Vorstandssitzung: Was uns dieses Foto über die Deutsche Bank verrät

Vorstandssitzung: Was uns dieses Foto über die Deutsche Bank verrät

, aktualisiert 22. März 2017, 12:24 Uhr
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Das Sakko abzulegen ist im Vorstand des deutschen Kreditinstituts offenbar nicht verpönt.

von Martin Dowideit und Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Ein Schnappschuss der Deutschen Bank bietet einen Einblick in eine Vorstandssitzung. Wer genau hinschaut, kann ein paar nette Details erschließen. Und darf sich von zu viel Offenheit nicht blenden lassen.

Düsseldorf/FrankfurtFotos aus laufenden Vorstandssitzungen deutscher Großkonzerne sind eine Seltenheit. Die Deutsche Bank macht eine Ausnahme: Sie kämpft um ihr Ansehen seit sie Milliardenstrafen unter anderem für Zins- und Devisenmanipulationen zahlen musste – und wählt mehr Offenheit als Antwort auf die Skepsis, die ihr entgegen schlägt.

Kommunikationschef Jörg Eigendorf veröffentlichte am Dienstagabend daher ein Foto, das ein Kamerateam der ARD zeigt, das für einen Beitrag in einer von Vorstandschef John Cryan geleiteten Vorstandssitzung drehen durfte. Der Schnappschuss erlaubt einen außergewöhnlichen Blick in die Bank. Wenn auch der Vorstand des Dax-Konzerns natürlich auf den Besuch des Fernsehteams vorbereitet worden war und sich vielleicht nicht ganz so gegeben hat, wie in Fällen ohne Beobachtung.

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Rund um einen langen Tisch mit mindestens sechs lederbezogenen Stühlen in klassischem Stahlrohr-Design an jeder Seite, zeigt das Foto sieben Personen. Auf der linken Seite sitzt Vorstandschef John Cryan, in seinen Händen ein Tablet-Computer mit einem Klappständer. Das Display ist extrem dunkel – der CEO nutzt einen Blickschutz, verrät sein Sprecher auf Nachfrage.

Neben dem riesigen Bildschirm an einer Kopfseite des Raums sind zwei Kameras auf die Teilnehmer im Raum gerichtet: Per Videokonferenz wird ihr Bild aus Frankfurt zu zwei zugeschalteten Kollegen übertragen. Etwa in Lebensgröße ist links auf dem Großbildschirm Kim Hammonds zu sehen, Vorständin für Technologie, hinter ihr ein Kunstwerk. Auf der rechten Seite ist Stuart Lewis elektronisch bei der Sitzung anwesend. Er ist der Risikovorstand der Bank. Die Kulisse hinter ihm lässt keinen Schluss zu, wo er wirklich sitzt. Hammonds sprach aus New York, Lewis aus Singapur, erklärt der Sprecher.

Zwischen den sechs Männern und der Vorständin für Regeleinhaltung, Sylvie Matherat, stehen im Frankfurter Konferenzraum viele Flaschen Mineralwasser – und auch Erfrischungsgetränke wie Coca-Cola und Säfte. Die Teilnehmer nippen aber allenfalls Wasser. Krawatte und Hemden mit Manschetten sind für die Herren Pflicht, aber das Sakko abzulegen ist nicht verpönt.

Neben Cryan sind am Tisch noch vertreten: Gary Ritchie, Kapitalmarktchef, Werner Steinmüller (Asienchef), Nicolas Moreau (Vermögensverwaltung Deutsche Asset Management, ohne Sakko), Karl von Rohr (Personal, Recht) und – vom rechten Bildrand hereinragend – Christian Sewing (Privatkunden und Co-Vorstandschef). Nicht dabei oder außerhalb des Bildausschnitts sind Co-Vorstandschef Marcus Schenck und Noch-Investmentbankingchef Jeff Urwin.


Gesprochen wird englisch, ein Bild ist 6.000 Euro wert

Auch ein Blick in die Kunstsammlung der Bank lässt sich erhaschen – an der Kopfwand des Raums neben den Monitoren hängt ein Bild. Eine Fotorecherche über Google gibt Details zu dem Werk preis. Es muss sich um eine Lithografie des Künstlers Philip Guston aus dem Jahr 1980/81 handeln – erschienen in einer Auflage von 50 Stück. Sie ist für etwas weniger als 6.000 Euro auch jetzt noch im Kunsthandel zu erstehen. Ein weiteres Exemplar ist zum Beispiel im Besitz der Tate in London.

Niemand trägt einen Knopf im Ohr oder ein Headset, so dass klar ist: hier wird englisch gesprochen – und zwar von Gary Ritchie im Moment der Aufnahme. Es ist in diesem Moment Dienstag, 12.09 Uhr Frankfurter Zeit, wie eine von sechs Digitaluhren an der Wand zeigt. Fünf weitere Uhren zeigen die Zeiten in New York (6.09 Uhr), London (11.09 Uhr) sowie in Mumbai, Singapur und Tokio. Der globale Anspruch der Bank ist hier zu erkennen, auch wenn der jüngste Strategieschwenk eine Betonung der Marktposition auf das Geschäfts auf dem Heimatmarkt enthielt.

Das Team aus Tontechniker und Kameramann im Bildvordergrund hält etwas Abstand zur Gruppe der Sitzungsteilnehmer. In wenigen Wochen werden die Bilder in der ARD einen noch besseren Eindruck in das Innere der Bank geben können. Bis das gefilmte Material in einer Dokumentation gesendet werde, vergehe aber noch einige Zeit, so Kommunikationschef Eigendorf.

Die neue Offenheit bedeutet jedoch keinesfalls, dass die Probleme der Bank verschwunden sind. Im vergangenen Jahr bröckelte die Marktposition im Investmentbanking, die Bank muss ihre Aktionäre derzeit um frisches Kapital bitten (die Kapitalerhöhung läuft) und die Gehälter für viele Beschäftigte fallen wegen des eisernen Sparkurses niedriger aus.

Quelle:  Handelsblatt Online
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