Volkswagen-Aktie im Fokus: Wie das Aktiengesetz VW-Aktionären zur Dividende verhalf

Volkswagen-Aktie im Fokus: Wie das Aktiengesetz VW-Aktionären zur Dividende verhalf

, aktualisiert 28. April 2016, 11:08 Uhr
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VW-Vorstandschef Matthias Müller am Donnerstag in Wolfsburg.

Quelle:Handelsblatt Online

Paragraf 140 des Aktiengesetzes hat VW-Aktionären dazu verholfen, selbst für das Verlustjahr 2015 eine Dividende zu erhalten. Denn ansonsten hätte dem Land Niedersachsen ein empfindlicher Machtverlust gedroht.

Düsseldorf/Frankfurt/MünchenDie Mitglieder der Familie Porsche und Piëch hatten im Aufsichtsrat von Volkswagen gegen die Ausschüttung einer Dividende für das Verlustjahr 2015 gestimmt. Angesichts des Milliardenverlustes hätten sich die vier Vertreter im Aufsichtsrat des Autobauers zunächst gegen eine Ausschüttung ausgesprochen und dann gegen diese gestimmt, wie das Handelsblatt aus Konzernkreisen erfahren hat.

VW ist im vergangenen Jahr wegen des Abgasskandals tief in die Verlustzone gerutscht, Vorstandschef Matthias Müller informierte am Donnerstagmorgen über die Details. will aber dennoch insgesamt 68 Millionen Euro an seine Anteilseigner zahlen – Vorzugsaktionäre erhalten 17 Cent pro Aktie. Wegen der roten Zahlen wird VW die Dividende komplett aus der Substanz zahlen müssen.

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Die vier Vertreter der Familie hätten dies abgelehnt, wie es heißt. Sprecher des Unternehmens und der Familie lehnten einen Kommentar dazu ab. Aufsichtsratssitzungen seien vertraulich, sagte ein VW-Sprecher. Die VW-Vorzugsaktie notiert am Donnerstag ein Prozent im Minus bei 128,20 Euro.

Für eine Dividende machte sich eine Allianz aus Betriebsrat und dem Land Niedersachsen als zweitgrößter Aktionär stark. Die beiden Parteien wollten verhindern, dass die Besitzer von Vorzugsaktien mehr Einfluss erhalten. Bislang sind deren Anteilsscheine ohne Stimmrecht. Dies ändert sich indes, sobald zwei Jahre keine Dividende geflossen ist.

Zwar müssten dazu für die Geschäftsjahre 2015 und 2016 die Ausschüttungen ausfallen. Aber um schon die Gefahr von vornherein zu bannen, hätten sich Betriebsrat und Niedersachsen gegen die Familie durchsetzen wollen, wie es im Konzern heißt. Land und Gewerkschafter kommen auf eine Mehrheit von zwölf Stimmen in Aufsichtsrat.

Ursache dafür ist das Aktiengesetz und sein Paragraf 140. Darin heißt es: Zahlt ein Unternehmen zwei Jahre in Folge keine Dividende an seine Vorzugsaktionäre, dürfen diese mit entscheiden.

Aus stimmrechtslosen würden stimmberechtigte Aktien. Doch dieser Gefahr wollten die Arbeitnehmer und das Land im VW-Aufsichtsrat ausweichen. Das Land Niedersachsen würde bei einem Einfluss der bislang stimmrechtslosen Vorzugsaktionäre seinen 20-Prozent-Anteil verlieren - und damit auch seine Sonderrechte.

Ein Vorbild für eine symbolische Dividende hat VW bereits: RWE. Nach dem Atomausstieg der Regierung, Ertragseinbrüchen und sinkenden Strompreisen hat der Versorger seine Dividende gestrichen. Aber: RWE-Vorzugsaktionäre bekommen auch in diesem Jahr etwas Geld. Ihnen verbleiben 13 Cent je Aktie. Sie kosten dem Gesamtkonzern fünf Millionen Euro.

Quelle:  Handelsblatt Online
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