Valley Voice: Warten auf den ersten Billionär

Valley Voice: Warten auf den ersten Billionär

, aktualisiert 02. Mai 2017, 14:09 Uhr
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Axel Postinett, Korrespondent des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Der erste Mensch mit einem Privatvermögen in Höhe von einer Billion US-Dollar steht in den Startlöchern. Daran gibt keine Zweifel. Hervorbringen wird ihn die Tech-Industrie – aber nicht das Silicon Valley.

San FranciscoEine ganz normale Woche in Kalifornien. Elon Musk schießt einen Satelliten ins All und die Rakete kommt brav zurück in den Raumhafen. Das ermutigt ihn jetzt, einen Tunnel unter Los Angeles zu graben, in denen Autos auf Schwebekissen quer durch die Stadt rasen. Die Autos kommen durch Aufzüge nach unten und oben. Fast niemand hätte gedacht, dass der gute, alte Elbtunnel von Hamburg dem Silicon Valley einmal als Vorbild dienen wird. Mark Zuckerberg baut derweil auf seiner Goodwill-Tour durch Amerika in Michigan bei Ford Pick-up-Lastwagen zusammen und fährt in Wisconsin Traktor, um wieder mit dem richtigen Leben in Kontakt zu kommen.

So richtig vermisst ihn auch gerade niemand hier, Facebook brummt, aber er ist auch noch nicht groß und wichtig genug, um in das ultimative Rennen dieser Tage einzugreifen. Marc Cuban, selber Tech-Multimilliardär, sagt voraus, dass der erste waschechte Billionär – das ist eine 1 mit zwölf Nullen – aus der gerade erst beginnenden Welt der künstlichen Intelligenz entspringen wird. Bislang gehen Analysten und Mathematiker davon aus, dass Bill Gates irgendwann in den 2040er-Jahren der erste Billionär sein wird, einfach, weil er sein Geld nicht schnell genug ausgeben kann. Es ist sozusagen gar nicht zu verhindern, obwohl er immer noch 915 Milliarden Dollar braucht.

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Allerdings könnte er tatsächlich doch auf dem zweiten Platz landen. Der Nettowert des Vermögens von Amazon-Chef Jeff Bezos liegt aktuell nur noch rund fünf Milliarden Dollar unter dem von Gates, und was hat ihn dahin gebracht? Die Cloud-Computing-Tochter AWS, die Rechenleistung, Speicher und Software für Unternehmen im Internet anbietet. Auch Datenanalyse und künstliche Intelligenz hat der Konzern im Programm. Das sind übrigens auch die Zutaten, die Microsoft wieder auf die Überholspur gebracht haben. Cloud, Big Data und künstliche Intelligenz.

Es ist schon fast ein Treppenwitz des Silicon Valleys, dass Außenseiter und Branchenfremde jetzt um die ultimative Krone im Technologie-Olymp streiten. Bezos, der Buch- und Plattenverkäufer, und Bill Gates, vertreten durch Microsoft-Chef Satya Nadella, der immer im ruhigen Seattle im Bundesstaat Washington geblieben ist, stets in angemessener Entfernung zum Hexenkessel zwischen San Francisco und San José.

Die Lokalmatadore hingegen fallen langsam zurück. Larry Ellison, der gezeigt hat, wie man mit einer der langweiligsten Technologien der Welt – relationale Datenbanken – zu einem der reichsten Menschen der Welt aufsteigen kann. Larry Page und Sergey Brin, die Google-Gründer, die die Welt verändert haben. Trotzdem sind sie immer noch nicht weitergekommen, als eine Werbefirma zu leiten. Außer Werbeeinnahmen gibt es nichts Relevantes im Hause Alphabet.

Google-Chef Sundar Pichai wird sich bohrende Fragen anhören müssen. Das Cloud-Geschäft und die Künstliche Intelligenz sind der Datenfirma Google praktisch wie auf den Leib geschneidert. Das ist das zweite Standbein, nachdem gesucht wird. Und doch sind drei Vorstöße bislang kläglich gescheitert.

Während also das Silicon Valley den Kampf um den reichsten Menschen der Welt praktisch schon verloren hat, ist es doch zumindest ein Sieg der Technologie über die Wall Street. Niemand glaubt ernsthaft, ein Hedgefonds-Manager, ein „Wolf der Wall Street“ oder ein Anleihehändler im Nach-Brexit-London wird noch einmal in das Rennen eingreifen können. Selbst die Familie Walton – so reich sie auch ist – wird mit Walmart den Milliardärsstatus kaum noch verlassen.


Der Kampf der Hyperreichen

Da bleibt nur ein Joker im Spiel: Elon Musk. Mit Tesla wird er in den Kampf der Hyperreichen nicht mehr eingreifen können. Dafür musste er zu viele Aktien auf dem Weg abstoßen, um das lecke Schiff immer wieder über Wasser halten zu können. Ihm wird der Ruhm bleiben, eine ganze Industrie aufgeschreckt zu haben.

Aber bei SpaceX, seiner Raumfahrt-Gesellschaft ist das etwas anderes. Hier hat er keinen Markt aufgerüttelt. Er hat ihn erschaffen, er hat das Ende des Mondfahrt-Programms der USA analysiert, sich angeschaut, was das Ende des Space-Shuttle bedeutet hat und was sich ändern muss, damit aus der subventionierten Abenteuerraumfahrt ein Business wird, bis hin zur Besiedelung des Planeten Mars.

Oxfam, eine Gesellschaft, die sich der Armutsforschung verschrieben hat, rechnet vor, dass Bill Gates im Alter von 86 die Billion vollhaben wird, wenn er seinen Vermögenszuwachs von elf Prozent im Jahr beibehalten kann. Ob es uns passt oder nicht: Jeder sollte sich mit dem Gedanken anfreunden, dass es bald einen Menschen geben wird, der eine Billion Dollar Privatvermögen sein Eigen nennt. Es ist nur noch eine Frage der Zeit und, ob man in der richtigen Industrie ist.

Außer in der Technologiebranche ist bislang kein anderer Anwärter in Sicht. Im Silicon Valley muss man dafür aber nicht mehr sitzen. Immerhin kommen schon jetzt drei der sieben größten Cloud-Anbieter der Welt aus China. Alibaba, Tencent, Baidu – und China Telecom ist auf dem Sprung. Mit jedem abgelehnten Einwanderungs-Visum in die USA fällt das Valley einen weiteren Schritt zurück.

Immer dienstags schreiben Britta Weddeling und Axel Postinett, Korrespondenten des Handelsblatts im Silicon Valley, über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Quelle:  Handelsblatt Online
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