Vision von Elon Musk: Wie die Bahn beim Hyperloop mitfährt

Vision von Elon Musk: Wie die Bahn beim Hyperloop mitfährt

, aktualisiert 11. Mai 2016, 14:10 Uhr
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Bringt die Deutsche Bahn den Schnellzug nach Deutschland?

von Astrid DörnerQuelle:Handelsblatt Online

Tesla-Chef Elon Musk träumt vom Schnellzug Hyperloop. Zu seinen Fans gehört auch ein französischer Eisenbahnbetreiber, der als Investor bei dem Zukunftsprojekt einsteigt. Und auch die Deutsche Bahn spielt dabei mit.

Las VegasIn 20 Minuten von Amsterdam nach Paris? Oder in 30 Minuten von Los Angeles nach San Francisco? Wenn es nach Rob Lloyd geht, soll das bald Wirklichkeit werden. Lloyd ist Chef von Hyperloop One, einem Start-up, das bis vor kurzem noch Hyperloop Tech hieß und in klassischer Gründer-Manier angetreten ist, um die Transportwelt zu verändern. In einer Röhre will Hyperloop One ein Vakuum erzeugen und in Geschwindigkeiten knapp unter der Schallgrenze Kapseln von einem Ort zum anderen jagen.

Die waghalsige Idee gewinnt Anhänger. Das Unternehmen aus Los Angeles hat gerade eine zweite Finanzierungsrunde in Höhe von 80 Millionen Dollar abgeschlossen, wie Lloyd am Dienstagabend bei einer Pressekonferenz in Las Vegas verkündete. Zu den Investoren gehören neben dem Risikokapitalfonds des Mitgründers Shervin Pishevar auch der französische Eisenbahnbetreiber SNCF und GE Ventures, der Risikokapitalfonds von Siemens-Konkurrent General Electric.

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Lloyd, der früher Top-Manager beim Netzwerkausrüster Cisco war, vergleicht den Hyperloop gern mit dem Hochgeschwindigkeitsinternet. „Transport ist das neue Breitband“, heißt das Motto des Unternehmens. Statt Daten sollen künftig Personen und Güter mit bis zu 1200 Kilometer pro Stunde durch ein Netzwerk aus Stahlröhren gejagt werden. „Stellen Sie sich vor, man könnte ganze Häfen weg von den Ufern ins Meer verlegen und mit unterirdischen Hyperloop-Röhren ans Festland anbinden“, schwärmt der Hyperloop-Chef, der am Mittwoch auf der Teststrecke nördlich von Las Vegas den ersten großen Antriebstest plant.

Um das ehrgeizige Projekt in den nächsten Jahren Wirklichkeit werden zu lassen, hat Hyperloop One am Dienstag auch Partnerschaften mit Beratern, Architektur- und Ingenieursbüros verkündet. Dazu gehört auch der Beratungsarm der Deutschen Bahn, DB Engineering and Consulting.

Weitere Partner sind unter anderem die Unternehmensberatung KPMG, die Schweizer Tunnelexperten Amberg Group, das britische Ingenieursbüro Arup und das französische Ingenieurbüro Systra, das ein Zusammenschluss von SNCF und des Betreibers des Öffentlichen Nahverkehrs in Paris, RATP, ist.

„Wir könnten den Hyperloop heute schon bauen, er wäre nur sehr teuer“, gibt Mitgründer und Technologie-Vorstand Brogan BamBrogan zu bedenken. Der frühere Ingenieur bei Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX will den Hyperloop deutlich günstiger machen als den Bau von Hochgeschwindigkeitszugstrecken, die im Durchschnitt 20 Millionen Dollar pro Kilometer kosten.

Dass das futuristische Fortbewegungsmittel technisch machbar ist, daran hat er keinen Zweifel. „Es gibt keine Turbulenzen, wir sind vom Wetter unabhängig und weil die Kapseln autonom durch die Röhre gleiten werden, wird es auch keine Pilotenfehler geben“, stellt er klar. Um dabei zu helfen, regulatorische Hürden aus dem Weg zu räumen, sitzt der frühere Berater von Präsident Obama, Jim Messina, im Verwaltungsrat.


„Wir müssen einen besseren Ansatz für die Kunden finden“

Hyperloop One will keine Zeit verlieren. Auch zwei andere Unternehmen arbeiten an einem ganz ähnlichen Konzept, das auf Musks Idee basiert. Und noch bevor der erste Antriebstest bestanden ist, ruft das 135 Mitarbeiter große Start-up schon mal einen internationalen Wettbewerb aus. Ähnlich wie bei dem Auswahlprozess für den Austragungsort der olympischen Spiele sollen Teams ausarbeiten, wo und wie der Hyperloop am besten realisiert werden könnte. Jens Gräfer, Leiter für internationalen Angelegenheiten bei der Deutschen Bahn, spricht über die Zusammenarbeit mit dem Hyperloop und ob das Röhrensystem auch nach Deutschland kommen wird.

Herr Gräfer, die Deutsche Bahn und der Hyperloop – wie passt das zusammen?
Ja, das ist natürlich erst mal überraschend, weil der Hyperloop ja schon etwas sehr Visionäres ist und wir seit 180 Jahren eigentlich dasselbe machen, nämlich Eisenbahnen auf Schienen zu fahren. Aber ich glaube schon, dass wir uns gerade mit dem Projekt Zukunft Bahn und den Initiativen um die Industrie 4.0 stark um das Thema Digitalisierung und Marktentwicklungen im weitesten Sinne kümmern und um die Frage: Was gibt es für neue Trends in der Industrie? Dazu gehört der Hyperloop natürlich auch. Und jenseits der ganzen Technik befasst sich Hyperloop ähnlich wie wir auch mit der Frage, wie der Transport der Zukunft aussieht. Wie kriegen wir die Fahrgäste zu den Stationen? Was machen wir mit dem Gepäck? Wie schafft man es, für die Kunden eine reibungslose Transportkette zu schaffen? Und was müssen wir unseren Kunden demnächst im ICE bieten, wenn das selbstfahrende Auto kommt? Da müssen wir einen besseren Ansatz finden, egal ob man die Kunden wie Hyperloop durch eine Röhre schicken will oder wie wir auf konventionellen Schienen befördert.

Wie arbeiten Sie konkret mit Hyperloop One zusammen?
Unsere Tochter DB Engineering & Consulting hat einen klassischen Beratungsauftrag. Wir machen eine Marktstudie im Nahen Osten für Frachtverkehre. Der Nahe Osten ist ein Markt, der für die Deutsche Bahn interessant ist, weil dort gerade Eisenbahnnetze entstehen. Wir sind in vielen Ländern aktiv, beraten und planen die Eisenbahnnetze. Wir betreiben auch das erste Joint Venture für den Güterverkehr in Abu Dhabi.

Wäre ein Hyperloop auch für Deutschland denkbar?
Ich habe den Eindruck, dass Deutschland immer sehr konservativ und zögerlich ist bei solchen Gedanken. Und dieser visionäre Ansatz den Hyperloop hat, dass man gleich die ganze Welt verändern will, scheint den Deutschen eher etwas befremdlich. Aber wenn sich das System als umsetzbar erweist und erfolgreich getestet wurde, glaube ich schon, dass man in Deutschland bereit ist, neue Wege zu gehen. Dann wäre ja auch die Deutsche Bahn ein guter Betreiber dafür.

Der Hyperloop und der ICE könnten nebeneinander bestehen?
Wir wissen, wie man Güternetze und Personenverkehr betreibt. Wir wissen, wie man mit Kunden umgeht. Warum also nicht?

Herr Gräfer, vielen Dank für das Interview.


Quelle:  Handelsblatt Online
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