Vergleichsportal: Richterin checkt Check24

Vergleichsportal: Richterin checkt Check24

, aktualisiert 11. Mai 2016, 15:31 Uhr
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Das Vergleichsportal ist durch seine allgegenwärtigen Werbekampagnen bekannter geworden.

von Kerstin Leitel und dpa Quelle:Handelsblatt Online

Vor dem Münchener Landgericht zanken sich der Versicherungsvertreterverband BVK und das Internet-Portal Check24 wegen „Irreführung der Verbraucher“. Noch gibt es kein Urteil – aber schon zwei gefühlte Sieger.

MünchenMucksmäuschenstill ist es, als die Vorsitzende Richterin Barbara Clementi am Mittwoch den Gerichtssaal im Münchener Landgericht betritt. Sie soll über einen Streit zwischen dem Internet-Portal Check24 und dem Verband der Versicherungsvertreter BVK entscheiden. Die stören sich nicht etwa an der penetranten Werbung des Portals, sondern an anderen Dingen.

Routiniert rattert die Richterin ihre bisherigen Erkenntnisse aus den Stellungnahmen der beiden Streitparteien herunter. Macht Check24 ausreichend klar, dass man bei Abschluss einer Versicherung über die Plattform Provisionen kassiert? Dass Check24 somit ein Makler ist? Oder fehlt ein deutlicher Hinweis? Und kommt das Internetportal den Beratungspflichten für einen Versicherungsmakler ausreichend nach?

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Nein, meint der Versicherungsvertreterverband BVK. Dabei sei vielen Kunden beispielsweise der Unterschied zwischen einer Hausrat-Versicherung und einer Haftpflicht-Versicherung nicht bewusst. Vergangenen Herbst hatte der Verband deswegen Klage eingereicht. „Unter dem Deckmantel eines Preisvergleichsportals“ würden Verbraucher angelockt, damit diese Versicherungsverträge über das Portal abschließen - ohne dass die für Versicherungsvermittler geltenden Gesetze eingehalten werden, kritisiert der BVK.

Check24 sieht das natürlich anders. Man habe nie einen Hehl daraus gemacht, sich unter anderem aus Provisionen zu finanzieren, verteidigte sich das Unternehmen kürzlich vor Journalisten. „Wir sind nicht die Stiftung Warentest“, hatte der Check24-Chef Henrich Blase erklärt.


„Geschäftsmodell im Kern bestätigt“

Die Richterin scheint dem Internetportal auch keine großen Steine in den Weg legen zu wollen. Zwar stellte sie klar, dass Check24 deutlicher auf die Maklertätigkeit hinweisen müsse – doch in anderen Punkten zeichnet sich eine Niederlage des BVK ab. Schließlich erfordere bereits das Ausfüllen der erforderlichen Abfragemasken im Internet „gewisse geistige Fähigkeiten“, sagte die Vorsitzende Richterin der 11. Kammer für Handelssachen.

Man könne also davon ausgehen, dass der Verbraucher „nicht nur Bahnhof“ verstehe und gar nicht wisse, was für einen Vertrag er abschließe. Dies gelte vor allem für einfache Versicherungsprodukte. Außerdem würden Verbraucher absichtlich den Weg über das Internet wählen, um Zeit zu sparen und auf ein Makler-Gespräch zu verzichten. „Wer im Internet sucht, hat einen Fokus auf den Preis und weiß, dass die Beratung nicht gleich intensiv ausfällt.“

Das Urteil will die Richterin noch nicht fällen – erst am 13. Juli soll das verkündet werden. Und so äußern sich am Ende der Sitzung beide Parteien zufrieden. Wenn das Gericht Nachbesserungen verlange, „werden wir dem nachkommen“, versicherte Christoph Röttele, Mitglied der Geschäftsführung von Check24 vor dem Gerichtssaal. „Das ist kein Aufwand“. Für Check24 sei vor allem „wichtig, dass unser Geschäftsmodell im Kern bestätigt wird“.

Aber auch die Gegenseite zeigte sich zuversichtlich. Die Einschätzungen des Landgerichts München seien „ein wichtiges Signal zur Stärkung der Verbraucherrechte bei der Vermittlung von Versicherungen über das Internet“, teilte der Verband mit. Der Streit, so erwarten es Prozessbeobachter, wird im Juli ohnehin nicht zu Ende sein: „Das geht in die nächste Instanz“, prognostiziert ein Zuschauer.

Quelle:  Handelsblatt Online
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