:24 Uhr
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Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

von Britta WeddelingQuelle:Handelsblatt Online

Donald Trump lädt die Führungsriege des Silicon Valley zum Gespräch. Die Manager von Google, Facebook oder Apple winden sich und schweigen – dabei stehen sich beide Seiten näher als vielleicht gedacht.

San FranciscoDieser Tage ist ein Schauspiel zu verfolgen, wie es das Publikum nicht alle Tage geboten bekommt. Für Mittwoch hat Donald Trump, gewählter Präsident der USA, die Chefs der Technologiegiganten aus dem Silicon Valley und darüber hinaus in seinen Tower nach Manhattan geladen, um mit ihnen über die Zukunft zu sprechen. Die Gästeliste liest sich wie das Who-is-Who der Branche – von Apple-Chef Tim Cook über Sheryl Sandberg, Geschäftsführerin von Facebook, Satya Nadella von Microsoft, bis hin zu Amazon-Gründer Jeff Bezos, Larry Page, CEO der Google-Mutter Alphabet, und Elon Musk von Tesla.

Und die stolzen Tech-Bosse winden sich, schweigen, kommentieren nicht. Hatten sie im Wahlkampf doch mit wenigen Ausnahmen für Rivalin Hillary Clinton Position bezogen und gegen den Republikaner Trump, der Amazon mit einem Kartellverfahren gedroht hatte und Apple dazu zwingen will, seine Produkte vornehmlich in den USA zu fertigen statt in China. 

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Dabei gäbe es durchaus einiges zu besprechen, was die Branche unmittelbar betrifft. Die Abschaffung der Netzneutralität zum Beispiel, die die Trump-Regierung vorantreiben will, die kruden Ideen zur Zuwanderungspolitik oder die Haltung zum Thema Verschlüsselung. Doch bislang ducken sich die Wirtschaftsgrößen weg. Auf den Beginn einer harten Debatte deutet das nicht gerade. Denn die Tech-Elite steht unter Schock, erkennt sie doch, dass sie sich das Problem zumindest teilweise selbst eingebrockt hat. Die Branche schwadroniert gern von der Weltverbesserung, bietet aber Menschen jenseits der eigenen Programmierstuben wenig Lösungen an. 

Die Reden der Digital-Utopisten, dass wir unser Gehirn bald in einem Computer hochladen können und damit unsterblich werden, sind überaus faszinierend. Sie erklären aber gleichzeitig, dass alles Menschliche irgendwie fehlerhaft sei und zum Wohle aller bald von Maschinen ersetzt werden müsse. Ist das eine gute Vision?

Zudem stehen sich die Valley-Ikonen und Donald Trump näher, als es sich das Valley gern eingesteht. Peter Thiel warb öffentlich für den Republikaner, Amazon-Gründer Jeff Bezos und Satya Nadella gratulierten Trump nach der Wahl vollmundig. IBM-Chefin Ginni Rometty gehört inzwischen zum wirtschaftlichen Beratergremium der Trump-Regierung und die Chefs von Oracle und Cisco signalisierten ebenfalls Kooperationsbereitschaft.


Die Symbiose aus der Vergangenheit

Warum auch nicht – steht ausgerechnet Trump doch für viele Werte, die auch das Valley vertritt. Das Recht des Stärkeren, des Schnelleren, des Besseren. Lieber später um Vergebung bitten, als vorher um Erlaubnis. Das bewusste Überschreiten von Grenzen – dieser Strategie folgen sowohl der Politiker als auch die Start-ups in Silicon Valley. 

Auch die Geschichte zeigt die enge Verknüpfung zwischen Tech-Konzernen und Politik: Der Tech-Boom Ende der 1930er-Jahre entstand auf Betreiben der US-Regierung. Die ersten Firmen siedelten sich damals rund um den US-Militärstützpunkt Moffett Field bei Mountain View an – der heutige Mieter heißt Google. Das Arpanet, ein technologischer Vorläufer des Internets, wurde mit Forschungsgeldern des Pentagons konstruiert. Frühe Valley-Firmen wie Lockheed Martin profitierten vom Technologiehunger der Nachkriegsjahre und von den Dumpingpreisen, mit denen der Staat Immobilien im Stanford-Industriepark in Palo Alto an Gründer weiterreichte. Und die Beziehungen zum Militär sind bis heute eng geblieben. 

Zum Beispiel wurde der Sprachassistent Siri, über den Millionen Menschen durch die digitale Welt navigieren, von einer Pentagon-Forschungseinheit mitentwickelt, bevor er an Apple verkauft wurde. Die ersten Rennen zwischen autonomen Autos im Jahr 2005 wurden von der regierungsnahen Defense Advanced Research Projects Agency (Darpa) initiiert.

Das Silicon Valley ist weniger unabhängig, als es uns gern glauben machen möchte. Mehr Ehrlichkeit ist dringend gefragt. Donald Trump könnte dem einzigartigen, innovativen Ökosystem, das wichtig für die ganze Weltwirtschaft ist, empfindlich schaden. Umso wichtiger, dass das Valley beim anberaumten Treffen die Werte von einer offenen aufgeklärten Gesellschaft lautstark und hörbar verteidigt.

Immer dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Quelle:  Handelsblatt Online
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