Vatikanbank: Gottes Geld und Franziskus‘ Kontrolle

Vatikanbank: Gottes Geld und Franziskus‘ Kontrolle

, aktualisiert 29. April 2016, 07:00 Uhr
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Die skandalbehaftete Vatikanbank reformiert sich derzeit.

von Regina KriegerQuelle:Handelsblatt Online

Einst hatten Topmanager der Vatikanbank Millionen von Euro veruntreut. Die Kirche ist noch immer mit der Aufarbeitung der Skandale beschäftigt. Jetzt zeigt ein Bericht der vatikanischen Finanzaufsicht erste Fortschritte.

RomGenau 544 Fälle von suspekten Finanztransaktionen wurden im vergangenen Jahr im Vatikan aufgespürt. Der Transfer von mehr als acht Millionen Euro und rund 1,7 Millionen US-Dollar wurden gestoppt, sieben Millionen Euro und 650 000 US-Dollar eingefroren. Das ist die Bilanz der Finanzaufsicht des Vatikans (AIF), die am Donnerstag in Rom ihren vierten Jahresbericht vorstellte.

Damit war im Jahr 2015 die Zahl der suspekten Geschäfte fast viermal so hoch wie ein Jahr zuvor. „Doch der enorme Anstieg ist nicht wegen eines Anstiegs der Kriminalität geschehen, sondern weil das Meldungssystem gestärkt wurde“, sagte Tommaso Di Ruzza, Direktor der Finanzaufsicht.

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Denn im Jahr 2015 wurden Steuerabkommen des Vatikans mit der Republik Italien und den USA geschlossen. Nun arbeitet der Vatikan mit 27 Staaten bei der Finanzaufsicht zusammen und tauscht Daten aus. Die AIF gehört seit 2013 dem Netzwerk der „Egmont-Gruppe“ an, in der 153 Kontrollinstitutionen weltweit den Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung koordinieren.   

Doch AIF-Präsident René Brülhart gab sich bescheiden bei der Vorstellung des 27-Seiten-Reports auf edlem Büttenpapier: „Wir arbeiten intensiv seit 36 Monaten und sind jetzt in einer Konsolidierungsphase“. Bisher sei es darum gegangen das Kontrollsystem ans Laufen zu bringen. „Man muss die richtigen Instrumente haben und auf die internationalen Standards schauen, aber die Qualität unserer Arbeit ist gut“, sagte er.

Auch wenn Di Ruzza und Brülhart auf gezielte Fragen nach Details wie zum Verhältnis zur italienischen Notenbank ausweichend antworteten, ist der neue Wind im Vatikan zu spüren. Bis vor zwei Jahren noch hatten Skandale um die Vatikanbank IOR die Schlagzeilen weltweit bestimmt und den Vatikan in den Verdacht von Geldwäsche und Korruption gerückt. Bilanzen wurden nie veröffentlicht, keine Zahlen drangen nach außen, alles blieb geheim.

Dann wurden Priester und Laien verdächtigt und aus ihren Ämtern entfernt, ein Bischof bei dem Versuch verhaftet, Bargeld in die Schweiz zu bringen. Jetzt steht die Vatikanbank IOR unter der Aufsicht der AIF. Die Analyse der Konten sei abgeschlossen, sagte Di Ruzza. „Im Oktober 2015 war die Revision beendet und 4800 Konten wurden geschlossen.“

Transparenz bleibt das oberste Gebot von Papst Franziskus. Schon gleich nach Amtsantritt 2013 machte das Oberhaupt der Katholischen Kirche die Durchforstung der Finanzen des Vatikans zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit. Inzwischen arbeitet neben der Finanzaufsicht ein eigenes Sekretariat für Wirtschaftsfragen im Vatikan, flankiert von einem Wirtschaftsrat, an dessen Spitze der deutsche Erzbischof Reinhard Kardinal Marx steht. Die Finanzaufsicht AIF hatte Papst Benedikt XVI. schon 2010 ins Leben gerufen.   

In Rom macht machen in diesen Tagen jedoch Spekulationen die Runde, die von Kräften im Vatikan berichten, die die Reformarbeit des Papstes behindern wollen. Das Gerücht geht um, dass der Vatikan den Beratungsvertrag mit der renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC überraschend ausgesetzt hat. Die externen Prüfer sollten Zugang zu allen Behörden im Vatikan bekommen und die Bilanzen prüfen. Vatikan-Insider vermuten Machtkämpfe hinter den Kulissen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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