Wahlkampf für die Republikaner: Konservative Milliardäre schreiben Trump ab

Wahlkampf für die Republikaner: Konservative Milliardäre schreiben Trump ab

, aktualisiert 17. Oktober 2016, 21:20 Uhr
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Die AFP (Americans for Prosperity) wollen die Republikaner in den USA retten – und blenden dafür Trump völlig aus.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Milliardärsbrüder Koch geben hunderte Millionen Dollar für republikanische Kandidaten aus – doch das Weiße Haus haben sie aufgegeben. Die Konservativen versuchen alles, um zumindest die Mehrheit im Senat zu retten.

Fairless HillsFür die Republikaner in den roten T-Shirts scheint Donald Trump nicht einmal zu existieren. „Können uns Katie nicht leisten“ steht auf ihren Shirts, und sie ziehen im US-Staat Pennsylvania von Tür zu Tür. Sie wollen potenzielle Wähler davon überzeugen, dass die Demokratin Katie McGinty keinesfalls Senatorin werden dürfe.

Sie unterstützen den republikanischen Amtsinhaber Pat Toomey und wollen zudem, dass dessen Partei die Kontrolle über den Senat behält. Von Trump ist nicht die Rede. Die Aktivisten sind Freiwillige und Angestellte von Americans for Prosperity (Amerikaner für Wohlstand). Die Gruppe wird von den konservativen Milliardären Charles und David Koch finanziert.

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Ähnliche Szenen spielen sich in North Carolina, Florida und Ohio ab. In den vier Staaten ist das Rennen um die Senatssitze besonders eng. Auch der Ausgang der Präsidentschaftswahl könnte sich dort entscheiden. Doch die Aktivisten sollen in ihren Gesprächen mit Millionen Wählern kein Wort über Donald Trump oder Hillary Clinton verlieren, obwohl sie sich seit Jahren auf die Bekämpfung der Demokratin vorbereitet haben.

Vor vier Jahren gaben die Kochs vergeblich enorm viel Geld aus, um die Wiederwahl von Barack Obama zu verhindern. Nun setzen sie alles daran, dass der Senat in republikanischer Hand bleibt. Und ihre Ressourcen sind stattlich: In den zwei Jahren bis zum Wahltag dürften sie dafür am Ende 250 Millionen Dollar (rund 230 Millionen Euro) ausgegeben haben. Die Brüder und viele ihrer wohlhabenden Freunde, die das sogenannte Koch-Netzwerk finanzieren, haben aber kein Interesse daran, Trump zu unterstützen.

In einem Fernsehinterview im April nannte Charles Koch Clinton und Trump „schreckliche Vorbilder“ und zog über Trumps „monströsen“ Vorschlag her, ausländischen Muslimen die Einreise in die USA vorübergehend zu verbieten. Statt dessen gaben Koch-Gruppen etwa 42 Millionen Dollar für Fernseh-, Radio- und Digitalwerbung für den Senatswahlkampf aus. Jetzt rücken sie von den Medien ganz ab und konzentrieren ihre Mittel auf einen entscheidenden Faktor, der bisher vernachlässigt wurde: Haustürwerbung.

Trumps Wahlkampfteam meidet diese traditionelle politische Routinearbeit, sie blieb an den überarbeiteten Mitgliedern der nationalen Republikanischen Partei und ihren Ablegern in den Einzelstaaten hängen. Diese müssen die Werbetrommel für sämtliche Kandidaten rühren, von Trump bis hinunter zum Gemeinderatsmitglied. Gerade für den Senatswahlkampf kann die Partei Unterstützung gebrauchen.

Hier kommt das Koch-Netzwerk ins Spiel. Americans for Prosperity (AFP) beschäftigen mehr als 1200 Mitarbeiter in 36 Staaten. Um so effektiv wie möglich zu arbeiten, machte das Datenanalysezentrum der Kochs fünf Millionen Wähler in acht Staaten aus, die das Rennen um den Senat entscheiden könnten. Diese Wähler sind entweder Republikaner, denen in diesem Jahr die rechte Begeisterung fehlt, oder Personen, die sich noch nicht ganz entschieden haben, aber dem republikanischen Lager zuneigen. Etwa 600.000 dieser Schlüsselwähler leben in Pennsylvania.


Wichtige Bezirke in den USA

Im Bezirk Bucks, einem der am stärksten umkämpften im ganzen Land, zogen die AFP kürzlich sogar Angestellte aus New Jersey hinzu, wo 2016 kein Senator gewählt wird. In New Hampshire verweigern die Kochs der republikanischen Senatorin Kelly Ayotte die Unterstützung, weil sie sich dem Vorstoß der Regierung Obama zur Beschränkung des Ausstoßes von Treibhausgasen anschloss. Die Kochs dringen auf weniger Regulierungen.

Das Team schafft in dem Staat etwa 11.000 Besuche pro Woche. AFP-Bereichsdirektor Jeremy Baker machte die Helfer von außerhalb mit den Gepflogenheiten im Südosten Pennsylvanias vertraut: „Eigentlich wollen sie gar nicht, dass man ihre Tür klopft. Wenn ihr es doch tut, müsst ihr knapp und präzise sein. Ihr werdet mit diesen Leuten keine 30-minütige Unterhaltung haben.“

„Wir bitten die Leute, gegen Katie McGinty zu stimmen“, sagt Ed Saterstad entsprechend kurz und knapp zu Bob Ryan, der ihm die Tür öffnete. Der 37-jährige Teilzeitbeschäftigte der Koch-Gruppe sagt ein paar Sätze über McGinty und beschreibt sie als liberal und schlecht für Pennsylvania. Ihre Energiepolitik etwa würde die Preise steigen lassen, erklärt er Ryan, dessen Antworten er auf seinem Tablet-Computer notiert. Nach knapp einer Minute fragt Saterstad: „Nachdem Sie all das über Katie McGinty gehört haben, ist es jetzt mehr oder weniger wahrscheinlich, dass Sie sie unterstützen?“ Ryan grinst. „Ich wollte sie sowieso nicht unterstützen. Aber gut: weniger.“

Niemand habe bisher an seine Tür geklopft, um über die Präsidentenwahl zu sprechen, sagt Ryan später. Er hat wohl auch nicht darauf gewartet. Nach seiner Meinung gefragt, seufzt er. „Ich finde, Trump ist ein Desaster, und Clinton ist eine reine politische Opportunistin“, sagt der Republikaner, der sich zum Unabhängigen gewandelt hat. „Sagen wir so: Ich bin entsetzt, dass das das beste ist, womit wir aufwarten können.“ Ob er an der Präsidentenwahl teilnimmt, weiß er noch nicht. Wenn er überhaupt wählen gehe, dann werde er für Senator Toomey stimmen, sagt Ryan.

Quelle:  Handelsblatt Online
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