Volkswagen-Aktie unter der Lupe: Aktionäre müssen Dividendenkürzung fürchten

Volkswagen-Aktie unter der Lupe: Aktionäre müssen Dividendenkürzung fürchten

, aktualisiert 01. April 2016, 16:08 Uhr
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Die Aktionäre klagen schon seit langem über zu niedrige Ausschüttungen.

Quelle:Handelsblatt Online

Es kursieren Gerüchte, Volkswagen würde wegen der Belastungen durch die Abgasaffäre dieses Jahr die Dividende komplett streichen. Analysten gehen davon aus, dass sie zumindest auf gut die Hälfte gekürzt wird.

Bei der möglicherweise bevorstehenden ersten Dividendenkürzung seit sechs Jahren muss Volkswagen einen Ausgleich finden zwischen den Interessen der Arbeitnehmer, des Staats und der mächtigen Eigentümerfamilien einerseits und den Investoren, die sich seit Jahren zu kurz gekommen fühlen, andererseits.

Die beiden größten Aktionäre, der Porsche-Piëch-Clan und das Land Niedersachsen, haben erklärt, dass sie Arbeitsplätze erhalten wollen. Das deckt sich mit dem Interesse von Betriebsratschef Bernd Osterloh, der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt. Inhaber der nicht-stimmberechtigten Aktien beklagen sich allerdings seit Jahren, dass die Dividende von Volkswagen hinter der vergleichbarer deutscher Konzerne zurückblieb. Letztes Jahr schüttete das Unternehmen 21 Prozent des Gewinns an die Aktionäre aus, weniger als halb so viel wie die Dax-Firmen im Durchschnitt.

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Am Dienstag berichtete dpa, ein nicht namentlich genanntes Aufsichtsratsmitglied habe erklärt, VW werde wahrscheinlich überhaupt keine Dividende zahlen. Die Investoren erwarten aber eine Ausschüttung. Analystenschätzungen zufolge dürfte der Autohersteller die Dividende um gut die Hälfte auf 2,37 Euro kürzen, wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen. Das entspräche rund 14 Prozent des erwarteten bereinigten Gewinns je Aktie von 17,80 Euro.

„Definitiv können sie sich eine Ausschüttung an die Aktionäre leisten“, sagt Sascha Gommel, Analyst bei der Commerzbank, diese würde jedoch „deutlich reduziert durch die Kosten, die bis Ende letzten Jahres verbucht wurden“. Eine Dividende könnte VW rund eine Milliarde Euro kosten, so Gommel, eine überschaubare Summe, vor allem vor dem Hintergrund des Ertrags von 2,2 Milliarden Euro, den das Unternehmen dieses Jahr mit dem Verkauf seines Anteils an dem Flottenmanager LeasePlan verbuchen werde.

Volkswagen schüttete für 2014 rund 2,3 Milliarden Euro an Dividende aus, was 4,86 Euro je Vorzugsaktie und 4,80 Euro je Stammaktie entspricht. Die Familien Porsche und Piëch kontrollieren 52 Prozent des stimmberechtigten Kapitals, Niedersachsen hält 20 Prozent und das Emirat Katar 17 Prozent. Sonstige Aktionäre, die weitgehend auf den Besitz von Vorzugsaktien beschränkt sind, haben wenig Einfluss. Das Unternehmen teilte mit, es werde sich vor der Gewinnmitteilung für 2015 am 28. April nicht zu den Ausschüttungen äußern.


VW steht vor entscheidendem Monat

Der größte Autohersteller Europas steht vor einem entscheidenden Monat. Er muss eine Einigung mit US-Behörden erreichen, vor einem Gerichtstermin, der für die Woche vor der Gewinnmitteilung anberaumt ist. VW will auch bis Ende April Ergebnisse interner und externer Untersuchungen zu der Frage präsentieren, wie es dazu kam, dass in rund elf Millionen Autos weltweit Software installiert wurde, die Abgastests manipulieren sollte.

Der Konzern muss auch noch darlegen, wie er die Milliardenkosten für Rückrufe, Geldstrafen und Hunderte Gerichtsverfahren verkraften will. VW hat im dritten Quartal 2015 rund 6,7 Milliarden Euro zurückgestellt, hat aber bereits eingeräumt, dass diese Summe nicht ausreichen wird. Die Gesamtkosten werden allerdings schwer zu beziffern sein, solange es keine Vereinbarung in den USA gibt.

Die Nettoliquidität von VW lag Ende September bei 28 Milliarden Euro. Das Unternehmen hatte erklärt, es brauche etwa zehn Milliarden Euro, um das Tagesgeschäft zu finanzieren, und es plane nicht, eine seiner etwa ein Dutzend Marken zu veräußern.

Bis zum Dieselgate hatte der Konzern erklärt, er wolle seine Ausschüttungsquote mittelfristig auf 30 Prozent vom Gewinn erhöhen. Der zögerliche Fortschritt in Richtung dieses Ziels war einer der wenigen Kritikpunkte bei Aktionärstreffen in den letzten Jahren, in denen das Unternehmen Rekordgewinne einstrich.

Investoren argumentierten, der Konzern habe sie kurz gehalten, während er hohe Ausgaben für Akquisitionen tätigte, etwa für den Motorradhersteller Ducati, und neue Aktien ausgab, um die vollständige Übernahme des LKW-Herstellers Scania zu finanzieren.

Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sagte am 29. Februar auf dem Genfer Autosalon, Volkswagen sei bewusst, dass die Dividendenpolitik ein wichtiges Thema sei, ohne aber auf die möglichen Auswirkungen des Abgasskandals einzugehen. Die Aktionäre haben auch unter dem Kursverfall der VW-Aktie seit Beginn der Krise gelitten. Das Unternehmen verlor seit dem 18. September 15,7 Milliarden Euro an Marktwert.

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil sagte in einem Interview im Januar, er konzentriere sich nicht in erster Linie auf Dividenden, sondern betrachte das Aktienpaket des Bundeslands als langfristige strategische Investition zur Unterstützung der regionalen Wirtschaft.

Eine Dividendenkürzung hätte keine direkten Auswirkungen auf bestehende öffentliche Projekte, da deren Finanzierung in früheren Haushalten berücksichtigt sei, teilte ein Sprecher des niedersächsischen Finanzministeriums per E-Mail mit.

Eine Entscheidung über eine mögliche Dividende sei noch nicht gefallen, und daher sei jeder Kommentar über einen etwaigen Dividendenausfall derzeit reine Spekulation, sagte Albrecht Bamler, Sprecher der Porsche Automobil Holding SE, der Holdinggesellschaft der Beteiligungen der Familien Porsche und Piëch. Ein Sprecher der Qatar Investment Authority in London lehnte einen Kommentar ab.

Quelle:  Handelsblatt Online
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