Vorbereitung auf den Brexit: Die lange Nacht der Londoner Banker

Vorbereitung auf den Brexit: Die lange Nacht der Londoner Banker

, aktualisiert 07. Juni 2016, 11:57 Uhr
Bild vergrößern

Bis 22 Uhr Londoner Zeit sind die Wahllokale in Großbritannien geöffnet. Ob die Mehrheit der Briten in der EU bleiben will oder nicht, wird erst am nächsten Morgen bekanntgegeben.

Quelle:Handelsblatt Online

Politiker sind nicht die einzigen, die sich auf eine lange Nacht einstellen, wenn die Briten am 23. Juni über den Verbleib in der Europäischen Union abstimmen. Auch Devisenhändler werden kaum ein Auge zutun.

LondonJPMorgan Chase, Royal Bank of Scotland Group (RBS), Morgan Stanley und Lloyds Banking Group wollen Händler über Nacht in ihren Londoner Büros behalten, um die Märkte zu beobachten und Aufträge von Kunden abzuwickeln, wenn die Ergebnisse der Abstimmung hereinkommen. Das erfuhr Bloomberg von Personen, die mit den Planungen vertraut sind.

Devisenhändler, deren Märkte 24 Stunden am Tag offen sind, gehören zu jenen, die am wahrscheinlichsten in den Büros bleiben werden. JPMorgan, die Bank mit Sitz in New York, hat rund 16.000 Mitarbeiter in Großbritannien. Der Konzern hat Hotelzimmer für Händler in Canary Wharf gebucht, wie eine der informierten Personen gegenüber Bloomberg berichtete. Eine andere Person erklärte, RBS werde einige führende Devisenhändler über Nacht in London haben. Um einige Handelsgeschäfte werde sich von den Handelszentren in den USA und in Asien aus gekümmert.

Anzeige

Die Abstimmung läuft bis um 22 Uhr Londoner Zeit am 23. Juni. Banken und Hedgefonds haben bei Meinungsforschern nachgefragt, wie sie am Tag der Entscheidung an Informationen kommen können, wie Mitarbeiter der Umfragefirmen im vergangenen Monat berichteten. Der Bedarf an Informationen ist groß, da keine offizielle Wählerbefragung beim Verlassen der Wahllokale zur späteren Veröffentlichung durchgeführt wird. Es ist unklar, wann erste Ergebnisse einen klaren Trend zum Ausgang des Votums zeigen werden. Das Endergebnis soll nicht vor dem nächsten Morgen veröffentlicht werden.

Die Volatilität beim Pfund nahm bereits im Vorfeld des Referendums deutlich zu. Führende Banker hatten davor gewarnt, dass ein Brexit zu einem Stellenabbau in den eigenen Reihen in London führen könnte. Doch das Handelsvolumen rund um die Abstimmung wird sich womöglich als Segen für die schwächelnden Wertpapiersparten erweisen.

Die Devisen-Handelserlöse bei den größten Investmentbanken waren im ersten Quartal um 32 Prozent eingebrochen, verglichen mit demselben Zeitraum des Vorjahres. Das zeigen Daten von Coalition Development. „Ein volatiler Juni, angetrieben von der Unsicherheit rund um das britische EU-Votum, könnte den Devisen-Erlösen helfen“, schrieb JPMorgan-Analyst Kian Abouhossein am Montag in einer Notiz an Kunden.


Bankchefs warnen vor einem Brexit

Selbst Aktienhändler, bei denen die Markt-Öffnungszeiten geregelter sind, werden länger als gewöhnlich an ihren Schreibtischen bleiben. Bei Mint Partners, einer Sparte von BGC Brokers, werden die Londoner Mitarbeiter bis 21 Uhr im Büro bleiben, und Kollegen in den USA und Asien werde eine breitere Abdeckung mit Fokus auf den möglichen Brexit bieten. Das sagte Parag Patel, ETF-Handelschef bei dem Unternehmen. ETX Capital, ein Londoner Broker, wird Essen und Taxis für rund 20 Händler und andere Mitarbeiter zur Verfügung stellen, die die Nacht durcharbeiten, verriet Handelschef Joe Rundle. Außerdem soll es einen kleinen Bonus geben.

Die Anzahl der Mitarbeiter rund um wichtige makroökonomische Ereignisse hochzufahren, ist nicht ungewöhnlich für Banken und Broker. Vergangenen Juli hatten Devisenhändler ihr Wochenende vorzeitig beendet, um auf das damalige Griechenland-Referendum zu den Bedingungen des Bailout-Pakets reagieren zu können.

Banker wie JPMorgan-Chef Jamie Dimon, Stuart Gulliver von HSBC Holdings und John Cryan von der Deutschen Bank hatten gewarnt, sie würden bei einem Brexit einige Aktivitäten und Tausende Mitarbeiter von London an andere europäische Standorte verlagern müssen - wegen möglicher aufsichtsrechtlicher Hürden und Kundenwünschen.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%