Vorwurf der Vergewaltigung: Angebliches Trump-Opfer sagt Pressekonferenz ab

Vorwurf der Vergewaltigung: Angebliches Trump-Opfer sagt Pressekonferenz ab

, aktualisiert 03. November 2016, 05:08 Uhr
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Skandale über Skandale: Eine Frau, die sich am Mittwoch der Öffentlichkeit präsentieren wollte, wirft dem US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump vor, sie im Alter von 13 Jahren vergewaltigt zu haben. In letzter Minute sagte das angebliche Opfer die Pressekonferenz ab.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

In letzter Minute hat ein angebliches Vergewaltigungsopfer von Donald Trump die angesetzte Pressekonferenz abgesagt. Aus Angst um ihr Leben, so ihre Anwältin. Weil alles nur erlogen sei, so Trump-Befürworter.

San FranciscoNur Momente vor einer für 15 Uhr (Ortszeit) angesetzten Pressekonferenz in Los Angeles trat Anwältin Lisa Bloom vor die Anwesenden und blies die gesamte Veranstaltung ab. „Jane Doe“, so das Pseudonym des angeblichen Vergewaltigungsopfers von US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump, habe „heute zahlreiche Drohungen erhalten“. So wie „alle Kläger gegen Trump, die ich vertrete“, betonte Bloom. „Sie lebt in Angst. Sie war den ganzen Tag hier, bereit sich zu zeigen, doch unglücklicherweise lebt sie in irrsinniger Angst.“ Die Klägerin wollte sich erstmals öffentlich äußern.

Es wäre der neue Höhepunkt des schon ohnehin mit Skandalen gepflasterten US-Wahlkampfes geworden. Die Klägerin behauptet, sie sei 1994 im Alter von 13 Jahren von Donald Trump vergewaltigt worden. Um ihre Identität zu wahren und sie vor Verfolgung, Erniedrigung und Anfeindung zu schützen, hatte das zuständige Gericht eingewilligt, den Fall zumindest vorerst anonym zu behandeln. Jetzt wollte sie sich zeigen und entschied sich dann in letzter Minute doch anders.

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Nachfragen per Telefon und E-Mail bei der Kanzlei, ob ein neuer Termin angesetzt werde, blieben bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Die Webseite der Anwaltsfirma „The Bloom Firm“, die die Klägerin vertritt, war am Mittwoch nur schwer oder zeitweilig gar nicht mehr erreichbar. „Unsere Firmenwebseite ist wohl gehackt worden, unsere E-Mails auch“, tweetete Anwältin Lisa Bloom. „Anonymous übernimmt die Verantwortung.“

Die Vorwürfe in dem Fall haben es in sich. Es geht um sexuelle Handlungen an Minderjährigen, in mindestens einem Fall um Vergewaltigung. Die Rede ist von Fesselungen, Bedrohungen und Gefügigmachen durch Schläge. Zu den Misshandlungen soll es auf Partys in den Wohnungen von Jeffrey Epstein gekommen sein, einem langjährigen Freund von Donald Trump, der mittlerweile wegen Pädophilie verurteilt ist. Den Mädchen sei nach den Taten damit gedroht worden, ihnen und ihren Familien werde etwas zustoßen, sollten sie reden.

Das Trump-Team weist sämtliche, erstmals im Juni veröffentlichten Anschuldigungen zurück. Sie seien „unwahr“, „politisch motiviert“ und „vollständig erlogen“. Doch der Fall bekam nach der Veröffentlichung von kompromittierenden Tonaufnahmen neue Brisanz und Glaubwürdigkeit. Trump hatte damit geprahlt, er könne sich alles gegenüber Frauen herausnehmen: „Wenn du ein Star bist“, so Trump auf den Aufnahmen, „kannst du ihnen auch einfach in den Schritt greifen“.

Im Internet interpretieren Kritiker und Befürworter von Trump die Absage der Pressekonferenz auf jeweils eigene Art: Durch den Rückzieher zeige sich einmal mehr, dass die gesamte Aktion nur erlogen sei, so der Tonus der Trump-Verteidiger.

Die Hacker-Aktion gegen die Anwaltsfirma und die angeblichen Todesdrohungen gegen die anonyme Frau zeigten im Gegenteil nur einmal mehr, dass das Trump-Lager zu allem fähig ist, so die Kritiker des republikanischen Präsidentschaftskandidaten.

Trump selbst folgt einer Taktik, die wohl von seinen eigenen Skandalen ablenken soll: Er weist immer wieder darauf hin, dass seine Konkurrentin Hillary Clinton seiner Meinung nach korrupt sei und ins Gefängnis gehöre. Da gegen sie ermittelt werde, dürfe sie eigentlich nicht kandidieren. Demgegenüber stehen allerdings zahlreiche Ermittlungen gegen ihn, zumeist wegen angeblicher Betrugsfälle oder Zweckentfremdung von Wahlkampfgeldern, aber auch wegen sexueller Übergriffe.

Die Vergewaltigung einer Minderjährigen wäre aber mit Abstand der schlimmste aller Vorwürfe gegen Trump. Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner hat bereits angekündigt, er werde nach der Wahl alle Frauen verklagen, die ihn der sexuellen Übergriffe bezichtigt haben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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