Ex-Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist zurück auf der politischen Bühne, gibt aber nur den Wahlkampfhelfer. Die CSU-Basis liebt ihn. Will er mehr?

Wahlkampf in Kulmbach: Guttenberg läuft sich warm

, aktualisiert 31. August 2017, 07:51 Uhr
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Kein Wort zu den eigenen Ambitionen.

von Corinna NohnQuelle:Handelsblatt Online

Der Plagiator ist zurück in seinem Wahlkreis: In Diensten des CSU-Wahlkampfes erobert Karl-Theodor zu Guttenberg eine kleine politische Bühne. Wenn das ein Test für Größeres war, ist er geglückt.

Am Anfang steht erst einmal eine Entschuldigung: Es tue ihm Leid, beteuert Oberbürgermeister Henry Schramm, dass die Stadthalle nicht größer sei. „Wir können nicht alle hier reinbringen.“  Die Übrigen müssten leider mit der Leinwand im Foyer Vorlieb nehmen. Stolz blickt der CSU-Mann in den proppenvollen Saal, auch wenn er weiß, dass das Interesse einem anderen gilt: dem „lieben Ka Te“, wie Schramm den Gast begrüßt, dem er kurz darauf die Bühne überlässt.

Gemeint ist Karl-Theodor zu Guttenberg. Der in Deutschland in Ungnade gefallene und in die USA ausgewanderte Polit-Superstar erweist der CSU in Wahlkampfzeiten die Ehre. Von einer Rückkehr in die Politik will keiner laut sprechen, aber er taucht nun wieder öfter im Umfeld seiner Partei auf, etwa am vorigen Samstag beim 60. Geburtstag des bayerischen Landwirtschaftsministers Christian Schmidt.

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Im Wahlkampf ist nun von sieben Auftritten ist die Rede, das oberfränkische Kulmbach machte am Mittwochabend den  Auftakt: Hier ist die Familie zu Hause, hier wurde der Baron 2002 erstmals direkt in den Bundestag gewählt und startete seine rasante politische Karriere.

Seine Anhänger zeigen deutlich, dass die Plagiatsaffäre um Guttenbergs Dissertation, im Zuge derer er seinen Doktortitel verlor und schließlich im März 2011 von allen politischen Ämtern zurücktrat, für sie kein Thema mehr ist. Auch, dass er mit Frau Stephanie und den beiden Töchtern vor Jahren in die USA gezogen ist, tut der Liebe keinen Abbruch:  Euphorisch und mit lautem Applaus begrüßen sie den 45-Jährigen, erst nach einer Minute auf der Bühne kann er einen Satz vollenden, den man auch versteht.

Der einstige Bundesminister stellt dann ziemlich schnell klar: Er habe aus seinem „selbst verursachten Versagen“ gelernt, sei „auch dankbar für manchen Spott und Häme, auch da nimmt man viel mit“, aber er habe alle „Konsequenzen gezogen und ertragen“ und könne daher „zumindest für mich sagen: Jetzt ist auch mal gut“. Es soll also nicht mehr ums Entschuldigen gehen, lieber will Guttenberg die Leute im Saal mitnehmen auf einen Streifzug „durch die Welt, die in den letzten Jahren in eine bedenkliche Unordnung geraten ist“.

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Nun ist das einerseits ein eleganter Zug, mögliche konfliktreiche, eventuell von CSU-Ministern oder gar Horst Seehofer zu verantwortende Probleme zu umschiffen. Gleichzeitig klingt es unabhängiger, weltmännischer, als das, was normalerweise von CSU-Politikern zu hören ist. Es dürften auch nur wenige im Saal wissen, dass solch ein Streifzug durch die Außenpolitik Guttenbergs Standardrepertoire ist.

Der 45-Jährige spricht dann frei, gibt sich humorvoll, hat auch gleich die Lacher auf seiner Seite: Er turne hier mal lieber vorne auf der Bühne herum, stehe nicht hinterm Rednerpult, „weil ich sonst Gefahr gelaufen wäre, eine abgeschriebene Rede zu halten“.


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