Versicherer: Arbeitnehmer greifen Ergo-Führung an

Versicherer: Arbeitnehmer greifen Ergo-Führung an

, aktualisiert 09. November 2017, 08:22 Uhr
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Es droht Ärger.

von Carsten HerzQuelle:Handelsblatt Online

Es rumort in Düsseldorf: Die Düsseldorfer Versicherung hat zahlreiche Angebote für Ergo Leben und Victoria Leben eingesammelt, doch der Haussegen hängt schief: Gewerkschafter kritisieren das Management massiv.

FrankfurtEs wäre ein Schritt, der seinesgleichen sucht. Der Versicherungsriese Ergo überlegt, sich von seinem wenig lukrativen Geschäft mit Lebensversicherungen zu trennen. Sechs Millionen Policen der Ergo Leben und Victoria Leben könnten auf einen Schlag den Besitzer wechseln – es wäre der größte Verkauf eines Bestandes, den es bisher in Deutschland gegeben hätte. Bei vielen Spezialabwicklern und einigen Finanzinvestoren weckt diese Aussicht bereits großes Interesse. Bei großen Teilen der Ergo-Belegschaft schürt es aber ein anderes Gefühl: Unmut.

Rund 5000 Unterschriften haben Mitarbeiter bereits in wenigen Wochen mit einer Online-Petition gegen den möglichen Verkauf innerhalb weniger Wochen eingesammelt, wie das Handelsblatt erfuhr. Vor einer am Donnerstag einberufenen Betriebsversammlung am Hauptsitz Düsseldorf ist die Stimmung angespannt. Erneut kritisieren führende Arbeitnehmervertreter das Management massiv für ihre Pläne.

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Für Ergo-Boss Markus Riess könnte die erwogene Veräußerung von bis zu sechs Millionen Policen damit zur Kraftprobe werden. Rieß, der derzeit auch als Kandidat für den Chefposten der Deutschen Börse gehandelt wird, hatte sich vor gut einem Jahr eigentlich entschieden, die Bestände selbst abzuwickeln. Ende September kündigte das Unternehmen jedoch an, mit einem Verkauf der beiden Töchter Ergo Leben, der früheren Hamburg-Mannheimer, und der Victoria zu liebäugeln.
Rund sechs Millionen Policen mit teils hohen Zinsgarantien haben die beiden Anbieter, die bis heute hohe Kapitalreserven binden. Inzwischen habe der Run-off-Markt aber an Fahrt gewonnen, hatte Riess damals als Begründung dem Handelsblatt gesagt. Es gebe aber noch keine Entscheidung, ob der Konzern sich tatsächlich von den Lebensversicherungen trennen wolle.


Sondierungsprozess nimmt Hürde

Der Sondierungsprozess für den umstrittenen Verkauf nahm unterdessen eine erste wichtige Hürde. Der Ergo liege inzwischen eine größere Zahl von Angeboten vor, die das Unternehmen nun sorgfältig hinsichtlich aller relevanten Aspekte prüfen und bewerten werde, sagte am Mittwoch eine Sprecherin des Düsseldorfer Versicherers. Diese Prüfung werde voraussichtlich mindestens bis Ende November dauern.

Neben Ergo hatten auch Generali und Axa Deutschland zuletzt erklärt, einen solchen Schritt zu prüfen. Die beiden Leben-Töchter der Ergo schreiben bereits heute kein Neugeschäft mehr. Bisher verwaltet die Ergo diese Bestände jedoch selbst. Ergo verkauft neue, meist fondsgebundene Lebensversicherungen nur noch ohne Garantien über eine andere Tochter. Ein kompletter Verkauf galt lange als Tabu. Doch Konkurrenten wie die Arag hatten diesen Schritt zuletzt erfolgreich vorgemacht. Viele Augen richten sich darum nun auf die Düsseldorfer, da sie den größten Bestand in Frage stellen.

Insidern zufolge haben sowohl die Swiss Re als auch die Resolution Group, die in Großbritannien seit fast 15 Jahren Lebensversicherungen ohne Neugeschäft abwickelt, bereits vorgefühlt. Die Arbeitnehmer lehnen jedoch einen Verkauf der Policen grundsätzlich ab und fürchten um einen Imageschaden für das Unternehmen, das eine Tochter des Rückversicherers Munich Re ist. „Der Vorstand kann nicht mehr an der Realität vorbei: Er hat sich heillos vergaloppiert und muss den Verkaufspläne sehr schnell beenden“, fordert Tobias Münster, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Neue Assekuranz, der zusammen mit Dieter Schollmeier, Vorsitzender des Verbandes der selbstständigen Versicherungskaufleute die Petiton aufgelegt hat.

Viele Kunden sähen sich in ihrem Vertrauen in die Lebensversicherer, die ihnen ein lebenslanges Versprechen gegeben haben, erschüttert, klagt die NAG. Die Arbeitnehmervertreter hätten deshalb auch Kontakt zum Branchenverband GDV aufgenommen, um Gespräche zu führen, wie der Ruf der Branche stabilisiert werden könne. Auch von den Vertretern kommt Widerstand. „Das Votum der Ausschließlichkeitsorganisation ist eindeutig: Ein Verkauf ist keine Option“, betont Schollmeier. Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Konzerns, die Muttergesellschaft Munich Re mit eingeschlossen, ginge auf breiter Front verloren“, warnte der Verbandschef. Der Vorstandschef der Ergo-Deutschland, Achim Kassow, der auf der Düsseldorfer Betriebsversammlung am Donnerstag als ranghöchster Vertreter des Managements eingeladen ist, muss wohl noch Einiges an Überzeugungsarbeit leisten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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