Warnstreik bei der DZ Bank: Im Regen stehen

Warnstreik bei der DZ Bank: Im Regen stehen

, aktualisiert 02. Juni 2016, 20:25 Uhr
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Zum Warnstreik kam nur ein Bruchteil der Mitarbeiter.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Verdi will mehr Mitsprache bei der DZ Bank. Die Gewerkschaft ringt um einen Haustarifvertrag. Zum Warnstreik bei Schmuddelwetter kommt aber nur ein Bruchteil der Mitarbeiter.

Frankfurt „Ich sehe nicht nur Regenschirme, ich auch Menschen“, stellte Verdi-Vorstand Christoph Meister gleich am Anfang fest. Er machte denjenigen, die gekommen sind, Mut: „Ich finde es gut, dass Sie heute hier sind.“ Manche Bewegungen hätten mit weniger Menschen begonnen.

Meister, bei Verdi zuständig für Finanzdienstleister, selbst war eigens nach Frankfurt gereist, um seine Kollegen bei der DZ Bank zu unterstützen. Zum „Auftakt einer langen Kampagne“, wie er sagte. „Da müssen wir durch.“ Es gebe dabei auch Enttäuschungen.

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Damit dürfte er darauf angespielt haben, dass am Donnerstagmorgen nur rund 250 DZ-Bank-Mitarbeiter dem Aufruf zum Warnstreik gefolgt waren. Sie standen im Nieselregel vor dem genossenschaftlichen Spitzeninstitut, während ihre Kollegen – die Bank hat insgesamt 4500 Mitarbeiter - wie gewöhnlich in die Büros gingen.

Die Gewerkschaft ringt um einen Haustarifvertrag bei der DZ Bank und stößt beim Management auf Ablehnung. Unter anderem will Verdi eine bessere betriebliche Altersversorgung erreichen. Die Auseinandersetzung kommt für das Geldhaus zur Unzeit. Es steckt mitten in den Vorbereitungen der Fusion mit dem zweiten, kleineren Spitzeninstitut, der Düsseldorfer WGZ Bank. Die beiden Geldhäuser, die Zentralbanken der rund tausend deutschen Volks- und Raiffeisenbanken sind, wollen zum 1. August verschmelzen. Damit entsteht die drittgrößte deutsche Geschäftsbank.

Die Bank sieht „keine Notwendigkeit“, darüber mit einer Gewerkschaft zu verhandeln, wie sie mitteilte. Man habe in der Vergangenheit immer gute innerbetriebliche Regelungen vereinbart. Das Kreditinstitut weist zudem darauf hin, dass es Mitglied im Arbeitgeberverband der Genossenschaftsbanken ist und dass dieser über Tarifverträge mit den kleineren Gewerkschaften DBV und DHV verfüge.


Für Verdi steht viel auf dem Spiel

Im Streit über einen Haustarifvertrag steht für Verdi daher viel auf dem Spiel: die Frage, welche Bedeutung die Dienstleistungsgewerkschaft bei den Genossenschaftsbanken hat. Seit mehreren Jahren ist sie als Tarifpartei im Sektor weitgehend außen vor. Im Jahr 2008 zerstritt sich Verdi mit dem DBV. Damals schloss der DBV mit den Genossenschaftsbanken einen Tarifvertrag ab, auf den Verdi sich nicht einlassen wollte.

Immerhin hat Verdi bei der DZ Bank rund 1 300 Mitglieder, den Großteil in Frankfurt. Die DBV dürfte mit dramatisch weniger Mitgliedern vertreten sein. Die Gewerkschaft äußert sich zu der Zahl nicht.

Aus Sicht des Frankfurter DZ-Betriebsrat geht es um noch mehr: Die Arbeitnehmervertreter monieren, sie erhielten vom Vorstand nicht alle Informationen, um die Verhandlungen zum Interessenausgleich abzuschließen. Aber nur wenn Interessenausgleich und Sozialplan - beides wird bei größeren Änderungen verhandelt - bis zum 1. August abgeschlossen sind, wird der vereinbarte Kündigungsschutz von fünf Jahren bis Ende 2020 wirksam. „Wir sind unter Druck“, sagte der Frankfurter Betriebsratschef Jürgen Lang. Sicherheitshalber habe man auch die Übernahme von Sozialplan und Interessenausgleich in die Tarifforderungen aufgenommen, argumentierte er.

Die fusionierte Bank will 700 Stellen für Vollzeitkräfte bis 2019 abbauen, das dürfte rund 1000 Mitarbeitern entsprechen. DZ und WGZ beschäftigten zum Jahreswechsel knapp 5 700 Menschen.

Der DZ-Vorstand weist den Vorwurf zurück. Er habe die Informationen über den geplanten Stellenabbau den Betriebsräten „auch im vereinbarten Detailniveau und zeitgerecht zur Verfügung gestellt“, schrieb er jüngst im Intranet der Bank. Das Fusionsprojekt gehe „gut und zügig“ voran.

Endgültig besiegelt werden soll der Zusammenschluss am 22. und 23. Juni. Dann stimmen die Anteilseigner beider Geldhäuser über die Fusion ab.

Quelle:  Handelsblatt Online
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