Valley Voice: Zuckerberg klont sich Snapchat

Valley Voice: Zuckerberg klont sich Snapchat

, aktualisiert 21. Februar 2017, 08:45 Uhr
Bild vergrößern

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

von Britta WeddelingQuelle:Handelsblatt Online

Kurz vor dem Börsengang seines ärgsten Konkurrenten Snap baut Facebook-Chef Mark Zuckerberg den zum Unternehmen gehörigen Dienst WhatsApp komplett um. Die Änderungen könnten den Newcomer empfindlich treffen.

Wenn man im Silicon Valley über die deutsche Digitalszene spricht, dann geht es sehr oft um die Samwer-Brüder. Deren Start-up-Schmiede Rocket Internet aus Berlin könne nichts anderes als Ideen anderer Leute kopieren und stehlen, lautet der Vorwurf. Innovation und andere Eigenleistungen seien rar gesät, von der an der Westküste angeblich so dauerhaft gegenwärtigen „Disruption“ ganz zu schweigen.

Geht es freilich ums Überleben, greifen Valley-Vordenker doch zur Kopiermaschine. Aktuelles Beispiel: Mark Zuckerberg. Bislang hat der Facebook-Chef kein Werkzeug gegen seinen Konkurrenten Evan Spiegel, den Gründer von Snapchat, gefunden. Das soll nun anders werden. Der zum Unternehmen gehörige Dienst WhatsApp veröffentlicht einen Snapchat-Klon, der das Wachstum des Newcomers empfindlich dämpfen könnte.

Anzeige

Künftig können WhatsApp-Nutzer über einen neuen Tab mit Kommentaren und Emojis versehene Bilder, Videos oder die „Gif“-Grafikanimationen auf einer Art Pinnwand veröffentlichen. Die Inhalte verschwinden nach 24 Stunden von selbst. Eine entsprechende Funktion führte Zuckerberg zwar bereits im August 2016 für Instagram ein. Doch anders als diese „Stories“ sind die Posts von „WhatsApp Status“, wie alle übrigen Inhalte der Plattform, Ende-zu-Ende verschlüsselt.

Die Funktion wird nun für Nutzer weltweit ausgerollt. Die Änderung könnte Snapchat empfindlich treffen, Denn sie greift die Eigenschaften im Kern ab, mit denen sich die App bisher so erfolgreich von Facebook abgegrenzt hat.

Während bei Facebook jedes Bild gespeichert wird, jeder Kommentar, jede Peinlichkeit für immer sichtbar bleibt, es sei denn der Nutzer löscht es aktiv, können auf Snapchat Beiträge, die älter als einen Tag sind, ganz automatisch nicht mehr abgerufen werden. Das führt dazu, dass Nutzer unfertige und authentischere Bilder von sich zeigen. Seit heute gibt es diese Funktion auch bei WhatsApp, das besonders bei jungen Nutzern beliebt ist.


Werbekunden setzt auf „elternfreie Zone“

Snapchat gehört zu den wichtigsten Aufsteiger der Tech-Szene. Der Dienst ist besonders bei den für Werbekunden so attraktiven Nutzern zwischen 18 und 34 Jahren beliebt, gilt er doch im Gegensatz zu Facebook als „elternfreie Zone“. Derzeit hat der Dienst 158 Millionen Nutzer. An der Wall Street will das Unternehmen Snap eine Bewertung von zwischen 19,5 und 22,2 Milliarden Dollar erreichen. Es wäre der größte Tech-Börsengang seit dem chinesischen Onlineriesen Alibaba im September 2014.

Entscheidend für die Zukunft von Spiegels Unternehmen wird sein, das Flüchtige auch attraktiv für Werbekunden zu machen. Die können bislang Filter oder Linsen sponsern und Videowerbung einstellen. Doch lassen sich Inhalte, die sofort wieder verschwinden, nicht ohne weiteres monetarisieren.

Nach eigenen Angaben fuhr das Snap vergangenes Jahr Verluste in Höhe von 514 Millionen Dollar ein und warnte Investoren im aktuellen Börsenschreiben davor, aufgrund weiterer geplanter Investitionen auch künftig auf absehbare Zeit nicht profitabel zu sein.

Bei Technologieunternehmen im Valley gehören ausbleibende Gewinne inzwischen allerdings zum guten Ton. Jeff Bezos, Gründer von Amazon, verärgert Aktionäre regelmäßig mit der Ankündigung, erwirtschaftete Gewinne sofort zu reinvestieren. Der Fahrdienst Uber, mit einer Bewertung von 68 Milliarden Dollar das wertvollste Start-ups der Welt, verbrannte allein im vergangenen Jahr drei Milliarden Dollar.

Mark Zuckerberg hatte 2013 versucht, Snap für drei Milliarden Dollar zu übernehmen, wie zuvor WhatsApp und Instagram, doch Spiegel lehnte das Angebot ab. Stattdessen beantragte er vergangenen November die Börsenzulassung. Jetzt könnte Zuckerberg auf billigerem Wege sein eigenes Snapchat bekommen.

Immer dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%