Valley Voice: Warum das Silicon Valley Werner Herzog liebt

Valley Voice: Warum das Silicon Valley Werner Herzog liebt

, aktualisiert 26. April 2016, 13:43 Uhr
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Das Silicon Valley liebt den deutschen Anti-Hollywood-Regisseur.

von Britta WeddelingQuelle:Handelsblatt Online

Der deutsche Filmemacher Werner Herzog ist der Liebling der US-Techszene. Sein neues Werk „Lo and Behold: Reveries of the Connected World“ ist eine provokative Reise durch die vernetzte Welt.

Wussten Sie, dass das Silicon Valley Werner Herzog verehrt? Ja, und zwar vor allem wegen seines starken deutschen Akzents. Die meisten Deutschen wollen keine Deutschen mehr sein, wenn sie im Ausland wohnen. Er nicht. Cool.

Ein deutscher Akzent kann nützlich sein. Ich solle bloß nicht versuchen, perfekt Englisch zu sprechen, riet mir jüngst ein Journalist – als wäre ausgerechnet das mein Problem. So würden die Leute aus der Tech-Industrie mir alles sehr viel ausführlicher erklären.

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Bei Herzog ist es noch komplizierter. Sehr oft erklärt er, der Anti-Hollywood-Regisseur, den Leuten aus der Techbranche die Welt. So wie letztens, als er behauptete, Twitter sei dumm, er habe noch nie etwas Interessantes dort entdeckt. Oder als er Nachwuchsregisseure aufrief, sich bei Facebook abzumelden.

Der Kinosaal war ausverkauft, als Herzogs neuer Film in San Francisco Premiere feierte, mitten im Szeneviertel Castro. Es war, als ob die gesammelte Silicon-Valley-Elite nur auf den nächsten Coup des sehr deutschen, sehr schrägen Intellektuellen gewartet hätte.

Und der Film erfüllte die Erwartungen. „Lo and Behold: Reveries of the Connected World“, eine Dokumentation in zehn Kapiteln, untersucht die vernetzte Welt in einer so intelligenten wie provokativen Weise. Herzog „reverse-engineert“ das Internet.

Eine Stimme mit starkem deutschen Akzent erzählt die Geschichte: von den frühen Tagen, als Wissenschaftler der University of California in Los Angeles die erste Verbindung zwischen zwei Rechnern herstellten, bis in die Zukunft, in der wir alle möglicherweise auf dem Mars leben.

Herzogs Dokumentation zeigt Menschen, die vor allem an die positiven Seiten von Technologie glauben, wie die Wissenschaftler der Carnegie Mellon University, in sehr niedlicher Weise überzeugt, ihre Roboter werden menschliche Fußballspieler im Jahr 2050 besiegen, und Sebastian Thrun, Pionier des selbstfahrenden Autos.


Elon Musk und seine Alpträume

Er lässt aber auch jene mit den negativen Erfahrungen zu Wort kommen, wie die leicht durchgeknallten Einwohner einer Post-Hippie-Kolonie im Niemandsland ohne Handynetz oder Internetverbindung, oder die Eltern von Nicole Catsouras, einem 18-jährigen Mädchen, das 2006 bei einem Autounfall starb.

Minuten nach dem Crash tauchten Fotos des zerhackten Körpers im Netz auf und verbreiteten sich rasant, die Eltern konnten es nicht verhindern – eine traumatische Erfahrung für die Familie. Der Vorfall überzeugte Mrs. Catsouras, die Herzog eingesperrt zwischen Gebäck und Porzellan in ihrer Vorstadt-Küche inszeniert, das Internet sei „eine Erscheinungsform des Anti-Christ“.

„Lo and Behold“ zeichnet ein intimes Bild von der digitalen Welt, immer dann stark, wenn man sieht, wie schnell Gedanken im Kopf eines Protagonisten rasen können – und nicht Roboter, Autos oder Raketen. Etwa bei Elon Musk, Gründer von Tesla und SpaceX, der einfach nur dasitzt, für eine halbe Ewigkeit, schweigend, nachdenklich, bevor er es aus ihm herausbricht: „Ich erinnere mich nicht an meine guten Träume. Nur an die Alpträume."

Herzog gibt dem Silicon Valley Perspektive. Ich meine das gar nicht wertend. Eher ist es so, dass es für die US-Westküste, wo alles so unglaublich schnell geschieht – das Gründen und Wachsen, der Erfolg – besonders wichtig ist, stillzuhalten und zuzuhören, wenn auch nur für einen kleinen Moment.

There is also an English version of this column.

Immer dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin für die Themen Internet und Netzwirtschaft des Handelsblatts im Silicon Valley, über die neusten Trends und kleinen Kuriositäten im Tal der Nerds.

Quelle:  Handelsblatt Online
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