Vergleich mit US-Justiz: Deutsche Bank einigt sich im US-Hypothekenstreit

Vergleich mit US-Justiz: Deutsche Bank einigt sich im US-Hypothekenstreit

, aktualisiert 23. Dezember 2016, 08:05 Uhr
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Den Verhandlungspoker um einen Vergleich starteten die US-Behörden mit einer Forderung von 14 Milliarden Dollar. Die Aktie von Deutschlands größtem Geldhaus brauch in der Folge auf ein Allzeittief von unter zehn Euro ein. Mittlerweile hat sich der Kurs wieder erholt.

von Michael Maisch und Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Zu Beginn verlangten die Behörden 14 Milliarden Dollar. Im US-Hypothekenstreit erzielte die Deutsche Bank nun einen Vergleich mit niedrigerer Strafzahlung. Doch auch die könnte Investoren zufolge „gefährlich“ werden.

FrankfurtDer Schreck war groß, als im September durchsickerte, dass die US-Behörden im Hypothekenstreit mit der Deutschen Bank den Verhandlungspoker um einen Vergleich mit einer Forderung von 14 Milliarden Dollar eröffnet hatten. Der Aktienkurs brach ein, bis auf ein Allzeittief von unter zehn Euro. Damals war Deutschlands größtes Geldhaus an der Börse nur noch 18 Milliarden Euro wert. Inzwischen hat sich der Kurs allerdings wieder erholt. Die Aktie notierte zuletzt bei 17,75 Euro.

Einer der Gründe dafür war die Hoffnung auf eine deutlich mildere Strafe. Die hat sich nun erfüllt – zumindest teilweise. In der Nacht auf Freitag gab die Deutsche Bank einen Vergleich mit dem US-Justizministerium bekannt. Mit einer Strafzahlung von 3,1 Milliarden Dollar legt das Geldhaus seinen Hypothekenstreit in den USA bei. Zudem stellen die Frankfurter 4,1 Milliarden Dollar für Kundenentschädigungen in den USA zur Verfügung. Dieses Geld soll unter anderem für Anpassungen bei Kreditbedingungen genutzt werden.

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Die Gesamtbelastung von über sieben Milliarden Dollar ist zwar erheblich niedriger als zunächst gefordert, liegt aber deutlich über der Summe, die Finanzkreise noch im September als realistisch angesehen hatten. Damals hatte Bankchef John Cryan sich sehr entschieden geäußert und deutlich gemacht, dass 14 Milliarden auf keinen Fall angemessen seien.

Die Deutsche Bank muss auch mehr als Goldman Sachs bezahlen – die US-Bank einigte sich im April auf ein Paket von fünf Milliarden Dollar. Andere US-Banken wie JP Morgan und Bank of America wurden dagegen zuvor schon mit zweistelligen Milliardenbeträgen zur Kasse gebeten.

Nach Aussage der Deutschen Bank wird die Strafzahlung von 3,1 Milliarden das Ergebnis des vierten Quartals 2016 um 1,16 Milliarden Dollar drücken. Die Gewinnbelastung durch die Kundenentschädigungen sei noch nicht abzusehen und hänge von Details der Einigung ab, die noch ausgehandelt werden müssen, heißt es.

Die Bank rechnet damit, dass diese 4,1 Milliarden Dollar gestreckt über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren fällig werden. Im Jahr 2013 hatte das Geldhaus bereits 1,9 Milliarden gezahlt, weil es mit faulen Immobilien die staatlichen Baufinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac geschädigt hatte.

Nach Daten von Bloomberg hat die Deutsche Bank seit 2008 bisher bereits rund neun Milliarden an Strafen und an Schadenersatz aus verschiedenen Gründen bezahlt. Andere Banken haben allein im Zusammenhang mit faulen Immobilienkrediten demnach insgesamt rund 44 Milliarden gezahlt. Mit Barclays ist dem Justizministerium in dieser Angelegenheit offenbar keine Einigung gelungen. Wie heute bekannt wurde, will die Behörde die Briten verklagen, was ein ungewöhnlicher Weg ist.

Die Hypothekenkrise lähmte die Bank in einer kritischen Phase, denn solange die Unsicherheit über die größten Rechtsrisiken nicht aus dem Weg geschafft war, konnten und wollten Vorstandschef Cryan und seine Kollegen nicht die dringend erwartete Adjustierung der Strategie festzurren.

Seit Wochen arbeitet der Vorstand hinter verschlossenen Türen an verschiedenen Optionen. Dazu gehören nach Informationen aus Finanzkreisen neben einer möglichen Reintegration der eigentlich zum Verkauf stehenden Tochter Postbank auch ein Teilrückzug aus dem US-Markt und im absoluten Notfall der Verkauf von Tafelsilber wie dem Asset Management.


Größte Sorge der Investoren ist die dünne Kapitaldecke

Bereits klar ist, dass die Investmentbanker ihre Risiken weiter nach unten fahren und vor allem die Komplexität ihres Geschäfts weiter reduzieren sollen. Statt teurer und kapitalintensiver maßgeschneiderter Lösungen schwebt Cryan eine Art Baukastensystem vor. Außerdem wird sich das Geldhaus wohl noch aus einer Reihe kleinerer Märkte zurückziehen. Im Handel hat die Bank bereits ihre Beziehungen zu rund 3400 Klienten gekappt, weil die Geschäfte mit diesen Kunden nicht genug abwarfen.

Die größte Sorge der Investoren ist die vergleichsweise dünne Eigenkapitaldecke der Deutschen Bank, die Ende des dritten Quartals bei 11,1 Prozent lag. Seither hat die Bank den seit langem geplanten Verkauf der chinesischen Beteiligung Huaxia unter Dach und Fach gebracht und prognostiziert, dass die harte Eigenkapitalquote dadurch auf 11,6 Prozent klettern wird.

Bis Ende 2018 will Cryan allerdings eine Quote von 12,5 Prozent erreichen, und viele Investoren zweifeln, dass die Frankfurter das aus eigener Kraft schaffen. Die Analysten der Citigroup schätzen die Kapitallücke auf rund 1,7 Milliarden Euro. Außerdem hat Cryan den Investoren bis in zwei Jahren eine Verschuldungsquote von vier Prozent versprochen, hier beziffern die Analysten die Lücke sogar auf 6,5 Milliarden Euro.

Die Angst vor einer weiteren Kapitalerhöhung war einer der wichtigsten Gründe für den massiven Kursrutsch im Herbst. Seit der Finanzkrise hat das Geldhaus knapp 24 Milliarden Euro bei den Aktionären eingesammelt. Davon gingen allerdings inklusive des Hypothekenvergleichs wieder 19,36 Milliarden Euro für die Aufarbeitung der Skandale der Vergangenheit verloren.

Der größte Aktionär, die Herrscherfamilie des Emirats Katar, hat bereits signalisiert, dass sie ihr Engagement von rund zehn Prozent bei der Deutschen Bank als langfristiges Investment sieht und bereit wäre, bei einer Kapitalerhöhung mitzuziehen. Bislang hat Cryan aber stets betont, dass er kein frisches Geld von den Aktionären brauche.

Die Bank stand unter enormen Zeitdruck

Ende des dritten Quartals hatte die Bank für sämtliche Rechtsstreitigkeiten 5,9 Milliarden Euro zur Seite gelegt, weitere 1,7 Milliarden Euro für weniger wahrscheinliche Strafen, so genannte Eventualverbindlichkeiten. Für den Hypothekenstreit sind Insidern zufolge etwa 2,5 bis drei Milliarden Euro reserviert. Nach Einschätzung eines Großinvestors der Bank würde jede zusätzliche Milliarde Dollar an Strafen, für die es keine Rückstellungen gibt, das Kapital mit rund 0,25 Prozentpunkten belasten.

Die Analysten von Barclays hatten zunächst eine Buße von rund vier Milliarden Dollar prognostiziert, waren zuletzt aber davon ausgegangen, dass das Geldhaus noch einmal 1,5 Milliarden Euro zusätzlich für Rechtsrisiken beiseitelegen muss. Nach Einschätzung der Ratingagentur Moody‘s hätte die Bank eine Hypothekenstrafe von fünf bis sechs Milliarden Dollar zur Not ohne Kapitalerhöhung verkraften können. Die jetzige Summe über mehr als sieben Milliarden Dollar könnte aus Sicht eines Top-Investors allerdings „gefährlich“ für das Geldhaus werden.

Die Bank stand unter enormen Zeitdruck, weil es nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Donald Trump am 20. Januar zu personellen Änderungen im US-Justizministerium kommen wird. Wäre bis dahin keine Einigung erzielt worden, hätte sich ein Vergleich noch mehrere Monate lang hinziehen können. Für die Aktionäre der Deutschen Bank eine Horrorvorstellung.

Aber auch nach dem Hypothekenvergleich schwebt noch ein unberechenbares Rechtsrisiko über der Bank. In Russland soll das Geldhaus mit dubiosen Aktiendeals seinen Kunden dabei geholfen, haben Milliarden außer Landes zu schaffen. Da es für diesen Geldwäscheskandal keine Präzedenzfälle gibt, lässt sich auch die Höhe der Strafe kaum prognostizieren. Intern sogt die Russlandaffäre für beinahe so viel Nervosität wie die Hypotheken.

Quelle:  Handelsblatt Online
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