Verbraucherschutz: Warum Tabak und Zucker Regeln brauchen

Verbraucherschutz: Warum Tabak und Zucker Regeln brauchen

, aktualisiert 20. Mai 2016, 16:12 Uhr
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Die bisherigen Regelungen reichen nicht aus, um gegen die zunehmende Verfettung der Menschen in den westlichen Überflussgesellschaften anzugehen.

von Christoph KapalschinskiQuelle:Handelsblatt Online

Die EU erzwingt Schockfotos auf Zigarettenschachteln, die USA führen Zuckerangaben bei Softdrinks und Lebensmittel ein. Das ist weniger Regulierungswahn als eine Hilfe für den mündigen Verbraucher. Ein Kommentar.

HamburgSelten bekommt eine Branche so schnell Bestätigung: Vor der Einführung von Schockbildern auf Zigarettenschachteln warnt die Tabakbranche unisono, dass bald auch andere Branchen ins Visier der Verbraucherschützer weltweit geraten würden.

Nun ist es so weit. Am selben Tag, an dem die Schockbilder kommen, wird bekannt, dass die US-Gesundheitsbehörde FDA der Lebensmittelbranche vorschreiben wird, den Anteil an zugesetztem Zucker künftig auf den Verpackungen auszuweisen. Das soll im Kampf gegen das Übergewicht helfen, den die Obama-Regierung vorantreibt.

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Geraten die westlichen Demokratien in einen Regulierungswahn? Tabak- und Lebensmittelkonzerne argumentieren, den Verbrauchern heute seien die Risiken ihrer Produkte bewusst. Sie könnten daher schon bislang eine bewusste Wahl treffen. Weitere Regelungen seien daher unnötige Eingriffe.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Die Werbemillionen der Industrie fließen schließlich nicht in Aufklärungskampagnen, sondern in Markenbildung. Und die lebt nun einmal von der schönen Illusion. Erst die Regulierung zwang die Tabakbranche, von den Werbeaussagen der 1950er- und 1960er-Jahre abzuweichen, die Rauchen sogar als gesundheitsförderlich darstellte. Noch das HB-Männchen bewarb Zigaretten als Mittel, den Alltag cool durchzustehen.

Sicher ist die Lage bei Tabak ernster als bei Zucker. Schließlich macht Nikotin abhängig, so dass der Gesundheitsschutz vor allem verhindern muss, dass Nichtraucher Gefallen an Zigaretten finden. Doch das aktuelle Verhalten der Lebensmittelbranche zeigt, dass die bisherigen Regelungen nicht ausreichen, um gegen die zunehmende Verfettung der Menschen in den westlichen Überflussgesellschaften anzugehen.


Vorstöße gehen in die richtige Richtung

Noch immer sind zum Beispiel als „weniger süß“ beworbene Müslis von Kölln und Oetker erheblich gezuckert. Einige Hersteller nehmen sogar die zwischenzeitlich freiwillig groß auf der Vorderseite angebrachten Kalorienangaben wieder zurück – etwa Bahlsen beim Relaunch seiner Butterkeks-Schachteln.

Der Vorstoß der US-Regierung gegen Zuckerzusätze geht daher ebenso wie die Schockbilder auf Tabakschachteln in die richtige Richtung. Seitdem Restaurants und Coffee-Shops in New York Kalorienangaben auf Speisekarten und Preisschildern zeigen müssen, greifen die Menschen dort öfter zu gesunden Alternativen. Das zeigt: Oft wissen die Konsumenten gar nicht wirklich, wie kalorien- und zuckerhaltig ein bestimmtes Produkt tatsächlich ist. Das zeigt oft schon ein Selbsttest in einer New Yorker Starbucks-Filiale.

Der eingeschlagene Weg der Regulierer ermutigt die Hersteller, Alternativen zu entwickeln. Alle Tabakkonzerne erproben risikoärmere Varianten – von E-Zigaretten bis zu Tabak-Verdampfern. Coca-Cola bringt kalorienreduzierte Alternativen wie die mit Stevia gesüßte Coca-Cola Life, ebenso Pepsi.

Zugleich verzichten die Gesetzgeber auf harte Produkt-Verbote. Diejenigen Verbraucher, die nicht auf ihre Gesundheit achten wollen, werden also nicht eingeschränkt. Den Hersteller ist der Eingriff in die Werbefreiheit zuzumuten, denn er ist bei 700.000 Tabak-Toten jährlich in der EU und hohen Gesundheitskosten durch Übergewicht verhältnismäßig.

Quelle:  Handelsblatt Online
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