Verbraucherkredite: Deutsche kaufen auf Pump wie nie

Verbraucherkredite: Deutsche kaufen auf Pump wie nie

, aktualisiert 21. April 2016, 14:42 Uhr
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Banknoten: Die Deutschen kaufen immer mehr auf Pump

Quelle:Handelsblatt Online

Die Kreditbanken wachsen so stark wie zuletzt im Jahr der Abwrackprämie. Immer häufiger werden Darlehen online abgeschlossen. Minuszinsen auf Kredite – das bleibt allerdings ein Wunschgedanke.

FrankfurtDie deutschen Konsumenten und Unternehmen 2015 mehr Kredite genutzt als im Vorjahr. Insgesamt 159,3 Milliarden Euro hatten die rein auf das Kreditgeschäft spezialisierten Banken, die im Bankenfachverband Mitglied sind, verliehen.

„Die Kreditbanken haben einen neuen Höchstwert erreicht und sind mit einem Bestandsplus von 6,8 Prozent so stark gewachsen wie zuletzt im Jahr der Abwrackprämie - diesmal allerdings ohne staatliche Konjunkturspritze“, erklärte Jan Wagner, Vorsitzender des Verbandes und gleichzeitig Chef der Credit Plus am Donnerstag in Frankfurt.

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Der Grund für das Wachstum ist die gestiegene Nachfrage nach Krediten. So sei der private Konsum um zwei Prozent gewachsen, während Unternehmen fünf Prozent mehr in Maschine, Anlagen und Fahrzeuge investiert haben. „Die niedrigen Zinsen sind dafür jedoch nicht der ausschlaggebende Faktor, sondern die gute Konjunktur“, betonte Wagner.

Gleichwohl drücken die niedrigen Zinsen genau wie der zunehmende Wettbewerb durch Vergleichsportale auf die Margen der Banken, räumte Wagner ein, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Kompensiert würden die sinkenden Margen allerdings durch die gegenwärtig entspannte Risikosituation. „Rund 98 Prozent der Verbraucherkredite werden ordnungsgemäß bedient“, sagte Wagner.

Darlehen zu negativen Zinsen bleiben jedoch – trotz Aufsehen erregender Werbeaktionen wie zuletzt beim Möbelhaus Who's perfect – weiter Zukunftsmusik. Zu den Refinanzierungskosten der Banken kämen noch Personal- und Verwaltungskosten. „Für einen negativen Kreditzins müsste das Zinsniveau noch deutlich weiter sinken“, erklärte Wagner.


Klarna, Paypal und Co. mit Wettbewerbsvorteil

Das wichtigste Wachstumsfeld sind Online-Darlehen. Allein im vergangenen Jahr haben die Kreditbanken 5,8 Milliarden Euro über das Netz an private Haushalte verliehen - ein Plus von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und der stärkste Zuwachs über alle Geschäftsbereiche hinweg. „Je stärker die Absatzmärkte ins Internet wandern, desto eher erwarten Verbraucher dort auch Finanzierungsoptionen“, so Wagner.

Hier sehen sich die Geldhäuser jedoch gegenüber Fintechs und ausländischen Anbietern benachteiligt. Denn selbst für kleine Beträge kann der Kreditvertrag nicht mit wenigen Klicks online abgeschlossen werden, sondern bedarf der Schriftform und einer Identifikation nach dem Geldwäschegesetz. Während Verbraucher im Netz vom Sofa aus Computer oder Möbel kaufen können, muss der Online-Prozess für den Finanzierungsvertrag unterbrochen und als Papier versendet werden. „Dies ist ein echter Hemmschuh in Zeiten des elektronischen Geschäftsverkehrs“, kritisiert Wagner.

Die Banken bemühen sich bereits, den Prozess zu vereinfach, indem sie das Videoindent-Verfahren anbieten, bei dem sich der Kunde per Webcam identifizieren kann und nicht mehr zur nächsten Post muss. Ab Juli wird zudem europaweit eine einheitliche elektronische Signatur eingeführt werden, mit der Kunden auch Kreditverträge elektronisch unterschreiben können. Trotzdem bleibt der Prozess dem Verband zufolge zu kompliziert.

Stein des Anstoß sind Angebote von Händlern zum Ratenkauf. Sie arbeiten mit alternativen Zahlungsanbietern wie Finanz-Technologie-Firmen wie Klarna, Billpay oder Billsafe zusammen. Auch der Online-Bezahlriese Paypal bietet in einigen Ländern bereits einen Ratenkauf an. Rein rechtlich handelt es sich bei den Angeboten nicht um einen Verbraucherkredit. Daher darf der Kunde dieses Geschäft ganz einfach per Mail abschließen.

Bisher finanziert die Masse der Kunde auch Onlinekäufe noch über die Kreditbanken, doch Klarna und Co. gewinnen Marktanteile.

Quelle:  Handelsblatt Online
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