Versicherer: Talanx – ein Konzern holt auf

Versicherer: Talanx – ein Konzern holt auf

, aktualisiert 15. Mai 2017, 09:37 Uhr
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Der Vorstandsvorsitzende Herbert K. Haas während der Hauptversammlung der Talanx AG in Hannover. Die angeschobene Restrukturierung des Konzerns zeigt Wirkung.

von Carsten HerzQuelle:Handelsblatt Online

Vor einigen Jahren ächzte der Versicherer Talanx noch unter hohen Kosten. Doch eine angeschobene Restrukturierung zeigt Wirkung. Der Konzern machte Belastungen durch den Zyklon „Debbie“ zum Jahresstart mehr als wett.

FrankfurtEuphorie ist Herbert Haas nicht anzumerken. „Mit dem Ergebnis des ersten Quartals haben wir eine solide Ausgangsposition geschaffen, um unser Konzerngewinn-Ziel von rund 800 Millionen Euro zu erreichen“, kommentierte der Vorstandschef des Versicherungskonzerns Talanx nüchtern am Montag die Ziffern für das erste Quartal des Jahres. Doch die Zahlen, die Haas am Montag zusammen mit Finanzchef Immo Querner vorlegte, können sich durchaus sehen lassen und übertrafen auch die Erwartungen der Analysten.

So machte der vom Vorstandschef eingeleitete Sanierungskurs nach Belastungen durch Zyklon „Debbie“ und andere Katastrophen zum Jahresstart mehr als wett. Unter dem Strich stand im ersten Quartal dank leicht gesenkter Betriebskosten ein Gewinn von 238 Millionen Euro und damit sieben Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

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Ein Konzern holt auf. Vor einigen Jahren ächzte das im MDax notierte Unternehmen noch unter hohen Kosten, einer uralten IT sowie massiven Problemen auf dem wichtigen Heimatmarkt. Aber inzwischen zeigt der von Haas eingeleitete Kurs immer deutlicher Wirkung. So startete der Konzern, zu dem der Rückversicherer Hannover Rück sowie die Marken HDI und Neue Leben zählen, gut ins laufende Jahr.

Trotz einer höheren Belastung durch Großschäden blieb von den Prämieneinnahmen im Schaden- und Unfallgeschäft im ersten Quartal prozentual gleich viel übrig wie ein Jahr zuvor. Die Zerstörungen durch Zyklon „Debbie“ in Australien kosteten den Konzern 50 Millionen Euro. Das entspricht der Summe, die bereits die Hannover Rück genannt hatte. Talanx hält die Mehrheit an dem weltweit drittgrößten Rückversicherer, der deshalb komplett in die Konzernzahlen eingeht.

Haas erntet damit auch die Früchte einer eingeleiteten Restrukturierung. Vor zwei Jahren entschied sich der Konzern, aus dem Geschäft mit klassischen Lebensversicherungen auszusteigen und kündigte später eine grundlegende Sanierung seines Deutschlandgeschäfts mit Privatkunden an. Haas wechselte die gesamte Führung des Geschäftsbereichs aus.

Der neue Deutschland-Privatkundenchef Jan Wicke soll nun die Wende bringen - und alte Sünden vergessen machen. Denn Talanx ist in der heutigen Form ein Ergebnis der Übernahme der Gerling-Gruppe in Köln durch HDI in Hannover. Seither fusionierten die Industrieversicherer erfolgreich, aber im Privatkundenbereich klemmte es, was der Konzern nun ändern möchte. Ab dem Jahr 2020 sollen dank der Investitionen die Kosten jedes Jahr um 240 Millionen Euro niedriger liegen.


Auslandsgeschäft läuft besser als erwartet

Besser als erwartet läuft es für Talanx weiter im Ausland. Vor allem in Lateinamerika und Osteuropa ist der norddeutsche Versicherungskonzern tätig. So gab vor allem das Auslandsgeschäft in Osteuropa und Lateinamerika Deutschlands drittgrößtem Versicherungskonzern einen unerwarteten Gewinnschub. Das Konzernergebnis stieg anders als von Analysten erwartet im ersten Quartal um sieben Prozent auf 238 Millionen Euro.

Die Bruttoprämien kletterten um acht Prozent auf 9,8 Milliarden Euro, wie Talanx am Montag mitteilte. Allein im Auslandsgeschäft mit Privat- und Firmenkunden legten sie um 29 Prozent zu. Zugleich hielten sich die Großschäden mit 153 (123) Millionen im Rahmen, der Zyklon "Debbie" in Australien kostete Talanx 50 Millionen Euro.

Vorstandschef Herbert Haas sieht damit seine Strategie untermauert, auf Märkte außerhalb Deutschlands zu setzen. Das gilt inzwischen auch für die Industrieversicherung, wo die Einnahmen in Frankreich und den USA kräftig stiegen. Die Sparte verzeichnete auch den größten Gewinnzuwachs.

Einige Investoren glauben bereits, dass Haas mit seiner Gewinnprognose für das laufende Jahr etwas tief stapelt. So rechnen die Analysten im Schnitt mit einem Ergebnis von 828 Millionen Euro. Doch die Niedersachsen geben sich weiter vorsichtig. Talanx sagt weiterhin ein Wachstum der Bruttoprämien um mindestens ein Prozent voraus. Die Rendite auf die Kapitalanlagen soll mindestens drei Prozent erreichen.

Im ersten Quartal lag sie bei 3,5 Prozent. Der 62-Jährige mit den kurzen grauen Haaren an der Spitze des Talanx-Konzerns neigt lieber zur Zurückhaltung, selbst wenn es besser läuft als gedacht. „Wir fühlen uns weiter mit der Jahresprognose wohl“, betonte Haas auf einer Telefonkonferenz, „auch wenn einige Experten bereits optimistischer geworden sind.“ Positive Überraschungen schließt das allerdings nicht aus.

Quelle:  Handelsblatt Online
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