Vorstandschefs zur US-Wahl: „Mit Zementwerken in Texas und Arizona gut vorbereitet“

Vorstandschefs zur US-Wahl: „Mit Zementwerken in Texas und Arizona gut vorbereitet“

, aktualisiert 09. November 2016, 22:00 Uhr
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„Atom-Football“ heißt der etwas überdimensionierte Aktenkoffer, mit dessen Hilfe der Präsident den Abschuss von Nuklearwaffen befehlen kann.

von Martin DowideitQuelle:Handelsblatt Online

Sollte Donald Trump seine Mauer zu Mexiko bauen, steht ein deutscher Konzern als Lieferant parat. Der Chef der wertvollsten Bank macht sich Gedanken – und der Starbucks-Boss ist baff. Reaktionen von CEOs zur US-Wahl.

WashingtonDer Chef des deutschen Software-Konzerns SAP, Bill McDermott, ist Amerikaner. Am Tag vor der Wahl hat er per Twitter dazu aufgerufen, wählen zu gehen. Am Tag danach – Donald Trump steht als künftiger US-Präsident fest – zeigt sich McDermott beeindruckt von den ersten Reden Trumps, des amtierenden Präsidenten Barack Obama und der unterlegenen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Die Reden hätten „auf Einigkeit gedrängt“, so McDermott. Jetzt sei es Zeit, sich auf die Zukunft zu konzentrieren – und ergänzt an das Handelsblatt gerichtet: „Europa und die USA brauchen eine starke transatlantische Partnerschaft.“

Wie sich der Handel zwischen den beiden Weltregionen entwickeln wird, könnte der künftige Präsident Trump durchaus beeinflussen. Denn der 70-Jährige hat seine Wähler auch wegen seiner großen Skepsis gegenüber dem Freihandel hinter sich vereinigen können. Das Handelsabkommen mit Mexiko und Kanada (Nafta) will er nach dem Amtsantritt am 20. Januar schnellstmöglich neu verhandeln. Und immer wieder hat er angekündigt, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu errichten.

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HiedelbergCement als Lieferant für Bollwerk gegen Mexiko?

Auf dieses Vorhaben hatten sogar schon vor der Wahl die Aktien von Baustoffherstellern positiv reagiert. Und am Tag der Wahl sagt der Chef des deutschen Konzerns HeidelbergCement dem Handelsblatt, dass sein Unternehmen durchaus als Lieferant für ein solches Bauwerk in Frage käme: „Wenn [die Mauer realisiert wird], wären wir mit Zementwerken in Texas und Arizona gut vorbereitet“, so HeidelbergCement-Chef Bernd Scheifele (Hier das komplette Statement). Die Aktie des Unternehmens legte am Mittwoch 4,4 Prozent zu. Gut war am Markt auch angekommen, dass Scheifele trotz verfehlter Gewinnschätzungen den Jahresausblick bekräftigte.

Der Chef der Kaffeehaus-Kette Starbucks schrieb an Mitarbeiter und veröffentlichte die Stellungnahme in einem Firmenblog. „Ich bin baff“, schrieb Howard Schultz. Es sei noch zu früh abzuschätzen, welchen Einfluss die Wahl auf die USA und den Rest der Welt haben werde. Aber auch er setzt darauf, dass sich die im Wahlkampf herausgestellte gesellschaftliche Spaltung des Landes abmildert: „Ich hoffe, dass wir die bösartigen Äußerungen und Konflikte eines so bislang nicht gekannten Wahlkampfs überwinden werden können.“ Jeder Mensch habe die Wahl: „Heute und an jedem einzelnen Tag, können wir entscheiden, wie wir miteinander umgehen – zu Hause, in unseren Wohnorten und natürlich in unseren Geschäften.“


Statement des JP-Morgan-Chefs und großer Industriekonzerne

Auch der Chef der wertvollsten Bank der Welt, Jamie Dimon vom Institut JP Morgan, wandte sich an die Beschäftigten des Konzerns mit Sitz in New York. Der Tenor ähnelt dem von McDermott und Schultz. Auch Dimon befürchtet zwar, dass es nach dem Wahlkampf „schwieriger sein dürfte, Differenzen beizulegen“. Aber es werde jetzt von noch größere Bedeutung sein, „Amerikaner mit verschiedenen Lebensentwürfen zu vereinen“. Die Vielfalt des Landes sei eine der wichtigsten Stärken.

Vor der Wahl Trumps hatte sich keiner der Chefs der hundert größten Unternehmen des Landes für die Kandidatur des Republikaners ausgesprochen. Bereits am ersten Tag nach der Wahl versuchen sie aber einem Dialog den Weg zu bereiten. Die Vorstandschefs von mehr als 1.100 Firmen haben einen gemeinsamen Brief an Trump verfasst und ihn dazu aufgefordert, „das Vertrauen in die wichtigsten wirtschaftlichen und politischen Institutionen wieder herzustellen“.

Das Schreiben hat der Verband der fertigenden Unternehmen (National Association of Manufacturers) aufgesetzt, denen die Chefs von Boeing, Coca-Cola und Caterpillar angehören. Über das Schreiben hatte zunächst die Financial Times berichtet. Der Tenor auch hier: Das Land könne sich nicht fortentwickeln, wenn es geteilt sei und gegenseitiges Misstrauen herrsche – „insbesondere nach einer solch schwierigen Wahl“.

Der Chef des SAP-Konkurrenten Salesforce, Mark Benioff, äußerte sich ebenfalls via Twitter: „Was Amerika großartig macht, ist unsere Demokratie. Jetzt ist die Zeit, als eine Nation zusammen zu stehen.“ Der Chef des kürzlich von Microsoft gekauften sozialen Netzwerks LinkedIn, Jeff Weiner, erinnerte an die „Ideenfülle, Widerstandskraft und Entschlossenheit“, die die USA auszeichneten – der lange Wahlkampf habe den Blick darauf verdeckt.

Der Chef des Startup-Investors 500 konnte sich auf einer Konferenz im Silicon Valley nicht so diplomatisch äußern. Er hielt eine lautstarke Ansprache, weshalb die Technologiebranche etwas unternehmen müsse, dass „so etwas nicht passiert“.

Trump hatte im Wahlkampf versprochen, durch die Globalisierung verloren gegangene Arbeitsplätze in das Land zurückzuholen. Er hatte regelmäßig Firmen für die Verlagerung von Jobs ins Ausland öffentlich kritisiert, unter anderem Ford, United Techonologies oder Honeywell. Er drohte damit, künftig Strafzölle auf Produkteinfuhren zu erhängen, wenn Fabriken in andere Staaten verlegt werden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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