Wall Street im Abwärtssog: Banken und Techwerte führen Abwärtskorrektur an

Wall Street im Abwärtssog: Banken und Techwerte führen Abwärtskorrektur an

, aktualisiert 09. Februar 2016, 01:53 Uhr
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Die Woche begann mit kräftigen Verlusten für die wichtigsten Indizes an der Wall Street.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Mit einer erratischen Berg- und Talfahrt starteten die US-Börsen in die neue Woche. Sorgen um Wirtschaft, Ölpreis und Unternehmensgewinne belasten die Finanzmärkte. Nur bei den Gehältern der Tech-Manager geht es bergauf.

San FranciscoEs hätte noch schlimmer kommen können: Im Tief hatte der Dow-Jones-Index am Montag rund 400 Punkte abgegeben. Erst einige späte Käufe hievten den Index dann wenigsten wieder über die psychologische Marke von 16.000.

Mit einem Schlusskurs von 16.027 Punkten blieb jedoch immer noch ein Minus von 177,92 Punkten oder Minus 1,1 Prozent. Doch die Angst bleibt. Steht der Aktienmarkt vor einem neuen Debakel?
Banken, Technologieaktien und hoch bewertete Hoffnungswerte waren wieder an der Spitze der Verlierer zu finden.

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Der Investmentriese Goldman Sachs brach um 4,61 Prozent ein, mit 149,25 Dollar liegt der Wert nahe dem 52-Wochen-Tief von 145,25. Die Papiere der Bank of America gaben 5,3 Prozent nach. Die US-Finanzwerte folgten den europäischen Banken im Abwärtstrend. Stark diskutiert wurden die Deutsche Bank und ihr sogenannter „CoCo Bond“ sowie der teilweise Bonus-Verzicht von Tidjane Thiam, dem neuen Chef der Credit Suisse.

Unter den Hoffnungswerten verlor Elektroauto-Pionier Tesla kräftig mit weiteren 8,99 Prozent auf 147,99 Dollar. Im Vorfeld der Quartalszahlen fürchten Anleger offenbar schlechte Nachrichten und nehmen an Gewinnen mit, was noch übrig ist.

Vor wenigen Monaten lag die Aktie noch bei 289 Dollar. Facebook verlor 4,15 Prozent und sank auf 99,75 Dollar. Ein Gericht in Indien stoppte die Pläne für einen kostenlosen Internet-Basisdienst. Er hätte praktisch ein Facebook-zentriertes Mini-Internet geschaffen.
Die Twitter-Aktie findet ebenfalls keinen Boden. Über das Wochenende waren Informationen durchgesickert, der Chef Jack Dorsey plane kräftige Veränderungen, was viele Nutzer verärgerte. Mit 5,28 Prozent Minus-Verlust auf 14,89 Dollar lag die Aktie des Kurznachrichtendienstes unter den Top-Verlierern. Über zehn Prozent - jetzt 16,11 Dollar - musste die Empfehlungsplattform Yelp abgeben.
Mit einem Plus von 0,06 Prozent auf 704,16 Dollar hielt sich Google-Mutter Alphabet erstaunlich gut. Der Internetriese verkündete am Montag, dass der Google-Chef Sundar Pichai Anrechte auf Aktien im Wert von 199 Millionen Dollar als Vergütungspaket bekommen hat. Die Aktien werden Pichai paketweise in Vierteljahresabständen bis Ende 2019 ausgezahlt, wenn er solange bei Google bleibt. Der gebürtige Inder wird damit zu einem der bestbezahltesten Manager in den USA.


Chesapeake Energy steht kurz vor dem Konkurs

„Was wir gerade im Technologiebereich und anderen Sektoren sehen ist, dass die (hohen) Bewertungen zurückgenommen und näher an die Fundamentaldaten gebracht werden“, zitiert der Nachrichtendienst Reuters den Chef des US-Wertpapierhandels der RBC in Chicago, Ryan Larson.
„Die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession in den USA im kommenden Jahr liegt bei 25 Prozent. Das ist ziemlich hoch“, so der Experte. Auch Ethan Harris, vom Global Economics Research bei Bank of America Merrill Lynch, zeigte sich am Montag angesichts der aktuellen Situation vorsichtig und erklärte gegenüber Bloomberg TV: „Die Aktienmärkte spiegelten diese höhere Gefahr eines Wirtschafsabschwungs wider“.

Zum Ende der Berichtssaison in den USA ist klar geworden: Viele Unternehmen haben die Erwartungen an Umsatz und Gewinn nicht oder nur knapp erfüllt. Ein Großteil hat zudem die Erwartungen für das laufende Quartal gesenkt. Die Gefahr: Die Turbulenzen der Finanzmärkte finden ihren Weg in die reale Wirtschaft.
Wie dramatisch die Nervosität am Markt ist, zeigt der Fall Chesapeake Energy. Der amerikanische Öl- und Gasförderer mit Sitz in Oklahoma steht wegen fallender Öl- und Gaspreisen seit langem unter Druck. Am Montag machten Gerüchte die Runde, das Unternehmen könnte einen Konkursantrag überlegen und habe eine auf Restrukturierungen spezialisierte Anwaltsfirma angeheuert. Anleihen und Aktien gerieten danach massiv unter Druck, die Aktie fiel während des Handels um bis zu 50 Prozent, zum Schluss blieb ein Minus von 33 Prozent auf 2,05 Dollar. Chesapeake hatte zwischenzeitlich dementiert, an Plänen für einen Konkurs zu arbeiten. Aber die Zeichen stehen auf Sturm. Das Rating durch S&P ist gerade erst von „B“ auf „CCC+“ gesenkt worden, also unterhalb der Investmentgüte.
Die gesamte Branche ist ohnehin im Sparmodus, Diamond Offshore Drilling hat am Montag die vierteljährliche Dividendenzahlung ausgesetzt. ConocoPhilips hat vergangene Woche die Dividende um 66 Prozent gekürzt. Chesapeake Energy hat im Januar bereits die Dividenden auf Vorzugsaktien eingestellt.
Zu Wochenbeginn war der Rohölpreis wieder unter 30 Dollar pro Fass gefallen. Das entlastet zwar die Verbraucher an den Zapfsäulen, aber eine spürbare Belebung der Wirtschaft ist nicht zu verzeichnen. Im Gegenteil. Nun wartet alles auf den nächsten Auftritt von Fed-Chefin Janet Yellen.

Am Mittwoch wird sie in Washington vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses zum Thema „Geldpolitik und der Stand der Wirtschaft“ Rede und Antwort stehen müssen. Jeder Satz wird danach auf die Goldwaage gelegt werden: Erhöht sie die Zinsen weiter oder angesichts der Marktturbulenzen erst einmal nicht mehr? Von der Antwort der Frage wird abhängen, welche Richtung der Dow-Jones-Index nimmt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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