Vulkan Katla: Island wartet auf den großen Ausbruch

Vulkan Katla: Island wartet auf den großen Ausbruch

, aktualisiert 06. September 2017, 08:44 Uhr
Bild vergrößern

Der Ausbruch des isländischen Vulkans führte seinerzeit zu massiven Beeinträchtigungen im Flugverkehr.

Quelle:Handelsblatt Online

Vor sieben Jahren legte der Ausbruch des Eyjafjallajökull auf Island den Flugverkehr lahm. Nun wird der benachbarte Vulkan Katla unruhig. Welche Folgen ein möglicher Ausbruch haben könnte, ist kaum abzusehen.

VikDie Menschen im isländischen Örtchen Vik nehmen die Situation mit Humor: Nur einmal genießt in der Nähe des Vulkans Katla, und schon wird ein Seismologe in Reykjavík die Erschütterung analysieren, scherzen sie. Der Hintergrund ist ernster. Seit dem Sommer haben die seismischen Aktivitäten um die Katla zugenommen und die Isländer achten auf das kleinste Zeichen für einen Ausbruch.

Zuletzt ist die Katla im Jahr 1918 ausgebrochen. Niemals seit Beginn der Aufzeichnungen im 12. Jahrhundert sind bislang 99 Jahre ohne eine Eruption des Vulkans vergangen. Acht der letzten zehn Ausbrüche ereigneten sich in der Zeit von September bis November, als die Gletscherschmelze Bedingungen geschaffen hatte, die nach Einschätzung von Experten dafür sorgten, dass das Magma hervorbrechen kann.

Anzeige

Vik, ein Örtchen an der Küste, ist bekannt für seinen schwarzen Sandstrand und die rot-gedeckte Kirche. Die 543 Einwohner sind auf das Schlimmste vorbereitet. Im Falle eines Ausbruchs erhält jeder im regionalen Handynetz eine Textnachricht. Die Menschen sind dann angehalten, nach ihren Nachbarn zu sehen und sich in die Kirche zu begeben, die sich in einer vom Berg geschützten Lage befindet.

Sorgen bereiten den Behörden vor allem die Touristen. Sie seien „die größte Herausforderung“, sagt Vidir Reynisson vom Katastrophenschutz. „Sie sind in großen Zahlen da, sie sind verstreut und sie kennen die Notfallmaßnahmen wahrscheinlich nicht so gut wie die Einheimischen.“

Eine mächtige Eisschicht liegt über dem Vulkan

Von Islands 30 aktiven Vulkanen wird keiner so genau beobachtet wie die Katla. Sie liegt unter einer Hunderte Meter dicken Eisschicht, was bedeutet, dass im Falle eines Ausbruchs das Eis wahrscheinlich schmelzen und große Überschwemmungen verursachen wird. Deswegen planen die Behörden eine Evakuierung der gesamten Küstensüdspitze des Landes.

In den vergangenen elf Monaten hat die für die Vulkane zuständige Wetterbehörde zweimal die Alarmstufe erhöht, die derzeit auf Stufe „erhöhte Unruhe“ steht. In Besorgnis versetzten die Menschen auch mehrere leichte, aber an Stärke zunehmende Erdbeben, die dazu führten, dass natürliche Schmelzwasserkammern aufbrachen und den Fluss Mulakvisl bei Vik überfluteten.

Im Schnitt gibt es alle fünf Jahre ein größeres vulkanisches Ereignis in Island. Der Ausbruch des Eyjafjallajokull im Jahr 2010 hatte zur Folge, dass weltweit Millionen Reisende festsaßen, weil über sieben Tage hinweg mehr als 100.000 Flüge ausgesetzt werden mussten – aus Sorge, die Vulkanasche in der Atmosphäre könnte die Flugzeugmotoren beschädigen.


Drehkreuz für Vulkan-Touristen

Ironischerweise trug der Trubel rund um die Eyjafjallajokull-Eruption zum derzeitigen Touristenboom in Island bei. 2,4 Millionen Besucher werden bis zum Jahresende erwartet, so viel wie nie zuvor. Im Jahr 2006 waren es noch 400.000 gewesen. Etwa die Hälfte der Gäste besucht laut Tourismusbehörde auch den Ort Vik.

Die Tests für das Warnsystem via Handy verliefen gut, das in Europa in Grundzügen schon für die Warnung vor Waldbränden eingesetzt wurde. Touristen sollen sich nach den Plänen der Behörden eine Warn-App herunterladen, die die Menschen in mehreren Sprachen informieren kann. Regionen mit schwacher Funkabdeckung sollen mit Drohnen nach Menschen abgesucht werden, wenn es zum Ausbruch kommt.

Magnus Tumi, Geophysiker an der Universität von Island, verweist darauf, dass die lange Zeit seit dem letzten Ausbruch kaum Schlüsse darauf zulasse, was passieren werde, wenn es zur Eruption komme. „Anders als bei vielen anderen Vulkanen in Island, trägt bei Katla eine lange Pause nicht zur Stärke der nächsten Eruption bei“, sagt er.

Sara Barsotti, Vulkanexpertin bei der Wetterbehörde, verweist darauf, dass die Katla eine größere Magma-Kammer habe als der benachbarte Eyjafjallajokull. Das bedeute aber nicht, dass dann auch die Auswirkungen auf den Flugverkehr nach einem Ausbruch größer wären.

Alles hängt von den Windbedingungen ab

Die Fluggesellschaften seien heute besser vorbereitet als vor sieben Jahren, sagt sie. Die Entscheidung darüber, ob es sicher sei zu fliegen, liege inzwischen mehr bei den einzelnen Fluglinien als bei einer zentralen Regulierungsbehörde. Grundsätzlich habe die Asche das Potenzial, Europa zu erreichen, sagt Barsotti. Aber das hänge letztlich von den Windbedingungen ab.

Das einst verschlafene Vik ist in den vergangenen sieben Jahren ein Drehkreuz für Touristen geworden. Gab es dort vor dem Eyjafjallajokull-Ausbruch 400 Hotelbetten, so sind es heute 1600. Dort arbeiten vor allem Saisonkräfte aus aller Welt. Sie wurden kürzlich auf einer Veranstaltung auf Englisch informiert, weil viele von ihnen kein oder kaum Isländisch sprechen.

Bürgermeister Asgeir Magnusson erklärte, das Dorf könne sich nur vorbereiten und auf das Beste hoffen. „Die Katla zu kontrollieren ist nicht meine Gehaltsklasse, denke ich“, sagte er. „Alles, was wir sicher wissen, ist, dass wir uns mit jedem Tag dem nächsten Ausbruch nähern.“

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%