Vergütung von Carsten Kengeter: Keine Superbörse, aber ein Supergehalt

Vergütung von Carsten Kengeter: Keine Superbörse, aber ein Supergehalt

, aktualisiert 22. März 2017, 09:59 Uhr
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Börsenchef Kengeter: Die Fusionspläne des Managers stehen vor dem Aus.

von Michael Brächer und Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Die Fusionspläne der Deutschen Börse stehen vor dem Aus. Doch Vorstandschef Kengeter verdiente 2016 trotzdem eine Gesamtvergütung von rund 7,3 Millionen Euro. Ein Teil des Gehalts brachte ihn allerdings in Bedrängnis.

FrankfurtGemeinsam mit der London Stock Exchange wollte die Deutsche Börse einen europäischen Börsengiganten schmieden. Doch die Fusionspläne von Börsenchef Carsten Kengeter stehen vor dem Aus, die EU-Kommission dürfte den Milliardendeal bald untersagen. Für Börsenchef Carsten Kengeter, der die Leitung der Superbörse übernehmen sollte, wäre das Scheitern des Deals zwar ein herber Rückschlag, aber es gibt ein dickes Trostpflaster: Laut Jahresbericht lag die Gesamtvergütung des Managers für das Jahr 2016 bei satten 7,3 Millionen Euro. Legt man die Regeln des Corporate-Governance-Kodex an, kommt man sogar auf 8 Millionen Euro. Doch ein Teil des Vergütungsprogramms brachte Kengeter in Bedrängnis.

Denn der Aufsichtsrat der Börse hatte eigens für Kengeter ein Bonusprogramm mit so genannten Performance-Aktien aufgelegt, deren Entwicklung sich an der Unternehmensentwicklung bemisst. Ausgerechnet dieses Bonusprogramm brachte Kengeter in die Bredouille.

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Er hatte im Rahmen des Vergütungsprogramms Börsenaktien für 4,5 Millionen Euro auf eigene Rechnung erworben – und zwar im Dezember 2015, zwei Monate vor Bekanntwerden der Fusionspläne mit London. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt vermutet, dass der Börsenchef damals bereits von der bevorstehenden Fusion wusste und wirft ihm Insiderhandel vor. Sie durchsuchte das Börsenhauptquartier und die Privatwohnung des Managers. Kengeter will die Vorwürfe ausräumen. „Das Unternehmen und der Vorstandsvorsitzende kooperieren in vollem Umfang mit der Staatsanwaltschaft“, heißt es dazu im Finanzbericht des Konzerns.

Darin wird auch der Deal mit der London Stock Exchange erwähnt, doch ohne jede Euphorie: Beide Seiten „sehen der weiteren Prüfung der Europäischen Kommission entgegen“, heißt es in dem Bericht. Wie diese Prüfung ausfällt, darüber macht sich bei der Deutschen Börse niemand große Illusionen.

Der Londoner Fusionspartner weigert sich, eine Vorgabe der EU-Kommission zu erfüllen und seine Anteile an einer italienischen Tochterfirma zu verkaufen. Beobachter im Umfeld der beiden Börsen sehen darin allerdings nur einen Vorwand. Es sind die Differenzen bei der Standortfrage, die zwischen beiden Lagern als unüberbrückbar gelten. Während die deutsche Seite nach dem Brexit auf einen Doppelsitz in London und Frankfurt gedrängt haben soll, halten die Briten weiterhin an London fest. Noch bis Anfang April kann die EU-Kommission über den Deal befinden, ein Nein gilt dabei quasi als gesetzt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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