Versicherer: Teure Schutzweste für Manager

Versicherer: Teure Schutzweste für Manager

, aktualisiert 03. November 2017, 11:53 Uhr
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Die wachsende Klagelust bei möglichen Managerfehlern vermasselt vielen Assekuranzen das Geschäft mit den D&O-Versicherungen.

von Carsten HerzQuelle:Handelsblatt Online

Kaum ein großes Unternehmen kommt mehr ohne eine sogenannte D&O-Versicherung für seine Führungskräfte aus. Dennoch hält sich die Freude unter den Versicherern in Grenzen: Für viele sind die Policen ein Zuschussgeschäft.

FrankfurtFür viele Topmanager gehört sie inzwischen dazu wie der Dienstwagen und die Miles&More-Karte: die D&O-Versicherung, die ein mögliches Fehlverhalten der Führungsleute absichert. Das hat triftige Gründe: Die Zahl der Fälle, in denen Chefs von ihren Firmen verklagt werden und die Versicherung einspringen muss, ist in Deutschland in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen.

Nach einer Studie der Allianz verdreifachte sich in Deutschland innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte die Anzahl der Fälle, in denen Großkonzerne einen Schaden bei den Versicherern geltend machten – und in den USA steuern die Aktionärsklagen auf einen neuen Rekord zu. Dennoch hält sich die Freude unter den Versicherern über den wachsenden Bedarf in engen Grenzen. Denn für viele Assekuranzen sind die Policen in Deutschland wegen der vielen Schäden bisher vielfach ein Zuschussgeschäft.

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Die wachsende Klagelust bei möglichen Managerfehlern vermasselt vielen Assekuranzen das Geschäft. Nach internen Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft macht die Branche mit diesen Spezialversicherungen jährlich mehr als 100 Millionen Euro Verlust, wie die „Süddeutsche Zeitung“ am Freitag berichtete.

Laut den internen GDV-Zahlen betrug der Schadensaufwand pro Vertrag demnach 2016 genau 3944 Euro – deutlich mehr als die 3656 Euro, die die Versicherer pro Vertrag durchschnittlich an Prämie kassierten. Der Verband selbst lehnte einen Kommentar ab. Grundsätzlich äußere sich der GDV niemals über interne Daten, sagte ein Sprecher.

Deutschland zählt inzwischen zusammen mit den USA und Australien zu den Ländern mit den meisten D&O-Schadenfällen, wie aus Zahlen des zum Allianz-Konzern zählenden Spezialversicherers Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) hervorgeht. Allein in Deutschland verdreifachte sich demnach die Zahl der D&O-Schadenfälle von Großunternehmen, bei denen das Branchenschwergewicht AGCS involviert war, in den vergangenen 20Jahren von 40 bis 50 auf rund 120 jährlich. Nicht nur die Zahl der D& O-Schadenfälle steigt dabei, die Streitfälle werden auch immer häufiger erst nach langwierigen Verhandlungen vor Gericht beigelegt.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten gibt es die aus dem USA kommende Versicherungsform auch in Deutschland. Anfangs waren die Policen, die nach dem US-Vorbild „Directors and Officers Liability“, kurz D&O, genannt wurden, vor allem bei großen internationalen Konzernen zu finden. Heute verfügen aber auch viele mittelständische Firmen über eine solche Police, um gegebenenfalls Ansprüche gegen die Geschäftsführung abdecken zu können.


Versicherung als Türöffner

Die D&O wird dabei in der Regel von Unternehmen für Vorstandsmitglieder, Aufsichtsräte und Geschäftsführer abgeschlossen. Die Versicherung deckt die Ansprüche, die einerseits vom Unternehmen, andererseits von Außenstehenden (Gläubiger, Aktionäre) erhoben werden – und das passiert inzwischen immer häufiger.

Zwar sind Aktionärs- und Sammelklagen gegen Unternehmen und ihr Management, wie sie im angelsächsischen Raum üblich sind, in Europa weiterhin nur eingeschränkt möglich. Jedoch gewinnen auch in Deutschland – wie im Fall von VW oder jüngst wegen eines Lkw-Kartells – sogenannte Musterklageverfahren, bei denen Klagen Einzelner gebündelt werden, an Bedeutung. Bei großen Insolvenzfällen sehen sich die Versicherer zudem häufig mit Millionenforderungen der Insolvenzverwalter konfrontiert.

Eine Melange, die das Geschäft in Deutschland schwieriger macht als gedacht. 2016 erreichte die sogenannte Schaden-Kostenquote, die ein Ausweis ist, ob die Firmen mit den Policen Geld verdienen, die Höhe von 125 Prozent – im Jahr davor lag sie sogar bei 145 Prozent.

Einer der Hintergründe dafür: Viele Versicherer nutzen die D&O-Versicherungen als Einfallstor, um überhaupt erst einmal einen Fuß in die Unternehmen zu bekommen. Der Preiswettbewerb ist darum schärfer als anderswo, wie Branchenkenner berichten. Manche Niete in Nadelstreifen kommt dabei allerdings später nicht nur den Unternehmen teuer zu stehen – sondern auch der Versicherung, die ihn mit einer Managementhaftung abgesichert hat.

Quelle:  Handelsblatt Online
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