Verivox: Teldafax-Pleite kostet Vergleichsportal Millionen

Verivox: Teldafax-Pleite kostet Vergleichsportal Millionen

, aktualisiert 07. März 2016, 12:28 Uhr
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Das Vergleichsportal wird zur Unzeit von der Altlast Teldafax eingeholt.

von Jürgen Flauger und Sönke IwersenQuelle:Handelsblatt Online

Das Vergleichsportal Verivox hat den Strommarkt erst richtig in Schwung gebracht – es hat aber auch Pleitefirmen wie Teldafax groß gemacht. Verivox selbst verdiente Millionen mit Provisionen. Doch dann machte der Insolvenzverwalter von Teldafax eine neue Rechnung auf.

DüsseldorfEs war eine Beziehung im gegenseitigen Interesse. Hier der Marktneuling, der eine Plattform brauchte, um seine attraktiven Preisen für Strom und Gas so einfach wie möglich und so vielen potentiellen Kunden wie möglich anzupreisen. Dort das Vergleichsportal, das spektakulär günstige Anbieter brauchte, um immer mehr Kunden auf seine Internetseite zu locken. Über die Jahre wurden der Billigstromanbieter Teldafax und das Verbraucherportal Verivox enge Partner.

Beide Seiten profitierten sehr von diesem Arrangement. Teldafax brauchte nur seine Tarife an Verivox zu melden, und die Kunden kamen fast wie von selbst. Verivox profitierte von jedem einzelnen, der einen Vertrag bei Teldafax abschloss. So sah es eine Provisionsvereinbarung zwischen den beiden Unternehmen vor. Verivox strich Millionen ein.

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Das klappte auch dann noch, als Teldafax längst schon zahlungsunfähig war. Denn es gab einen einfachen, wenn auch verrückten Grund, warum Teldafax mit seinen Tarifen die Ranglisten von Verivox regelmäßig anführte: Teldafax verkaufte seinen Strom oft billiger, als es ihn einkaufte. Schon Mitte 2009 war Teldafax deshalb wirtschaftlich am Ende. „In der Kalenderwoche 25 wurde der Tatbestand der Zahlungsunfähigkeit festgestellt“, schrieb der Teldafax-Vorstand an den Aufsichtsrat. Insolvenzberater kamen ins Haus.

Doch Teldafax machte weiter – zwei Jahre lang. Der Trick lag in der Vertragsgestaltung. Teldafax funktionierte nach dem Schneeballprinzip. Kunden zahlten bis zu einem Jahr im Voraus. So lang immer neue von ihnen nachströmten, konnte der Vorstand alte Rechnungen bezahlen. Wichtige Geschäftspartner wurden dabei bevorzugt. Und Verivox war besonders wichtig, diente das Vergleichsportal doch als Zugangsstraße zur Neukundschaft, ohne die Teldafax zusammenbrechen musste.

Viele Millionen Euro verdiente Verivox auf diese Weise. Mochte Teldafax auch nur eine Fassade sein, hinter der sich ein unternehmerisches Chaos versteckte, für Verivox ging die Rechnung auf. So dachte man dort jedenfalls. Nun stellt sich heraus: Es war eine Milchmädchenrechnung.


Verifox kassierte, andere Gläubiger guckten in die Röhre

Die Wahrheit kam jetzt im Landgericht Bonn ans Licht. Dort sitzen seit einem Jahr die ehemaligen Vorstände von Teldafax auf der Anklagebank – wegen Insolvenzverschleppung. In der vergangenen Woche sagte in Bonn erneut der Teldafax-Insolvenzverwalter Biner Bähr aus. Und obwohl er mit Verivox eine Vertraulichkeitserklärung unterschrieb, durfte er als Zeuge im Strafprozess nicht schweigen, als er gefragt wurde, ob er im Insolvenzverfahren Geld von Verivox erstritten hat. Ja, Bähr hat. Verivox zahlte 2,8 Millionen Euro. Ein entsprechender Vergleich wurde bereits im Mai 2015, wäre ohne das Strafverfahren aber wohl nie ans Licht gekommen.

Der Grund liegt im deutschen Insolvenzrecht. Dies schreibt eine Gleichbehandlung aller Gläubiger vor. Es war nicht rechtens, dass Teldafax mit den Vorkassen neuer Kunden besonders wichtige Gläubiger wie Verivox bezahlte, während längst hunderttausende alter Kunden vergeblich auf die Auszahlung von Guthaben oder Boni warteten. Bähr hat deshalb schon mehr als eine Viertelmilliarde Euro von Großgläubigern eingesammelt. Das Geld fließt in die Insolvenzmasse ein, aus der Bähr bei Abschluss des Verfahrens alle Gläubiger von Teldafax bedienen wird.

Verivox wollte sich zur Zahlung an den Insolvenzverwalter auf Nachfrage nicht äußern. Doch der Fall ist pikant. Denn schon im September 2011, drei Jahre nach dem Insolvenzantrag von Teldafax, hatte sich Verivox zu seiner Beziehung zu dem Skandalunternehmen geäußert. „Im Oktober 2010 gab es erste Hinweise auf finanzielle Schwierigkeiten von Teldafax in den Medien“, hieß es in einer Erklärung von Verivox. Das Vergleichsportal habe sich daraufhin an die Aufsichtsbehörde für den Strommarkt gewandt, die Bundesnetzagentur. Doch diese habe mitgeteilt, sie habe „keine Unregelmäßigkeiten feststellen können.“

Sollte dies zutreffen, dürfte Verivox nun Gesprächsbedarf mit dieser Behörde haben. Wie inzwischen öffentlich wurde, lagen der Bundesnetzagentur schon im Januar 2008 heftige Beschwerden von Netzbetreibern vor, weil Teldafax seine Rechnungen nicht bezahlte. Die Behörde kündigte deshalb ab, aus „dringendem Anlass eine Überprüfung der personellen, technischen und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Ihres Unternehmens durchzuführen“.

Doch genau dies geschah nicht. In den folgenden Jahren füllte die Aufsichtsbehörde nicht weniger als 24 Aktenordner mit wütenden Briefen über Teldafax. Die Drohung, das Unternehmen „aus dringendem Anlass“ zu überprüfen, wurde mehrfach wiederholt. Doch zum Eingriff der Aufsichtsbehörde kam es nie – bis Teldafax im Juni 2011 zusammenbrach. Zurück blieben 500 Millionen Euro Schulden und 750.000 Gläubiger.

Verivox wird zur Unzeit von der Altlast Teldafax eingeholt. In der vergangenen Woche hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband schon Kritik an Vergleichsportalen wie Verivox oder Check24 geübt. Die Verbraucherschützer hatten in einer eine Studie hunderte Angebote auf den Portalen gesucht, und große Preisunterschiede festgestellt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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