Warenangebot in Brasilien: Qualität wie im Ostblock, Preise wie bei Feinkost Käfer

Warenangebot in Brasilien: Qualität wie im Ostblock, Preise wie bei Feinkost Käfer

, aktualisiert 30. November 2016, 13:02 Uhr
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In Ländern wie Brasilien kennt man eine große und hochwertige Produktauswahl wie in Deutschland nicht.

von Alexander BuschQuelle:Handelsblatt Online

Egal ob Zahnpasta, Filzschreiber oder Frischhaltefolie: Weil brasilianische Produkte überteuert und qualitätsarm sind, werden Waren von ausländischen Urlaubsreisen gebunkert. Der Grund scheint offensichtlich zu sein.

São PauloBrasilianische Freunde wundern sich immer, was ich von meinen Deutschland-Reisen nach Brasilien mitbringe. Ich meine nicht Brot oder Müsli – Dinge, die man als Deutscher im Ausland typischerweise vermisst. Sondern ganz einfache Alltagsdinge wie Zahnpasta, Filzschreiber – ja selbst Wischlappen. Wenn noch Platz im Gepäck ist, sogar Frischhaltefolie. Denn auch nach zehn Jahren Boom in Brasilien mit dem Aufstieg von 30 Millionen Brasilianern in die Mittelschicht sind Angebot, Qualität und Auswahl an Konsumartikeln immer noch bescheiden – und das liegt nicht an der derzeitigen Krise.

Die Präsentation der Waren in Supermärkten auf dem flachen Land erinnert an Ostblock-Zeiten – die Preise jedoch eher an Feinkost Käfer. Deutsche Edeka-Filialen können locker mit den Edel-Supermärkten in brasilianischen Wohlstandsgegenden mithalten. Bei der Qualität sowieso: Die Frischhaltefolie ist in Brasilien so dünn, dass sie permanent reißt. Das Wattestäbchen verliert den Bauwollpfropf, kaum dass man es in die Hand nimmt. Der Dosenöffner gibt seinen Geist nach zwei Tomatendosen auf.

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Für unsere Küche konnten wir zwischen genau zwei Spülmaschinenmodellen auswählen. Auf Garantie blieb die Maschine vier Monate in der Werkstatt, bis das fehlende Teil vom Lieferanten geschickt wurde. 95 Prozent des konsumierten Biers besteht aus drei Sorten von zwei Herstellern, die zudem ähnlich schmecken… Das ließe sich jetzt ewig so weiterführen. Wenn ich bei den Produzenten nachfrage, woran das liegen könnte, zählen sie die hohen Importzölle für Vorprodukte auf, die Lohnnebenkosten, die Bürokratie und so weiter.

Erst im längeren Gespräch erklären Anbieter, die verständlicherweise nicht genannt werden möchten, das gewöhnungsbedürftige Preis-Leistungs-Verhältnis mit der Genügsamkeit der Brasilianer. Man sei keine bessere Qualität gewohnt – und würde die auch nicht einfordern.

Ein Außenpolitikexperte führt das magere und überteuerte Warenangebot auf den fehlenden politischen Druck für einen Wandel zurück. Denn diejenigen, welche die größere, bessere und billigere Produktpalette im Ausland kennen würden, also die Wohlhabenden, würden sich ihre Produkte sowieso auf den Auslandsreisen mitbringen – sie machten also keinen politischen Druck zur Öffnung des Landes. Deswegen dominierten Protektionismus-Befürworter die brasilianische Wirtschaftspolitik.

Möglich, dass das stimmt. Ich bin auf jeden Fall immer ein bisschen neidisch, wenn Besucher aus Europa über die „erschlagende“ oder „überflüssige“ Angebotsüberfülle in den dortigen Supermärkten zetern: So schlimm fände ich zwanzig Sorten Joghurt im Kühlregal nicht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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