Vor der EZB-Sitzung: Banken greifen Draghi an

Vor der EZB-Sitzung: Banken greifen Draghi an

, aktualisiert 09. März 2016, 13:16 Uhr
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Der Frust der Banker über die Geldpolitik der Notenbank ist groß.

Quelle:Handelsblatt Online

Sowohl die Genossenschaftsbanken als auch die privaten Geldhäuser attackieren die Spitze der europäischen Notenbank. Wegen der lockeren Geldpolitik drohe ein Abwertungswettlauf, der keine Gewinner kenne.

FrankfurtDie deutschen Banken haben vor der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag ihrem Frust über die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank Luft gemacht. „Der geldpolitische Aktionismus schadet dem Ruf der EZB. Der Eindruck drängt sich auf, EZB-Präsident Mario Draghi betreibe Geldpolitik mit der Brechstange“, sagte Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR).

Die deutschen Privatbanken sehen bei einer erneuten geldpolitischen Lockerung durch die EZB sogar die Gefahr eines Währungskrieges aufziehen. „Am Ende droht ein Abwertungswettlauf, der keine Gewinner haben wird“, sagte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer. Ein weiteres Öffnen der Geldschleusen könne in zahlreichen Ländern zu Gegenmaßnahmen führen. Er rät den Währungshütern in Frankfurt deshalb zu einer „Politik der ruhigen Hand“.

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Die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe hatten schon am Dienstag ihre Kritik an der Zentralbank geäußert. „Die EZB leistet mit übereilten geldpolitischen Maßnahmen einer Krisenstimmung und damit einem weiteren Vertrauensverlust im Euro-Raum Vorschub“, hieß es in einem gemeinsamen Positionspapier der Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe.

„Die Geldpolitik ist für Deutschland komplett falsch“, betonte auch Genossenschaftler Fröhlich. Man sehe, dass die Sparquote sinke und wie die Immobilienpreise in den Ballungsräumen stiegen. Getroffen werden die Banken vor allem durch die Minizinsen in der Euro-Zone und den Strafzins der EZB, den Banken zahlen, wenn sie sehr kurzfristig Geld bei der EZB parken.

Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank an diesem Donnerstag beschließen wird, die Summe ihres Wertpapier-Kaufprogramms von aktuell 60 Milliarden Euro pro Monat zu erhöhen. Außerdem könnte der Strafzins für die sogenannten Übernachteinlagen, der zurzeit bei minus 0,3 Prozent liegt, auf minus 0,4 Prozent verschärft werden. Die EZB will Finanzinstitute dazu bewegen, mehr Kredite zu vergeben und damit die Konjunktur anzuschieben sowie die niedrige Inflation anzuheizen.

Durch die niedrigen Zinsen sinkt jedoch die Marge im Kreditgeschäft – dem Brot- und Buttergeschäft etwa der Volks- und Raiffeisenbanken. Deshalb zeigt sich besonders bei ihnen das Dilemma: Obwohl die genossenschaftlichen Kreditinstitute 2015 mehr Darlehen vergaben und auch ihren Marktanteil leicht steigern konnten, sank der Zinsüberschuss. So wuchs das Kreditneugeschäft um fast fünf Prozent, der Zinsüberschuss gab aber leicht nach.

„Negative Notenbankzinsen können aufgrund des Wettbewerbsdrucks von den Banken kaum an die Kunden weitergegeben werden“, sagte auch Privatbanker Michael Kemmer. „Die Erträge der Finanzinstitute geraten daher massiv unter Druck.“ Das beeinträchtige deren Fähigkeit, ihr Eigenkapital und damit längerfristig ihre Kreditvergabe zu stärken. Gesunkene Zinsmargen könnten dazu führen, dass Banken ihre Kreditzinsen erhöhen, um die Geschäftskosten zu decken. „Das wäre genau das Gegenteil von dem, was die Notenbank beabsichtigt“, sagte Kemmer.

Die Instrumente der Geldpolitik hätten sich abgenutzt, kritisierte auch BVR-Präsident Fröhlich. „Schon das großvolumige Anleihekaufprogramm vom Januar 2015 hat wenig gebracht.“ Er sieht die Zentralbank zunehmend in einer Glaubwürdigkeitsfalle. Die Diskussion um die Abschaffung des Bargelds trage dazu bei. Die EZB plant, den 500-Euro-Schein abzuschaffen. Befürworter sehen darin eine Chance, der Geldwäsche beizukommen. Gegner meinen, das sei erst der Anfang in Richtung einer Abschaffung des Bargelds.


Gute Zahlen der Genossenschaftsbanken 2015

Insgesamt verdienten die gut 1.000 Genossenschaftsbanken 2015 aber sogar etwas mehr als im Vorjahr, wie sie bei der Vorstellung ihrer Jahreszahlen sagten. Der Jahresüberschuss nach Steuern stieg nach vorläufigen Berechnungen leicht auf 2,1 Milliarden Euro. Das lag vor allem daran, dass die Häuser weniger in den Fonds für allgemeine Bankrisiken einzahlten.

Neben den Minizinsen ringen die Volks- und Raiffeisenbanken, von denen einige sehr klein sind, mit vielen neuen Vorgaben. „Auch das laufende Geschäftsjahr wird wieder durch die Themen Niedrigzinsen und Regulierung bestimmt sein“, sagte BVR-Vorstand Andreas Martin.

Aufgrund schärferer Regulierungsvorgaben fusionieren zudem einige Häuser. 2015 sank die Zahl um 26 auf 1.021. Die Zahl der Filialen sank um 510 auf 12.260. Auch in diesem Jahr haben bereits etliche Volks- und Raiffeisenbanken Filialschließungen angekündigt.

Fröhlich zeigte sich dennoch optimistisch – besonders im Vergleich zur Konkurrenz von privaten Banken und Sparkassen: „Wir glauben, dass wir die am besten aufgestellte deutsche Bankengruppe sind.“ Kundenzuspruch gibt es jedenfalls: 2015 kletterte die Zahl der Genossenschaftsmitglieder, die damit Teilhaber an den Banken sind, auf 18,3 Millionen Personen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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